Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 14 von 16

Hauptmarkt (Nürnberg)

1349 · platz, pogrom 1349, reichstag, nationalsozialismus

Ausführlich

Sie stehen auf dem Hauptmarkt. Dieser Platz ist nicht gewachsen, er wurde freigemacht, und jede Schicht seiner Geschichte hat damit zu tun, wer hier bestimmte. Im 12. Jahrhundert war das Gelände ein Sumpf am Ufer der Pegnitz. Zu dieser Zeit kamen Juden in die Stadt, die vermutlich aus dem Rheinland vertrieben worden waren. Man überließ ihnen den Sumpf als Siedlungsgebiet. Die Stadtbefestigung bestand damals aus zwei getrennten Mauerringen rechts und links der Pegnitz. Als sie um 1320 geschlossen wurde, lag das jüdische Viertel auf einen Schlag zentral. 1349 kam es mit Zustimmung Kaiser Karls IV. zum Pogrom. Fast sechshundert Juden wurden getötet, das Ghetto zerstört. Anstelle der abgerissenen Häuser legte man zwei große Marktplätze an: den Obstmarkt im Nordosten und den Platz, auf dem Sie stehen. Er hieß zunächst Grüner Markt und Großer Markt. Hauptmarkt heißt er erst seit 1809. Auf diesem Platz fand statt, was im Leben der Nürnberger zählte. Die Gesellenstechen, festliche Lanzenstechen der Patrizier, bei denen der Marktplatz umzäunt und mit Sand bestreut wurde, zum letzten Mal 1561. Und die Kaiserzüge: Die Kaiser reisten von Wien über Nürnberg nach Frankfurt am Main zur Krönung, und hier richtete man ihnen Turniere, Festessen und Gottesdienste aus. Gemäß der Goldenen Bulle hielten die neugewählten Könige seit 1356 ihren ersten Reichstag in Nürnberg ab. Die Rechtsakte fanden im Rieterschen Haus statt, auch Haus zur Ersten Bitte genannt, weil die Besitzerfamilie die Fürsprache des Königs erbitten durfte. Dann das 20. Jahrhundert. Gegen Ende der Weimarer Republik und in der frühen Zeit des Nationalsozialismus wurde der Hauptmarkt zum zentralen Ort für Aufmärsche. Am 25. März 1933 wurde er in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. 1934 ließen die Nationalsozialisten den Neptunbrunnen entfernen, die größte barocke Brunnenanlage nördlich der Alpen. Er störte die Aufmärsche, sein Stifter Ludwig Ritter von Gerngroß war jüdischen Glaubens, und seine Widmung als Friedensmal für das Ende des Dreißigjährigen Krieges passte nicht. Die Anweisung kam von Hitler persönlich. Die Luftangriffe begannen am 29. August 1943. Am 2. Januar 1945 trafen Spreng- und Brandbomben die Sebalduskirche, das Rathaus und die Kaufmanns- und Patrizierhäuser an diesem Platz. Als die US Army am Abend des 20. April 1945 die Stadt einnahm, benannte sie den Platz in Iron Mike Place um, nach dem Spitznamen ihres Generals, dann in Roosevelt Place. Wenige Tage später hieß er wieder Hauptmarkt. Schauen Sie sich nun um und achten Sie auf die Fassaden. Der Platz wurde nach dem Krieg nur notdürftig und vereinfacht wiederaufgebaut; der geschlossene Raumeindruck der Vorkriegszeit ließ sich nicht wiederherstellen. Nur die Wahrzeichen stehen wieder, die Frauenkirche und der Schöne Brunnen.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Hauptmarkt, dem zentralen Platz der Altstadt, rund fünftausend Quadratmeter groß. Werktäglich ist hier Wochenmarkt. Bis 1349 lag an dieser Stelle das jüdische Viertel der Stadt. Seinen heutigen Namen trägt der Platz erst seit 1809.

Für Kinder

Dieser große Platz war früher ein Sumpf. Dann durften jüdische Familien dort wohnen, weil niemand sonst den Sumpf wollte. 1349 wurden diese Menschen getötet und ihre Häuser abgerissen. Auf dem leeren Grund machte man einen Marktplatz. Später kamen die Kaiser hierher, wenn sie zur Krönung nach Frankfurt reisten, und es gab Ritterspiele mit Lanzen, für die man Sand auf den Platz streute. Schau dir die Häuser rundherum an. Fast alle sind neu, weil hier im Krieg Bomben fielen. Nur der Brunnen und die Kirche sind alt.

Quellen

Koordinaten: 49.4539, 11.0769 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.