Sie stehen am Heilig-Geist-Spital. Dieses Haus steht zum Teil über dem Bett der Pegnitz, und in ihm lagen fast vierhundert Jahre lang die Kronjuwelen des Heiligen Römischen Reiches. Gestiftet wurde das Spital von Konrad Groß, dem damals reichsten Nürnberger Bürger, als Seelgerät. Errichtet wurde es 1339, zusammen mit einer Kirche, als Siechenhaus, dem Heiligen Geist geweiht. Wikidata nennt das Jahr 1332, der Wikipedia-Quelle die Errichtung 1339. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. Es war eine private Stiftung in der Trägerschaft der Stadt, betreut zuerst von den Franziskanern aus dem nahen Kloster, später vom Spitalamt. Was hier alles untergebracht war, klingt nach einer Kleinstadt: Wohnstätte für Alte und Behinderte, Schulhaus, Spital mit Apotheke, Wöchnerinnenstation, dazu über hundert Betten für Kranke, bei denen Heilung möglich schien. Etwa zweihundert Plätze reichten im 14. Jahrhundert für Nürnberger Verhältnisse gerade aus. Zum Vergleich: Das Pariser Hôtel-Dieu hatte zur gleichen Zeit vierhundert bis sechshundert Betten. Nun die Kleinodien. 1423 vertraute König Sigismund der freien Reichsstadt Nürnberg die Reichskleinodien zu ewiger Verwahrung an. Vorher hatten die Kaiser sie meist auf ihren Reisen durch das Reich mitgeführt. Dazu gehörten die Reichskrone, der Reichsapfel, das Zepter, das Reichs- und das Zeremonienschwert, die Heilige Lanze und das Krönungsornat. Aufbewahrt wurden sie in der Spitalkirche. Nicht in der Burg, nicht im Rathaus, sondern im Armenhaus. Einmal im Jahr zeigte man sie den Nürnbergern in einer Heiltumsweisung. Vor jeder Kaiserkrönung brachte ein feierliches und gut bewachtes Geleit sie nach Frankfurt am Main und anschließend wieder zurück. Heute sind sie in der Wiener Hofburg. Schauen Sie jetzt auf das Wasser. Die Bauteile, die das Erscheinungsbild prägen, heißen Sude und Hofbau; sie überspannen die Pegnitz und entstanden von 1511 bis 1527, nachdem der Rat 1487 beschlossen hatte, das Spital zu vergrößern und die Krankengebäude aus dem Hochwasserbereich zu verlagern. 1498 kam die Heilig-Geist-Apotheke hinzu. 1945 wurde der Komplex bis auf die Erdgeschossmauern zerstört; vom Brückentrakt standen nur die Bogenkonstruktionen über dem Fluss und Reste der Außenmauern. Von 1951 bis 1953 wurde er unter Julius Lincke rekonstruiert, auch der Erker mit dem spitzen Türmchen, den Lincke selbst 1938 und 1939 hatte anbauen lassen. Die Spitalkirche wurde nicht aus Originalteilen wieder aufgebaut, sondern von 1960 bis 1963 nur in der Außenform und auch dort stark vereinfacht. Das Haus arbeitet weiter: Es ist betreutes Wohnen mit 106 Wohneinheiten, geführt vom NürnbergStift, einem Eigenbetrieb der Stadt. Fast siebenhundert Jahre dieselbe Aufgabe an derselben Stelle.
Sie stehen am Heilig-Geist-Spital, zum Teil über dem Bett der Pegnitz gebaut. Es war die größte städtische Einrichtung für Kranke und Alte in der Reichsstadt. Gestiftet hat es Konrad Groß, der damals reichste Nürnberger Bürger. Von 1424 bis 1796 lagen hier die Reichskleinodien.
Dieses Haus steht mitten im Fluss. Vor fast siebenhundert Jahren hat es der reichste Mann der Stadt bauen lassen, damit alte und kranke Menschen einen Platz haben. Es war Wohnhaus, Krankenhaus, Schule und Apotheke in einem. Und jetzt kommt das Seltsame: Hier wurden auch die Krone des Kaisers, sein Zepter und sein Schwert aufbewahrt. Nicht in der Burg, sondern im Armenhaus. Einmal im Jahr durften die Leute sie ansehen. Heute wohnen hier wieder alte Menschen. Warum versteckt man eine Krone an so einem Ort?
Koordinaten: 49.452777777, 11.079166666 · auf der Karte