Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 4 von 16

Schöner Brunnen (Nürnberg)

1385 · brunnen, gotik, sage

Ausführlich

Sie stehen vor dem Schönen Brunnen. Gehen Sie einmal um ihn herum und suchen Sie im Gitter zwei Ringe, die sich drehen lassen. An ihnen hängt mehr, als man denkt. Zuerst das Bauwerk. Von 1385 bis 1396 erbaut, rund neunzehn Meter hoch, in der Form einer mit Fialen geschmückten gotischen Kirchturmspitze. Vierzig farbig bemalte Figuren stellen in vier Stockwerken das Weltbild des Heiligen Römischen Reiches dar. Von unten: Philosophie und die Sieben Freien Künste. Darüber die vier Evangelisten und die vier Kirchenväter. Darüber die sieben Kurfürsten und die Neun Guten Helden. Oben Moses und sieben Propheten. Die Wasserspeier stehen für die sieben Laster, dazu kommt der Glücksbringer Adebar. Das ist keine Dekoration, das ist eine Ordnung in Stein: Wissen unten, Kirche darüber, weltliche Macht darüber, Gottes Wort oben. Was Sie sehen, ist seit 1903 eine Kopie aus Muschelkalk; die Reste des steinernen Originals stehen im Germanischen Nationalmuseum. Nun die Ringe. Zwei der acht Gitterfelder haben einen drehbaren Ring, geschmiedet 1587 vom Augsburger Kunstschlosser Paulus Kuhn. Dazu gibt es eine Sage. Meister Kuhn hatte eine Tochter, Margret. Sein Lehrling warb um sie. Der Meister verbot es und sagte, daraus werde so wenig etwas, wie der Lehrling es fertigbringe, die Ringe am Brunnengitter drehbar zu machen. Dann ging er auf Reisen. Der Lehrling stellte heimlich einen Ring her, schnitt ihn auf, fügte ihn ins Gitter, lötete, hämmerte und feilte, bis keine Nahtstelle mehr zu sehen war. Dann verließ er die Stadt und kam nie zurück. Als der Meister heimkam, sah er ein, dass er zu streng gewesen war. Zu spät. Wer am Ring dreht, soll Glück haben, einer Sage nach sogar Kindersegen. Welcher Ring der echte ist, darüber streiten die Nürnberger: der messingfarbene oder der schwarze eiserne. Hier helfen Zahlen. Der Messingring wurde mindestens fünfmal erneuert, 1824, 1903, 1949, 1950 und 1957. Der eiserne wurde 1902 eingefügt und ist seitdem unverändert. Der ältere ist also der eiserne. Noch zwei Dinge. Das Wasser kam über die Schönbrunnleitung, angelegt um 1388, gespeist von zwei Quellen im Süden, zuerst in Holzrohren, später teils in Blei. Sie war bis ins 20. Jahrhundert in Gebrauch. Und im Zweiten Weltkrieg wurde der Brunnen in einen Betonmantel gehüllt. So überstand er die Luftangriffe unversehrt. Noch 1950 stand er eingemauert zwischen den Ruinen des Platzes. Dass Sie ihn heute offen sehen, ist das Ergebnis dieser Entscheidung.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Schönen Brunnen am Rand des Hauptmarkts. Erbaut wurde er von 1385 bis 1396 von Heinrich Beheim. Er ist rund neunzehn Meter hoch und hat die Form einer gotischen Kirchturmspitze. Vierzig bemalte Figuren zeigen das Weltbild des Heiligen Römischen Reiches.

Für Kinder

Schau nach oben. Dieser Brunnen sieht aus wie die Spitze eines Kirchturms, nur steht er auf dem Boden. Vierzig bunte Figuren stehen übereinander: Kaiser, Fürsten, Propheten. Jetzt schau ins Gitter. Zwei Ringe lassen sich drehen. Die Sage sagt: Ein Lehrling hat einen Ring heimlich eingebaut, ohne Naht, weil sein Meister gesagt hatte, das schafft er nie. Wer daran dreht, soll Glück haben. Im Krieg hat man den ganzen Brunnen in Beton eingepackt, damit ihm nichts passiert. Welchen Ring würdest du drehen?

Quellen

Koordinaten: 49.454225847, 11.077035418 · auf der Karte

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