Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 7 von 16

Katharinenkloster Nürnberg

1295 · kloster, bibliothek, ruine, meistersinger

Ausführlich

Sie stehen vor der Ruine des Katharinenklosters. Das Dach fehlt, die Mauern stehen. Berühmt ist dieser Ort aber für etwas, das man ohnehin nicht sehen könnte: für eine Bibliothek. Zuerst die Daten. Gestiftet wurde das Dominikanerinnenkloster 1295 von Konrad von Neumarkt und seiner Ehefrau Adelheid aus dem Patriziergeschlecht der Pfinzing von Henfenfeld. Die Klosterkirche wurde 1297 geweiht. Wikidata nennt für dieses Kloster das Jahr 1201, der Wikipedia-Quelle die Stiftung 1295. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt. 1428 wurde der Konvent vom Kloster Schönensteinbach aus reformiert und nahm die strenge Regelobservanz an, auch auf Betreiben des Nürnberger Rats. Von da an ging es aufwärts. Dem Kloster kam bald eine führende Position unter den Dominikanerinnenklöstern der Ordensprovinz Teutonia zu, und von hier aus wurden zahlreiche andere Klöster reformiert. Und hier wurde geschrieben. Das Kloster hatte ein eigenes Skriptorium. Die Bibliothek umfasste nachweisbar etwa fünfhundert bis sechshundert Bände. Das ist die größte dokumentierte deutschsprachige Klosterbibliothek des 15. Jahrhunderts. Deutschsprachig ist dabei das entscheidende Wort: Gelehrsamkeit lief damals auf Latein. Hier lasen Frauen in ihrer eigenen Sprache. Wir wissen das so genau, weil der damalige Bibliothekskatalog erhalten ist. Angelegt hat ihn eine Frau mit Namen: Kunigunde Niklasin. Seit 2006 arbeitet ein Forschungsprojekt der Universität Erlangen-Nürnberg daran, diesen Quellenbestand bereitzustellen. Dann das Ende. Nachdem sich die Reichsstadt der lutherischen Reformation angeschlossen hatte, war der Konvent nach 1525 trotz Widerstandsversuchen zum Aussterben verurteilt. 1578 übernahm das Katharinenamt die Verwaltung des Klosterbesitzes. 1596 starb die letzte Klosterangehörige, das Kloster wurde aufgelöst. Danach wurde das Haus weitergegeben wie ein Werkzeug. Bis 1620 trafen sich hier die Nürnberger Meistersinger, anschließend bis 1778 in der Katharinenkirche. Richard Wagner lässt die erste Szene seiner Oper laut Regieanweisung in St. Katharina spielen. 1699 zog die 1662 gegründete Akademie der Bildenden Künste ein und hielt hier bis 1806 ihre Lehrveranstaltungen ab. Damit war dieses ehemalige Kloster einer der bedeutendsten Orte der schulischen Kunstausbildung der Barockzeit in Deutschland. 1848 diente es als politischer Versammlungsort, 1938 und 1939 als Ausstellungsort der Reichskleinodien. 1945 zerstörten Luftangriffe den Bau. Seit die Ruine 1970 und 1971 gesichert wurde, nutzt man sie wegen ihrer besonderen Akustik für Veranstaltungen im Freien. Jeden Juli und August spielen hier Musiker, von Blues über Rock bis Hip-Hop.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Ruine des Katharinenklosters, eines ehemaligen Dominikanerinnenklosters. Gestiftet wurde es 1295, die Klosterkirche 1297 geweiht. Berühmt ist es für seine Bibliothek. 1945 wurde der Bau zerstört. Seit 1970 ist die Ruine gesichert und dient Konzerten.

Für Kinder

Hier war früher ein Kloster. Nonnen lebten hier, vor über siebenhundert Jahren. Das Besondere waren die Bücher. Die Nonnen schrieben selbst Bücher ab, und am Ende standen etwa fünfhundert Bände in ihren Regalen. Das war die größte deutsche Klosterbibliothek ihrer Zeit. Eine Nonne hieß Kunigunde Niklasin, und sie schrieb auf, welches Buch wo stand. Heute hat die Kirche kein Dach mehr, sie wurde im Krieg zerstört. Aber der Klang ist hier so gut, dass im Sommer Bands zwischen den Mauern spielen. Hörst du das Echo?

Quellen

Koordinaten: 49.451990592, 11.082130337 · auf der Karte

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