Stadtohr

Stadtrundgang Nürnberg · Station 1 von 16

Nürnberger Burg

um 1000 · burg, mittelalter, kaiser, wiederaufbau

Ausführlich

Willkommen in Nürnberg. Wir beginnen oben und gehen dann hinunter. Sie stehen auf der Nürnberger Burg. Sie ist keine Burg, sondern zwei: Kaiserburg und Burggrafenburg, dazu städtische Bauten im Norden und Osten. Diese Dreiteilung ist im heutigen Baubestand nur mit Mühe abzulesen, aber sie ist der Schlüssel zu dem, was Sie heute sehen. Zuerst die Lage. Der Burgsandsteinrücken fällt nach Süden, Westen und Norden steil ab, der Gipfel liegt auf 351 Metern. Für eine Verteidigungslage war der Platz gut gewählt. Die frühesten baulichen Spuren wurden vor 1000 datiert, schriftliche Belege gibt es dafür nicht. In den Quellen taucht die Burg erst 1105 auf, und zwar als Kriegsziel: Der salische König Heinrich V. eroberte sie nach zweimonatiger Belagerung im Krieg gegen seinen eigenen Vater. 1127 belagerte König Lothar von Supplinburg sie zehn Wochen lang ohne Erfolg, 1130 gelang es ihm im zweiten Anlauf. Zwischen 1105 und 1571 hielten sich alle Kaiser und Könige des Heiligen Römischen Reiches zeitweilig hier auf. Friedrich Barbarossa war zwölfmal da, Friedrich II. sechzehnmal. Nun der Konflikt. Ab 1192 wurde die Burggrafenburg Ausgangspunkt der Territorialbildung der Hohenzollern in Franken. Gleichzeitig gewann die Reichsstadt an Macht. Zwei Mächte, ein Felsen. Die Stadt bekämpfte die Burggrafen mit Mauern und Türmen. 1367 versperrte sie den Hohenzollern kurzerhand mit einer Mauer den ungehinderten Zugang zur Stadt. 1377 begann sie, direkt neben der Burggrafenburg einen hohen Turm zu bauen, den Luginsland, von dem aus man das Burginnere überwachen konnte. Die Beschwerden der Hohenzollern bei Kaiser Karl IV. blieben erfolglos. 1427 konnte die Stadt sie von der Burg vertreiben. Danach verwaltete sie die ganze Anlage, bezog sie in die Stadtbefestigung ein und ergänzte sie von 1538 bis 1545 um die Burgbasteien. Schauen Sie noch einmal nach Süden, bevor wir hinuntergehen. Was dort liegt, ist zum großen Teil Wiederaufbau. Die Burg wurde durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und danach in historischen Formen wieder errichtet, als Letztes die Kemenate bis 1971. In ihr ist seit 1999 das Kaiserburgmuseum. Diese Wendung, in historischen Formen, wird uns heute noch oft begegnen.

Kurzfassung

Sie stehen auf der Nürnberger Burg, dem Wahrzeichen der Stadt. Sie ist eine Doppelburg aus Kaiserburg und Burggrafenburg. Die frühesten baulichen Spuren stammen aus der Zeit um 1000. Zwischen 1105 und 1571 hielten sich hier alle Kaiser und Könige des Reiches zeitweilig auf.

Für Kinder

Du stehst auf einer Burg. Sie steht auf einem Felsen, der nach drei Seiten steil nach unten fällt. Wer hoch wollte, musste klettern. Hier wohnten Kaiser und Könige, wenn sie auf Reisen waren. Aber der Felsen gehörte nicht einem allein. Neben dem Kaiser saßen die Burggrafen, und die Stadt mochte sie nicht. Also baute die Stadt 1377 einen hohen Turm direkt daneben und schaute den Nachbarn in den Hof. Was würdest du tun, wenn jemand so einen Turm neben dein Zimmer baut?

Quellen

Koordinaten: 49.4579, 11.0759 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.