Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 12 von 16

Narrenschiffbrunnen

1984 · brunnen, bronze, dürer, stadtpolitik

Ausführlich

Sie stehen vor einem Brunnen, aus dem nie Wasser gelaufen ist. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern das Ergebnis einer Entscheidung, und die Geschichte dazu gehört zu dieser Station. Das Werk heißt Narrenschiffbrunnen. Geschaffen hat es der Bildhauer Jürgen Weber, der 2007 starb; die Plastik entstand von 1984 bis 1987. Gegossen wurde sie zweimal, in der Kunstgießerei Karl Herbich. Der erste Guss steht in Hameln. Der zweite wurde 1987 in Nürnberg bei einer Kunstausstellung gezeigt. Der Mäzen Kurt Klutentreter, geboren 1910, gestorben 2000, ermöglichte den Ankauf, und 1988 wurde die Figur hier aufgestellt, auf dem namenlosen Platz zwischen Museumsbrücke, Spitalgasse und Plobenhofstraße. Trocken, auf einem Pflasterbuckel, als Zwischenlösung. Schauen Sie sich an, was Weber gemacht hat. Die Vorlage sind die Holzschnitte Albrecht Dürers zu der Moralsatire Das Narrenschiff, die Sebastian Brant 1497 veröffentlichte. Die drei Meter sechzig hohe Bronze zeigt ein Schiffchen als Metapher für eine Welt, die vom Untergang bedroht ist. Die Figuren sind expressiv durchgeformt und wie in Bewegung begriffen: die Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies, Adam und sein Mördersohn Kain als Kind, eine Allegorie der Gewalt. Zwei umlaufende Spruchbänder stellen den Bezug zur Gegenwart her, als Appell gegen Umweltzerstörung, Krieg und Gewalt. Die Plastik stieß auf geteiltes Echo und wurde damals wegen ihres neobarocken Charakters kritisiert, wie schon Webers Hans-Sachs-Brunnen, der 1984 vor dem Weißen Turm aufgestellt worden war. Nun das Wasser. Der Künstler hatte sich das anders gedacht: Das Schiff hätte wie eine Brunnenschale überlaufen sollen, aus den Galionsfiguren, der Krähe und dem Weinglas hätte Wasser sprudeln sollen. 1990 gab es Bestrebungen, das umzusetzen. Nötig waren ein höherer Konus, ein gepflastertes Becken und eine Wasserversorgung, veranschlagt mit 300.000 Mark. Klutentreter sagte zu, die Kosten zu übernehmen. Der Kulturausschuss des Stadtrates lehnte die Spende und die Fertigstellung ab, beraten durch den Beirat für Bildende Kunst. Begründet wurde das damit, eine Vollendung würde den Charakter des Werks nur aufwerten. Stadtrat und Verwaltung folgten dem. So steht das Schiff bis heute als Torso da, genau so, wie es 1987 provisorisch hingestellt wurde. Ein Kunstwerk, dem die Stadt sein eigenes Element verweigert hat. Dürer, dessen Bilder hier zitiert werden, bekommt am Ende dieses Rundgangs noch ein eigenes Haus.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Narrenschiffbrunnen von Jürgen Weber, entstanden von 1984 bis 1987. Die Bronzeplastik ist drei Meter sechzig hoch und zeigt ein Schiff als Bild für eine vom Untergang bedrohte Welt. Wasser läuft hier nicht: Der Brunnen wurde 1988 trocken aufgestellt und ist es geblieben.

Für Kinder

Das ist ein Brunnen, aus dem kein Wasser kommt. Der Künstler Jürgen Weber wollte es anders: Das Schiff sollte überlaufen, und aus den Figuren sollte Wasser spritzen. Aber die Stadt sagte Nein, obwohl ein Mann das Geld dafür bezahlen wollte. Deshalb steht das Schiff seit 1988 trocken da. Auf dem Schiff siehst du viele Figuren. Sie erzählen von einer Welt, die untergehen kann, wenn die Menschen Streit und Dreck machen. Die Idee kommt aus einem alten Buch mit Bildern von Albrecht Dürer. Findest du die Krähe?

Quellen

Koordinaten: 49.4531, 11.0781 · auf der Karte

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