Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 11 von 16

Fleischbrücke (Nürnberg)

1596 · brücke, renaissance, ingenieurbau, hochwasser

Ausführlich

Sie stehen auf der Fleischbrücke. Diese Brücke ist seit über vierhundert Jahren nicht mehr zerstört worden, und das ist hier keine Selbstverständlichkeit. An dieser engsten Stelle der Pegnitz stand schon um 1200 die älteste Brücke der Stadt; urkundlich erwähnt wird die Fleischbrücke erstmals 1335, benannt nach einem benachbarten Fleischhaus. Dann die Reihe der Verluste. 1418 brannte die Holzkonstruktion ab. 1432 zerstörte ein Hochwasser den Neubau. 1487 ersetzte man das Holz durch eine Steinbrücke mit einem Mittelpfeiler und zwei Bögen. 1595 beschädigte ein Hochwasser dieses schon schadhafte Bauwerk so schwer, dass die Stadt beschloss, es abzutragen. Diesmal sollte es halten. Zwei Vorgaben standen fest: kein Mittelpfeiler, damit das Durchflussprofil nicht verkleinert wird, und ein flacher Bogen, weil der Straßenverkehr darüber musste. Beides zusammen ist schwer. Ein flacher Bogen drückt nicht nach unten, sondern seitwärts. Am 1. März 1596 begann der Bau. Die Gründung und das Lehrgerüst planten und führten der Zimmermannsmeister Peter Carl aus, für das Natursteinmauerwerk war der Steinmetzmeister Jakob Wolff zuständig, die Oberbauleitung hatte der Ratsbaumeister Wolf Jacob Stromer. In seinem Besitz befand sich ein Holzmodell der Rialtobrücke in Venedig, die von gleicher Konstruktionsart ist. Nun die Zahlen, denn an ihnen hängt die Leistung. Der Bogen hat eine lichte Weite von siebenundzwanzig Metern bei einer Pfeilhöhe von vier Komma zwei Metern. Das Verhältnis ist eins zu sechs Komma vier, also sehr flach. Es war zur Zeit der Erbauung die größte Spannweite einer Steinbogenbrücke in Deutschland. Die Gesamtlänge beträgt einundsechzig Meter, die Breite fünfzehn Komma drei Meter. Das Material ist rötlicher Burgsandstein. Und unter Ihnen, im Grund, stecken über zweitausend gerammte Holzpfähle, darunter vierhundert Schrägpfähle, eine im 16. Jahrhundert sehr selten angewandte Bauweise. Sie tragen die Widerlager, die den seitlichen Druck aufnehmen. Ende 1598 war die Brücke vollendet und hatte 82.172 Gulden gekostet. Im Februar 1599 kam seitlich ein Portal hinzu, auf dem ein steinerner Ochse liegt. Suchen Sie ihn, er ist sprichwörtlich geworden. In der Brückenmitte sitzen zwei Kanzeln. An ihren Außenseiten hängen die Wappen der sieben Mitglieder der Stadtregierung von 1597 und 1598. Von der Brücke aus sehen Sie sie nicht, von einem Schiff aus waren sie deutlich zu erkennen. Eine letzte Sache, die dieser Brücke ihre stille Macht gibt: Seit 1865 und 1867 ist sie der Nullpunkt für die Vergabe der Hausnummern in Nürnberg. Jede Straße beginnt an dem Ende, das der Fleischbrücke am nächsten liegt, links die ungeraden Nummern, rechts die geraden. Jede Adresse dieser Stadt zählt von hier.

Kurzfassung

Sie stehen auf der Fleischbrücke über der Pegnitz. Sie wurde von 1596 bis 1598 gebaut und zählt zu den bedeutendsten Brücken der Spätrenaissance in Deutschland. Ihr einziger Bogen spannt siebenundzwanzig Meter. Seit 1865 ist sie der Nullpunkt der Nürnberger Hausnummern.

Für Kinder

Du stehst auf einer Brücke aus Stein, die schon über vierhundert Jahre hält. Vorher ging hier alles schief: Eine Brücke brannte ab, die nächste riss das Hochwasser weg. Also baute die Stadt eine ohne Pfeiler in der Mitte und ganz flach. Unter deinen Füßen stecken über zweitausend Holzpfähle im Boden. Such mal den steinernen Ochsen am Rand der Brücke. Und noch etwas: Alle Hausnummern in Nürnberg zählen von hier los. Die Nummer eins jeder Straße ist die, die dieser Brücke am nächsten liegt.

Quellen

Koordinaten: 49.4529, 11.0768 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.