Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 8 von 16

St. Lorenz

um 1250 · kirche, gotik, stiftung, veit stoß

Ausführlich

Sie stehen vor St. Lorenz. Diese Kirche hat ihr Leben im Schatten einer anderen verbracht, und das erklärt fast alles an ihr. Nürnberg bestand aus zwei Hälften, nördlich und südlich der Pegnitz, und jede hatte ihre Pfarrkirche. St. Sebald im Norden war die ältere und im Mittelalter die bedeutendere; dort lag der Stadtheilige begraben. St. Lorenz hatte Laurentius als Patron, und von dem war weder der Leichnam noch irgendein Körperteil hier. Die Baugeschichte liest sich deshalb wie eine Liste von Antworten. St. Sebald begann um 1230 zu bauen, St. Lorenz um 1250. St. Sebald erweiterte die Seitenschiffe, St. Lorenz tat um 1400 dasselbe und schob die Außenwände so weit nach außen, dass zwischen den Strebepfeilern kleine Privatkapellen für die Ratsgeschlechter entstanden. St. Sebald erhielt zwischen 1361 und 1379 einen Hallenchor, St. Lorenz baute seinen von 1439 bis 1477. Und was an Reliquien fehlte, wurde ersetzt: Seit 1316 liegen hier die Reliquien des heiligen Deocarus, des Beichtvaters Karls des Großen. Über seinem 1436 und 1437 gestifteten Altar ließen die Kirchenväter den Hallenchor errichten, nachweislich aus den Mitteln Nürnberger Bürger. Dieses Wort ist der Schlüssel. Nicht ein Bischof und nicht ein Kaiser hat diese Kirche bezahlt, sondern die Bürgerschaft, Familie für Familie. Schauen Sie die Westfassade an: zwei Türme, achtzig Komma acht und einundachtzig Meter hoch, ein spitz aufragendes Gewändeportal, eine Fensterrose von neun Metern Durchmesser. Das ist der Anspruch einer Stadt, die keinen Fürsten über sich hatte. Drinnen hängen die beiden Stücke, für die man herkommt. Das Sakramentshäuschen von Adam Kraft, 1493 bis 1496, fast zwanzig Meter hoch, aus Sandstein, gestiftet von Hans Imhoff dem Älteren. Und der Englische Gruß, den der Patrizier Anton Tucher 1517 und 1518 bei dem Bildschnitzer Veit Stoß in Auftrag gab: Maria und der Engel Gabriel aus Lindenholz, übermannsgroß, farbig gefasst und vergoldet, in einem Kranz aus fünfundfünfzig goldenen Rosen, drei Meter zweiundsiebzig hoch. Am 2. April 1817 stürzte dieses Werk ab und zerbarst beinahe vollständig. Was Sie heute sehen, ist aufwendig restauriert. 1525 wurde St. Lorenz eine der ersten evangelischen Kirchen Deutschlands. Die Bilder blieben trotzdem stehen. Die Bürger wollten das Andenken an ihre Vorfahren ehren. Dieselbe Haltung rettete die Kunst ein zweites Mal: Vor den Luftangriffen wurde die Ausstattung ausgelagert. Getroffen wurde die Kirche am 10. und 11. August 1943, am Laurentiustag, und erneut im Januar, Februar und März 1945. Dach und Gewölbe waren weitgehend zerstört. Beim Wiederaufbau ab 1949 half Geld aus Amerika, organisiert von Rush Kress, dessen Vorfahre Anton Kress hier Geistlicher gewesen war. Am Laurentiustag 1952 wurde hier wieder Gottesdienst gefeiert.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Lorenz, der Pfarrkirche der Stadthälfte südlich der Pegnitz. Der Baubeginn der dreischiffigen Basilika wird um 1250 datiert, der spätgotische Hallenchor wurde 1477 vollendet. Die Türme sind rund einundachtzig Meter hoch. Bezahlt hat den Bau die Bürgerschaft.

Für Kinder

Nürnberg hatte zwei Hälften, mit einem Fluss dazwischen. Jede Hälfte wollte die schönste Kirche. Diese hier heißt St. Lorenz, und sie war immer die Zweite: Die andere Kirche fing früher an zu bauen, also baute St. Lorenz hinterher und wollte dann etwas größer sein. Die beiden Türme sind einundachtzig Meter hoch. Bezahlt haben das nicht Könige, sondern die Leute aus der Stadt. Drinnen hängt ein Engel aus Holz in einem Kranz aus fünfundfünfzig goldenen Rosen. 1817 ist er abgestürzt und fast zerbrochen.

Quellen

Koordinaten: 49.450999894, 11.078702397 · auf der Karte

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