Sie stehen vor der Skulpturengruppe Krieh die Kränk, Offebach, einer Bronzearbeit des Bildhauers Bonifatius Stirnberg aus dem Jahr 1998. Sie steht vor der Apotheke zum Löwen in der Frankfurter Straße am Offenbacher Stadthof, und die Apotheke ist die Stifterin. Schauen Sie zuerst genau hin. Auf einer leicht gewölbten runden Bronzeplatte, montiert auf einem Steinsockel, steht ein hagerer, älterer Mann mit verschrecktem Gesicht, gekleidet im Stil des 19. Jahrhunderts mit Frack und Kniehosen. Er bückt sich und greift mit der rechten Hand nach einem Stein, den linken Arm hat er gerade vor sich gestreckt. Vor ihm ist, wie zu Boden fallend, ein Zylinder drehbar montiert. Über die Bodenplatte verteilt erheben sich Steine, die mit verknoteten Seilen festgemacht sind. Um den Mann herum vier Hunde: eine Bulldogge, ein Schnauzer, ein Dackel, ein Mischling. Die Hundefiguren sind drehbar gelagert, Kopf, Beine, Ohren und Schwänze können in verschiedene Richtungen verstellt werden. Das Kunstwerk will angefasst werden. Jetzt die Geschichte, und sie steht in erhabener Schrift auf der Vorderseite der Bodenplatte. Die Gruppe bezieht sich auf eine in Offenbach überlieferte Anekdote: vor vielen Jahren besuchte ein Frankfurter Bürger im Winter Offenbach. Dort wurde er von freilaufenden Hunden angegriffen. Als er sich nach einem Stein bückte, um diesen nach den Tieren zu werfen, war der Stein festgefroren. Daraufhin rief er im Frankfurter Dialekt aus: Krieh die Kränk, Offebach. Die Staa binne se aa, die Hunde lasse se laafe. Auf Hochdeutsch: Verdammtes Offenbach. Die Steine binden sie an, die Hunde lassen sie laufen. Deshalb liegen auf der Platte angebundene Steine und laufen die Hunde frei. Der Ausdruck Krieh die Kränk ist im Südhessischen ein Stoßseufzer und eine milde Verwünschung. Entscheidend ist aber, woher der ganze Satz kommt. Aus der Konkurrenz der beiden Nachbarstädte Frankfurt am Main und Offenbach entwickelte sich in Frankfurt im 19. Jahrhundert der Ausruf Krieh die Kränk, Offebach. Diese Konkurrenz ist das Thema, das sich durch den ganzen Tag zieht, und hier steht es in Bronze. Offenbachs erste urkundliche Erwähnung von 977 ist eine Schenkung an die Frankfurter Salvatorkirche. 1372 verpfändete Graf Philipp von Falkenstein Offenbach für eintausend Gulden an den Rat der Stadt Frankfurt. Um 1400 ließ Werner III. von Falkenstein hier am Main ein Schloss bauen und Münzen prägen, worauf sich Frankfurt provoziert fühlte und protestierte. Die Offenbacher Messe entstand 1828 nur, weil Frankfurt einer Zollvereinbarung nicht beitrat, und sie endete 1836, als Frankfurt beitrat. Und weil Frankfurt keine Gewerbefreiheit zuließ, wanderten die Manufakturisten über die Landesgrenze nach Offenbach ab, wo die Grafen zu Isenburg ihnen ein Regal bewilligten. Ein großer Teil dessen, was Offenbach geworden ist, ist in Frankfurt entschieden worden, meist durch ein Nein. Heute bilden die beiden Städte ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet und sind über den Regionalverband FrankfurtRheinMain verbunden. Der Stein ist nicht mehr festgefroren, aber er liegt noch da.
Sie stehen vor der Skulpturengruppe Krieh die Kränk, Offebach, einer Bronzearbeit von Bonifatius Stirnberg aus dem Jahr 1998. Sie steht vor der Apotheke zum Löwen in der Frankfurter Straße am Stadthof, die die Gruppe auch gestiftet hat. Zu sehen sind ein Mann und vier Hunde.
Du stehst vor einer Bronzefigur: ein Mann mit altmodischer Kleidung und vier Hunden. Die Hunde kannst du anfassen und drehen. Dazu gehört eine Geschichte. Ein Mann aus Frankfurt kam im Winter nach Offenbach. Plötzlich bellten ihn freilaufende Hunde an. Er bückte sich nach einem Stein, um ihn zu werfen, aber der Stein war am Boden festgefroren. Da schimpfte er auf Frankfurter Art: Die Steine binden sie an, die Hunde lassen sie laufen. Frankfurt und Offenbach haben sich lange geärgert, wie Nachbarn, die sich streiten. Welchen Hund magst du am liebsten?
Koordinaten: 50.1049, 8.76103 · auf der Karte