Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 5 von 16

Frauenkirche

1352 · kirche, goldene bulle, pogrom 1349, kunstuhr

Ausführlich

Sie stehen vor der Frauenkirche an der Ostseite des Hauptmarkts. Diese Kirche steht auf einem Grab. Bis 1349 lag hier das jüdische Viertel Nürnbergs, und an dieser Stelle stand seine Synagoge. Beim Pogrom von 1349 wurden fast sechshundert Juden getötet und das Viertel zerstört. Zugestimmt hatte Kaiser Karl IV. Derselbe Kaiser ließ anschließend hier diese Kirche bauen, von 1352 bis 1362, als Hallenkirche mit drei mal drei Jochen. Als Architekt wird in der Forschung immer wieder Peter Parler genannt, der Baumeister des Prager Veitsdoms, beweisen lässt sich das nicht. Bei der Instandsetzung von 1989 bis 1991 wurde ein Davidstern mit der Jahreszahl 1349 in den Chorboden eingesetzt, zum Gedenken an das Pogrom. Nun schauen Sie nach oben, auf den Westgiebel, und warten Sie, wenn es kurz vor zwölf ist. Dort sitzt eine Kunstuhr, die der Volksmund Männleinlaufen nennt. Gestiftet wurde sie 1356 von Karl IV., zur Erinnerung an die Goldene Bulle. Deren erste dreiundzwanzig Kapitel sind als Nürnberger Gesetzbuch bekannt; sie wurden hier erarbeitet und am 10. Januar 1356 auf dem Nürnberger Hoftag verkündet. Die heutige Uhr entstand von 1506 bis 1509. Konstruiert und gebaut hat sie der Schlossermeister Jörg Heuss, die kupfergetriebenen Figuren lieferte der Kupferschmied Sebastian Lindenast der Ältere. Sie kostete annähernd 1640 Gulden. Aus dieser Zeit stammen noch das Zifferblatt, die Figur des Kaisers und die der Fanfarenbläser. Über dem Zifferblatt zeigt eine blau-goldene Kugel die Mondphasen. Der Ablauf ist immer derselbe. Nach dem vollendeten Stundenschlag heben die beiden Fanfarenbläser dreimal ihre Instrumente. Dann spielt ein Flötenspieler, lautlos. Ein Trommler schlägt. Ein Ausrufer bewegt den Mund, ohne Ton, und läutet eine Glocke. Zwei Männer in türkischer Tracht schlagen abwechselnd mit einem Hammer auf eine Glocke. Dann öffnen sich zwei Türen neben dem thronenden Kaiser, und die sieben Kurfürsten ziehen dreimal um ihn herum, drehen sich in der Mitte zu ihm und wieder zurück. Der Kaiser grüßt mit dem Zepter. Jeder Kurfürst trägt sein Amtszeichen: die drei Erzbischöfe ein Pergament, der König von Böhmen einen Pokal, der Pfalzgraf eine Schüssel, der Herzog von Sachsen ein Schwert, der Markgraf von Brandenburg einen Schlüssel. Es ist ein Verfassungsschaubild als Uhrwerk, täglich wiederholt. 1823 wurden die Figuren des Umgangs wegen des Metallwertes verkauft und durch hölzerne ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg lag das Werk im Nürnberger Kunstbunker. Vom Bau selbst blieben nur die Mauern des Langhauses und der Fassade; die Zerstörungen wurden von 1946 bis 1953 behoben.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Frauenkirche an der Ostseite des Hauptmarkts. Sie wurde von 1352 bis 1362 auf Veranlassung Kaiser Karls IV. errichtet. Sie steht an der Stelle der Synagoge, die beim Pogrom von 1349 zerstört wurde. Am Westgiebel läuft täglich um zwölf Uhr das Männleinlaufen.

Für Kinder

Diese Kirche steht an einem traurigen Ort. Hier wohnten früher jüdische Familien, und hier stand ihre Synagoge. 1349 wurden die Menschen hier getötet und ihre Häuser zerstört. Danach ließ der Kaiser an derselben Stelle diese Kirche bauen. Im Boden drinnen liegt heute ein Davidstern mit der Zahl 1349, damit das niemand vergisst. Jeden Tag um zwölf Uhr passiert oben am Giebel etwas: Kleine Figuren laufen dreimal um den Kaiser herum, und Trompeter heben ihre Instrumente. Hast du eine Uhr, die so viel kann?

Quellen

Koordinaten: 49.454034655, 11.078186957 · auf der Karte

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