Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 3 von 16

Altes Rathaus Nürnberg

1616 · rathaus, renaissance, dürer, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Nürnberger Rathaus. Ich erzähle Ihnen die Geschichte einer weißen Wand. Zuerst das Gebäude. Bis ins 14. Jahrhundert hatte Nürnberg kein Rathaus. Der Rat tagte im Haus der Tuchmacher, das in Urkunden wechselweise Gewandhaus, Haus oder der Bürger Haus genannt wird. Erst als die Lorenzer und die Sebalder Hälfte der Stadt zusammengeschlossen und von einer gemeinsamen Mauer verbunden waren, kaufte der Rat 1322 ein Anwesen vom Kloster Heilsbronn. Von 1332 bis 1340 entstand unter dem Stadtbaumeister Philipp Groß der Saalbau an der Südseite. Im Obergeschoss liegt der große Rathaussaal. Hier beginnt die eigentliche Geschichte. Ab 1521 wurde dieser Saal nach Entwürfen und unter Regie von Albrecht Dürer ausgemalt, 1528 oder 1530 war die Arbeit fertig. Es war das seinerzeit größte Wand- und Deckengemälde Europas. Übertroffen wurde es erst von der Sixtinischen Kapelle, die zehn Jahre später begonnen wurde. Denken Sie das einen Moment mit: Das größte Wandbild des Kontinents hing nicht in einem Palast und nicht in einer Kirche, sondern über den Köpfen eines Stadtrats. Knapp hundert Jahre später wollte dieser Rat dazu eine passende Fassade. Jakob Wolff der Jüngere entwarf sie, gebaut wurde von 1616 bis 1622, die Grundsteine stammen von 1616 und 1619. Über den drei Barockportalen ließ der Rat 1617 vom Bildhauer Leonhard Kern Figuren aufstellen: die vier Herrscher antiker Weltreiche und daneben die Tiere aus dem siebten Kapitel des Buches Daniel, ein Löwe mit Adlerflügeln, ein Bär mit drei Rippen im Maul, ein Leopard mit vier Flügeln und vier Köpfen. Über dem Haupteingang prangt das Wappen des Reiches mit dem Reichsadler. Dann 1944 und 1945. Der ganze Komplex brannte bis auf die Umfassungsmauern aus. Von 1956 bis 1962 wurde das Alte Rathaus auf dieser Ruine wieder aufgebaut, an der Nordseite um zwei Fensterachsen kürzer als vorher. Der große Saal bekam zwischen 1982 und 1985 seine Wandverkleidung und die hölzerne Tonnendecke zurück. Die Wände aber blieben leer, denn die Fotodokumentation der Dürer-Ausmalung war verschollen. Der Maler Michael Mathias Prechtl sollte einen zeitgenössischen Entwurf liefern. Nach langer und erbitterter Diskussion zog er ihn 1988 zurück. Die Kommunalpolitik beschloss eine Denkpause. Die Wände sind bis heute weiß. 2012 wurde die wiedergefundene Fotodokumentation als Animation an diese weiße Wand projiziert, daneben der Entwurf Prechtls. Die Diskussion begann von neuem.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Nürnberger Rathaus, neben der Sebalduskirche. Den langen Renaissancebau errichtete Jakob Wolff der Jüngere von 1616 bis 1622. Im Zweiten Weltkrieg brannte der ganze Komplex aus. Wieder aufgebaut wurde er von 1956 bis 1962, an der Nordseite um zwei Fensterachsen verkürzt.

Für Kinder

Das ist das Rathaus. Hier wird entschieden, was in der Stadt passiert. Ganz oben gibt es einen großen Saal. Vor fünfhundert Jahren hat ihn der Maler Albrecht Dürer ausmalen lassen. Es war damals das größte Wandbild in ganz Europa. Im Krieg brannte das Rathaus aus, und das Bild war weg. Niemand wusste mehr genau, wie es ausgesehen hatte. Deshalb ist der Saal heute wieder aufgebaut, aber die Wände sind weiß und leer. Was würdest du dort hinmalen?

Quellen

Koordinaten: 49.4552, 11.0776 · auf der Karte

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