Sie stehen auf dem Platz des Nürnberger Christkindlesmarkts. Im Advent stehen hier rund 180 Holzbuden mit rot-weiß gestreiftem Stoff, etwa zweihundert Händler und über zweieinhalb Millionen Besucher. Aus dem Prolog kommt der Beiname Städtlein aus Holz und Tuch. Das Erste, was man über diesen Markt wissen muss: Niemand weiß, wie alt er ist. Trotz intensiver Nachforschungen verschiedener Historiker sind die Ursprünge nicht bekannt. Der älteste Nachweis ist kein Dokument, sondern eine Schachtel. Eine Schachtel aus Nadelholz, auf deren Boden steht, dass sie 1678 zum Kindles-Marck überschickt wurde, von einer Susanna Eleonora an eine Regina Susanna Harßdörfferin. Sie liegt heute im Germanischen Nationalmuseum. Historiker gehen davon aus, dass sich der Markt bis 1639 langsam aus dem gewöhnlichen Wochenmarkt heraus entwickelt hat. Der Anstoß kam aus der Reformation: Martin Luther verschob die Bescherung vom Nikolaustag auf den Heiligen Abend, und dieser Brauch setzte sich auch im evangelischen Nürnberg durch. Wer am 24. Dezember schenken will, braucht vorher einen Markt. 1737 waren laut einer erhaltenen Liste fast alle Nürnberger Handwerker, nämlich hundertvierzig Personen, berechtigt, hier ihre Waren anzubieten. Dann die dunkle Stelle. Ende des 19. Jahrhunderts verlor der Markt an Bedeutung und wechselte mehrmals den Standort: von 1898 bis 1917 auf die Insel Schütt, danach an die Fleischbrücke, auf der wir gerade standen. In den 1930er Jahren wurde eine Wiederbelebung beschlossen. Die nationalsozialistische Stadtregierung benutzte die lange Tradition des Marktes, um das Image Nürnbergs als Schatzkästlein des Deutschen Reiches zu festigen. 1933 wurde er auf dem Hauptmarkt wiedereröffnet, der damals Adolf-Hitler-Platz hieß. Eine als Christkind verkleidete Schauspielerin rezitierte einen Vorspruch, begleitet von zwei Rauschgoldengeln; das Eröffnungsgedicht vom 4. Dezember 1933 enthielt das völkische Pathos der Zeit. Von 1939 bis 1945 fand der Markt nicht statt, weil Nürnberg aus Angst vor Luftangriffen bei Dunkelheit unbeleuchtet bleiben sollte. 1948 wurde er erstmals wieder abgehalten. Eröffnet wurde ursprünglich am Barbaratag, dem 4. Dezember; 1973 verlegte man den Termin wegen zu großer Besuchermassen auf den Freitag vor dem ersten Advent. 2020 und 2021 fiel er wegen der Pandemie aus. Was verkauft werden darf, ist genau geregelt: Lebkuchen, Früchtebrot, Christbaumschmuck, Rauschgoldengel, Zwetschgenmännla aus getrockneten Pflaumen, dazu Rostbratwürste und Glühwein. Mitarbeiter des Marktamtes kontrollieren Buden und Angebot, Tannengirlanden aus Plastik sind untersagt. Seit 1981 verleiht die Stadt für die schönsten Buden den Zwedschgermoo in Gold, Silber und Bronze.
Sie stehen auf dem Platz des Nürnberger Christkindlesmarkts. Er beginnt jedes Jahr am Freitag vor dem ersten Advent und endet am 24. Dezember. Etwa zweihundert Händler stehen in rund 180 Holzbuden. Mit über zweieinhalb Millionen Besuchern ist er einer der größten Weihnachtsmärkte Deutschlands.
Im Dezember steht hier ein kleines Städtchen aus Holz und Stoff. Rund 180 Buden mit rot-weiß gestreiften Dächern, zweieinhalb Millionen Leute, Lebkuchen und Bratwürste. Das Komische ist: Niemand weiß, wann dieser Markt angefangen hat. Der älteste Beweis ist eine Holzschachtel, auf der steht, dass sie 1678 zum Kindles-Marck geschickt wurde. Eine Schachtel als ältester Beweis. Hier gibt es Engel aus dünnem Goldblech und Männchen aus getrockneten Pflaumen. Plastiktannen sind verboten, da passt jemand auf. Was würdest du hier verkaufen?
Koordinaten: 49.45393727, 11.0772661 · auf der Karte