Stadtohr

Stadtrundgang Offenbach am Main · Station 4 von 16

Büsing-Park

· landschaftsgarten, rundtempel, lichterfest, gedenken

Ausführlich

Sie stehen im Büsing-Park, einem Volkspark mitten in der Innenstadt, der sich entlang der Berliner Straße bis zur Kaiserstraße erstreckt. Gemeinsam mit dem Büsing-Palais ist er Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Angelegt wurde er 1790 im Stil eines englischen Landschaftsgartens und gehörte als privater Garten zum Herrenhaus der Fabrikantenfamilien Bernard und d'Orville. Die im Park zahlreich wachsenden Stieleichen stammen vermutlich noch aus dieser Zeit. Das ist die älteste Ausstattung, die Sie hier sehen: lebende Bäume. 1890 erwarb der Hamburger Kaufmann Adolf Büsing, ein Nachkomme der Familie d'Orville, das Grundstück und ließ den mittlerweile verwilderten Park zur Jahrhundertwende neu gestalten, zusammen mit dem Umbau des Herrenhauses. 1921 erwarb die Stadt das Palais als Rathaus, und seitdem ist der Park öffentlich zugänglich und trägt seinen Namen. Zwischen 2006 und 2007 wurde er noch einmal neu gestaltet, unter Berücksichtigung der historischen Strukturen aus dem 19. Jahrhundert, wobei unter anderem Wege verlegt wurden. Suchen Sie die kleine Anhöhe. Etwa 1790 entstand darauf ein offener Rundtempel im Rokokostil, ursprünglich wohl als Bühne für Musikdarbietungen gedacht. Innen war er mit aufwändigen Stuckarbeiten ausgestattet und wies wahrscheinlich auch Malereien auf. Im Inneren des Hügels soll es einen Keller gegeben haben, in dem Stühle aufbewahrt werden konnten. Eine Bühne mit Stuhllager darunter. 2004 wurde der Tempel mit finanzieller Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege saniert. Und nun das Stück, das ich am liebsten erzähle. Hin zur Kaiserstraße findet sich ein Scheintor. Dieses war niemals Portal, sondern als Sitznische gedacht und wurde um 1900 errichtet. Architekt war Wilhelm Manchot, derselbe, der das Herrenhaus zum Palais ausbaute. Ein Tor, durch das man nie gehen konnte, gebaut, um darin zu sitzen. Im Park finden sich viele Kunstwerke, darunter Plastiken von Hans Mettel, Wilhelm Rietschel und Karlgeorg Hoefer. Dazu Spielplatz, Bouleplatz, Wasserspiele, ein Springbrunnen und viele Bänke. Drei Wege hier tragen Namen, die Sie kennen sollten: der Regina-Jonas-Weg, der Max-Dienemann-Weg und der Salomon-Formstecher-Weg. Die Benennungen erinnern an drei Rabbiner, deren Wirken mit der Stadt Offenbach und der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen ehemaligen Synagoge verbunden ist. Zwischen Büsing-Park und Lili-Park wurde 2005 der Sophie-von-Laroche-Platz angelegt. Einmal im Jahr sieht es hier anders aus. Im August findet das Lichterfest statt, organisiert von der Stadt und gestaltet von Vereinen, Initiativen, Kirchen und religiösen Gruppierungen. 2014 und 2015 wurden jeweils siebzigtausend Kerzen im Park zu Motiven angeordnet. Zum ersten Mal lief das Fest am 18. August 2004, aus Anlass des fünfzigjährigen Großstadtjubiläums. Die Neue Philharmonie Frankfurt gab damals ein Dankeschönkonzert, weil die Stadt ihr das Capitol als Probedomizil zur Verfügung gestellt hatte; aus dem Dank wurde ein fester Bestandteil des Festes. Seit 2014 ist die Besucherzahl aus Sicherheitsgründen auf etwa sieben- bis achttausend Personen begrenzt, und es wird ein Eintritt von zwei bis drei Euro erhoben.

Kurzfassung

Sie stehen im Büsing-Park, dem Volkspark in der Innenstadt. Angelegt wurde er 1790 im Stil eines englischen Landschaftsgartens als privater Garten des Herrenhauses. Seit 1921, als die Stadt das Palais erwarb, ist er öffentlich zugänglich und trägt diesen Namen.

Für Kinder

Du stehst in einem Park, der schon 1790 angelegt wurde, also vor über zweihundert Jahren. Damals war er privat und gehörte zum Herrenhaus. Erst 1921 durften alle hinein. Die dicken Eicheln­bäume hier sind vermutlich noch aus der ersten Zeit. Such den kleinen runden Tempel auf dem Hügel: Dort spielte früher Musik, und unter dem Hügel soll ein Keller für die Stühle gewesen sein. Und dann such ein Tor, durch das man nicht gehen kann. Es war nie ein Eingang, sondern eine Nische zum Sitzen. Jeden August brennen hier tausende Kerzen.

Quellen

Koordinaten: 50.1074, 8.75912 · auf der Karte

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