Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 2 von 16

Pellerhaus

1602 · bürgerhaus, renaissance, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Pellerhaus am Egidienplatz 23. Dieses Haus erzählt zwei Geschichten: wie man im Jahr 1600 in Nürnberg zu Ansehen kam, und was 1945 davon übrig blieb. Zuerst der Bauherr. Martin Peller war Neubürger, kein Patrizier. 1600 erwarb er das Anwesen der Familie Groland, einen schlichten Sandsteinquaderbau, für 6290 Gulden. 1602 ließ er es abreißen und bis 1605 neu errichten, durch den Baumeister Jakob Wolff den Älteren. Und dann begann der Streit. Die Nürnberger Bauordnung war genau: Ein Haus mit dem Giebel zur Straße durfte zwei Vollgeschosse haben, ein Haus mit der Traufe zur Straße drei. Peller baute traufständig, setzte aber ein dreistöckiges Zwerchhaus auf das Dach, das wie ein Giebel wirkte. Formal eingehalten, der Wirkung nach nicht. Die Nachbarn Wilhelm Imhoff und Elias Ebner fürchteten außerdem um die Standfestigkeit ihrer Häuser, als die Baugrube ausgehoben wurde. Peller zahlte 1000 Gulden Ausgleich an Imhoff. Der von Patriziern dominierte Stadtrat drohte dem Neubürger zeitweise mit dem Zwangsabriss. Gebaut wurde trotzdem. Schauen Sie, wofür gestritten wurde. Die Fassade hatte sieben Fensterachsen und Pilaster, die oben in verzierten Obelisken endeten, über dem Eingang ein Chörlein, im dritten Obergeschoss ein Relief des heiligen Martin von Tours, eine Anspielung auf den Vornamen des Bauherrn, und in der Giebelspitze eine Muschel mit einem Chronogramm für das Jahr 1605. Im Hof, auf einem dreiundsechzig Meter langen, schmalen Grundstück, baute Wolff Arkaden auf achteckigen Pfeilern. Bei den Brüstungen kam kein Ornament zweimal zur Anwendung. Die Familie Peller bewohnte das Haus bis 1828. 1929 kaufte die Stadt es für das Stadtarchiv. Dann das Ende. Am 3. Oktober 1944 trafen Sprengbomben, am 2. Januar 1945 brannte das Haus aus, am 3. Januar stürzte es in großen Teilen ein. Erhalten blieben Teile des Erdgeschosses mit der Eingangshalle, der Treppenturm, der Keller und Teile des Arkadenhofes. Eine Sache wurde gerettet, weil jemand vorher handelte: Die Holzvertäfelung des Schönen Zimmers war vor dem Angriff ausgebaut worden. Sie steht heute im Stadtmuseum Fembohaus. Der Bau über dem alten Sockel ist ein anderer. 1952 wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, von 29 Arbeiten gewann der Entwurf von Fritz Mayer und seinem Sohn Walter. Das Neue Pellerhaus entstand von 1955 bis 1957 in den Formen seiner Zeit und diente als Stadtarchiv; seit 2013 beherbergt es das Deutsche Spielearchiv. Den historischen Hof haben die Altstadtfreunde von 2008 bis 2018 wiederhergestellt. Zwei Zeitschichten, ein Grundstück.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Pellerhaus am Egidienplatz. Das historische Haus wurde von 1602 bis 1605 von Jakob Wolff dem Älteren im Stil der Renaissance errichtet. Es galt als mustergültiges Bürgerhaus seiner Zeit. 1945 brannte es aus. Das Haus, das Sie sehen, entstand von 1955 bis 1957.

Für Kinder

Hier stand früher ein anderes Haus. Ein Kaufmann namens Martin Peller ließ es vor über vierhundert Jahren bauen, und es war das schönste Haus der Stadt. Peller stritt sich lange mit dem Rat, weil sein Dach zu hoch war. Im Januar 1945 brannte das Haus im Krieg aus. Nur Erdgeschoss, Keller und Treppenturm blieben stehen. Eine Holzwand aus dem schönsten Zimmer hatte man vorher ausgebaut und weggebracht. Sie gibt es heute noch, in einem Museum. Was würdest du retten, wenn du nur eine Sache mitnehmen könntest?

Quellen

Koordinaten: 49.456947222, 11.080955555 · auf der Karte

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