Stadtohr

Stadtrundgang Offenbach am Main · Station 6 von 16

Deutsches Ledermuseum

1917 · leder, lehrsammlung, messe, schuhmuseum

Ausführlich

Sie stehen vor dem Deutschen Ledermuseum. Es wurde 1917 vom Architekten Hugo Eberhardt gegründet, dem Direktor der Offenbacher Technischen Lehranstalten, und es war keine Schatzkammer, sondern ein Lehrmittel. Eberhardt war der Meinung, dass für die Ausbildung von Formgestaltern von morgen die Begegnung mit dem historischen Objekt unerlässlich sei. Also baute er eine Sammlung historischer Vorbilder für die Ausbildung junger Handwerker und Lederwarenproduzenten auf. Weil Offenbach zu dieser Zeit ein wichtiger Standort der Lederwarenindustrie war, wurde dieser Bereich Schwerpunkt. Leder sollte dabei die Rolle des Mediums und des Türöffners spielen. Eröffnet wurde das Museum am 13. März 1917, anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläums des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen. Möglich wurde die Einrichtung durch Stiftungen Offenbacher Lederwarenfabriken und Zuwendungen des Industriellen Robert von Hirsch und anderer. Erst zeigte Eberhardt die Anfänge in den Technischen Lehranstalten, ab 1922 in größeren Räumen in der Villa Mainpfaltz an der Kaiserstraße, 1938 zog das Museum hierher. Nun das Haus, und hier kommt Frankfurt wieder ins Spiel. Dieses Gebäude ist das ehemalige Lagerhaus der Offenbacher Messe, 1829 im klassizistischen Stil erbaut. Warum gab es eine Offenbacher Messe? 1828 wurde eine Zollvereinbarung zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen geschlossen, der die Messestadt Frankfurt am Main zunächst nicht beitrat. In der Folge veranstaltete Offenbach ab September 1828 mit großem Erfolg eine eigene Messe, und für die Waren brauchte es dieses Lagerhaus. 1836 schloss sich Frankfurt dem erweiterten Deutschen Zollverein an, was zum Ende der Offenbacher Messe führte. Acht Jahre Messe, ein Lagerhaus, das bleibt. Schauen Sie die Fassade an. Ein breit gelagerter, ursprünglich zweigeschossiger Baukörper aus unverputztem Bruchstein-Mauerwerk, das Portal ein Mittelrisalit mit hohem, ehemaligem Torbogen und teilweiser Sandsteinverkleidung. Der Name des Entwerfers ist unbekannt, doch kann der Zweckbau zu den von Georg Moller beeinflussten Bauwerken gezählt werden. Als Kulturdenkmal steht er unter Schutz, weil er Zeugnis einer Zeit raschen wirtschaftlichen Aufschwungs ist. 1938 baute Eberhardt das Lagerhaus nach eigenen Plänen zum Museum um. Drinnen liegen drei Sammlungen: Angewandte Kunst, eine Ethnologische Sammlung und das Deutsche Schuhmuseum. In der Angewandten Kunst finden Sie Gürtel, Taschen, Prunkschilde, Rüstungen, Masken, lederne Bucheinbände, dazu Aktentaschen Napoleon Bonapartes und seiner Frau Joséphine. Das Schuhmuseum hat über 15.000 Exponate aus vier Jahrtausenden, von Stiefeln römischer Legionäre und Plateauschuhen venezianischer Kurtisanen bis zu den Turnschuhen Joschka Fischers, die er bei seinem Amtsantritt als hessischer Umweltminister trug. Zwei Dinge noch, die man nicht erwartet. Die letzte Ruhestätte des Gründers ist hier: Hugo Eberhardts Urne wird hinter einer Grabwand im Museum verwahrt. Und der wahrscheinlich weltweit größte Stoßzahn eines Narwals, zwei Meter vierundsiebzig lang, steht ebenfalls in diesem Haus. Auf der Freifläche davor sehen Sie das Portal der Lederwerke J. Mayer und Sohn, 2013 nach einer Teilrekonstruktion als Denkmal für ein Stück Offenbacher Industriegeschichte aufgestellt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Deutschen Ledermuseum. Gegründet wurde es 1917 vom Architekten Hugo Eberhardt, ursprünglich als Sammlung historischer Vorbilder für die Ausbildung junger Handwerker. Heute umfasst die Sammlung über 30.000 Objekte. Das Gebäude ist das ehemalige Lagerhaus der Offenbacher Messe von 1829.

Für Kinder

Du stehst vor dem Deutschen Ledermuseum. Offenbach war früher berühmt für Taschen, Koffer und Schuhe aus Leder. 1917 hatte Hugo Eberhardt eine Idee: Die Lehrlinge sollten alte, gut gemachte Sachen anschauen können, um selbst gut arbeiten zu lernen. Also sammelte er. Heute liegen hier über 30.000 Dinge. Im Schuhmuseum siehst du Stiefel von römischen Soldaten und die Turnschuhe eines Ministers. Und etwas, das überhaupt nicht nach Leder klingt: der vielleicht größte Narwalzahn der Welt, 2,74 Meter lang. Wie lang ist das? Miss es mit deinen Schritten ab.

Quellen

Koordinaten: 50.1033, 8.755 · auf der Karte

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