Sie stehen vor dem Nassauer Haus. Schauen Sie zuerst auf das Mauerwerk und dann nach ganz oben, auf den Steinkranz mit den Wappen. Dazwischen liegen zweihundert Jahre und eine Geschichte über Geld und Könige. Dieses Haus ist ein Wohnturm, und es ist der letzte in Nürnberg. Die Bauweise kam im 13. Jahrhundert aus den oberitalienischen Städten in die deutschen Reichsstädte, mit denen sie Handel trieben. Zwei Gründe gab es dafür. Erstens Sicherheit: Die Handelszentren waren eher schwach befestigt, und Handelsgut musste vor Überfällen geschützt werden. Zweitens Rang: Adelsfamilien, die in die Städte gezogen waren, zeigten mit solchen Geschlechtertürmen, wer sie waren. Um 1430 sollen in Nürnberg etwa fünfundsechzig davon gestanden haben. Dieser ist der einzige, der übrig ist. Das Haus ist in Schichten gewachsen, und man kann sie lesen. Der Keller mit seinem unregelmäßigen Kreuzrippengewölbe und die beiden unteren Geschosse werden ins 13. Jahrhundert datiert; das Mauerwerk ist dort kleinteilig. Die beiden oberen Geschosse gehören ins 15. Jahrhundert, aus regelmäßigen Quadern in rötlicherer Tönung. Mindestens das vorletzte Stockwerk geht auf einen Umbau um 1422 durch den damaligen Besitzer Jobst Haug zurück. Das oberste Geschoss mit dem Wappenfries, den drei spitzhelmigen Ecktürmen und dem Chörlein brachte Ulrich Ortlieb um 1433 in die heutige Form. Und nun zu den Wappen. Im Jahr 1431 liehen die Ortlieb dem König Sigismund 1500 Gulden. Als Pfand gab er ihnen seine Krone. Wohl aus diesem Anlass ließ die Familie die Steinbalustrade ihres Wohnturms mit Wappen schmücken: dem des Kaisers, dem des Papstes, denen der sieben Kurfürsten und dem der Reichsstadt Nürnberg. Das Nassauer Haus trägt damit das früheste Beispiel für die beiden Stadtwappen Nürnbergs. Halten wir fest, was das heißt. Eine Kaufmannsfamilie in dieser Stadt hatte so viel Geld, dass der König bei ihr borgen musste, und sie hängte die Belege an die Hauswand. Der Name täuscht übrigens. Nassauer Haus heißt es erst seit dem 19. Jahrhundert, nach einem irrtümlichen Bezug auf König Adolf von Nassau, der 1298 starb. Davor hieß es Schlüsselfelderisches Stiftungshaus. Die Schlüsselfelder von Kirchensittenbach erwarben den Turm 1581 und machten ihn zu ihrem Nürnberger Stammsitz. Als die Familie 1709 ausstarb, ging er an eine Familienstiftung, die bis heute Eigentümerin ist. 1945 wurde der Turm schwer getroffen. Dach und oberstes Geschoss mit zwei der drei Türmchen wurden weitgehend zerstört, die oberen Geschosse brannten aus. Das linke Türmchen ist original erhalten. Der Wiederaufbau dauerte von 1950 bis 1954, auch der Wappenfries wurde in weiten Teilen erneuert. Bruchstücke der Originalteile liegen noch im Turm.
Sie stehen vor dem Nassauer Haus, gegenüber der Lorenzkirche. Es ist ein mittelalterlicher Wohnturm aus rotem Burgsandstein und der letzte, der in Nürnberg noch steht. Um 1430 soll es hier etwa fünfundsechzig solcher Türme gegeben haben. Keller und untere Geschosse stammen aus dem 13. Jahrhundert.
Das ist ein Turm, in dem Leute gewohnt haben. Früher gab es in Nürnberg etwa fünfundsechzig davon. Heute steht nur noch dieser. Reiche Kaufleute bauten solche Türme, weil darin ihre Waren sicher waren und weil jeder sehen sollte, wie wichtig sie sind. Schau ganz nach oben: Da ist ein Steinband mit vielen Wappen. Der Grund ist seltsam. 1431 brauchte König Sigismund Geld. Die Familie hier lieh ihm 1500 Goldstücke, und er gab ihr dafür seine Krone als Pfand. Würdest du deine Krone verleihen?
Koordinaten: 49.4511, 11.0777 · auf der Karte