Stadtohr

Stadtrundgang Münster · Station 13 von 16

Zwinger

· stadtbefestigung, mahnmal, gestapo, taeufer

Ausführlich

Sie stehen vor dem Zwinger, und dieses Bauwerk verlangt, dass man es in zwei Teilen erzählt. Zuerst das, was es war, dann das, was darin geschah. Es ist ein Rondell mit einem Durchmesser von 24,3 Metern, größer als der bekanntere Zwinger in Goslar. Die Außenmauer ist etwa 1,95 Meter stark. Über die Baugeschichte gibt es zwei Lesarten. Max Geisberg ging 1932 davon aus, die Außenmauer habe in der Bauzeit in den 1530er Jahren bis zu 4,64 Meter betragen und sei erst 1732 teilweise abgetragen worden; damit gehörte das Bauwerk, nach ihm auch Dat grote Bollwerk genannt, zu den stärksten Stadtbefestigungen der frühen Neuzeit. Neuere Forschungen sehen es anders: Die ursprüngliche Anlage war ein Rondell von etwa 19 Metern Durchmesser mit 1,9 Metern Wandstärke, der heutige innere Ring. Bekannt ist, dass Fürstbischof Franz von Waldeck das Bauwerk zwischen Juli 1535 und März 1536 mächtiger machte. Dafür ließ er in rund 2,2 Metern Abstand eine zweite, vorgelagerte Mauer errichten, ebenfalls 1,9 Meter stark, und so entstand der charakteristische Rundgang. Für diese These spricht, dass in der Außenmauer Kalkmergelbruchsteine stecken, wie sie beim Bau der ursprünglichen Stadtmauer verwendet wurden. Auch die Höhe ist unsicher. Vor der Zerstörung betrug sie auf der Westseite 8,75 Meter, doch das war nicht die ursprüngliche Höhe: Bei der Schleifung der Befestigungen und dem Anlegen der Promenade im Jahre 1772 wurde rund um den Zwinger Erde abgetragen, weshalb er seitdem mindestens 2,25 Meter höher erscheint. Gut zu erkennen ist das am ehemaligen Eingang, der zur Bauzeit auf der Höhe des umgebenden Geländes lag. Warum die Quellen so dünn sind, hat einen Grund: Aufgrund der Herrschaft der Täufer in den Jahren 1534 und 1535 ist die Geschichte des Zwingers erst ab diesem Zeitpunkt eindeutig belegt, weil viele Dokumente des Stadtarchivs von den Täufern vernichtet wurden. Was wir über die Zeit davor wissen, stammt aus der Untersuchung der Stadtverteidigung und der Wasserführung. Nun das Innere, und hier wird aus Verteidigung Haft. Im Zwinger gab es zwei Stockwerke, einen Keller und ein Dachgeschoss. Über die ursprüngliche Aufteilung ist nichts bekannt. Erhalten sind aber die Pläne der Umgestaltung zu einem Gefängnis in den 1730er Jahren: In allen drei Etagen lagen jeweils sechs im Kreis angeordnete Zellen um den Innenhof, verbunden durch den äußeren Rundgang. Sechs Zellen pro Etage, im Kreis, in einem Bollwerk ohne Fenster nach außen. 1919 wurde die Aufteilung wieder verändert, als der Zwinger als Wohnhaus und Atelier für Maler vermietet wurde; Wände wurden entfernt, neue Durchbrüche geschaffen. Und dann kommt der Satz, um den es hier geht. In der Zeit des Nationalsozialismus war der Zwinger sowohl Gefängnis als auch Hinrichtungsstätte der Gestapo. Mehr sagt eine Quelle dazu nicht, und mehr sage ich auch nicht. Durch alliierte Bombenangriffe wurde das Bauwerk schwer beschädigt; von der ursprünglichen Architektur sind nur noch wenige Teile erhalten. Umgewandelt in ein Mahnmal gehört der Zwinger heute zum Stadtmuseum Münster und beherbergt die Skulptur Das gegenläufige Konzert. Nehmen Sie sich hier Zeit, bevor wir weitergehen.

Kurzfassung

Sie stehen an der Promenade vor dem Zwinger, einem Teil der früheren Stadtbefestigung. Er ist ein Rondell von 24,3 Metern Durchmesser, die Außenmauer ist etwa 1,95 Meter stark. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Gefängnis und Hinrichtungsstätte der Gestapo. Heute ist er ein Mahnmal und gehört zum Stadtmuseum Münster.

Für Kinder

Dieser runde Bau aus Stein ist ein Teil der alten Stadtmauer. Er ist über 24 Meter breit, und seine Wand ist fast zwei Meter dick. Gebaut wurde er, um die Stadt zu verteidigen. Später machte man daraus ein Gefängnis. Vor etwa 300 Jahren lagen auf jeder Etage sechs Zellen im Kreis um einen Innenhof. In der Zeit, als die Nationalsozialisten regierten, war dieser Bau ein Gefängnis der geheimen Polizei, und hier wurden Menschen getötet. Deshalb ist der Zwinger heute ein Mahnmal. Ein Mahnmal soll daran erinnern, dass so etwas nicht wieder passieren darf. Drinnen steht ein Kunstwerk.

Quellen

Koordinaten: 51.9676, 7.63169 · auf der Karte

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