Stadtohr

Stadtrundgang Münster · Station 12 von 16

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Westfalen

1832 · archiv, neorenaissance, preussen

Ausführlich

Sie stehen vor dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, und ich fange mit der Menge an, weil sie das Gebäude erklärt. In diesem Haus liegen rund 100.000 Urkunden ab dem Jahr 813, dreißig Kilometer Akten, 80.000 Karten und Pläne, 3400 Aufschwörungstafeln, 2000 Handschriften, 4500 Plakate sowie 2000 Bilder und Fotos. Dreißig Kilometer, aufgereiht wären das Regale von hier bis weit über die Stadtgrenze. Nun der Anfang. Die Geschichte des Staatsarchivs geht bis auf das Jahr 1821 zurück, als in der preußischen Provinz Westfalen die Errichtung von fünf regionalen Archivdepots beschlossen wurde. Der Anlass war ein Bruch: Unter Napoléon Bonaparte waren zwischen 1803 und 1814 Territorien aufgelöst und Klöster säkularisiert worden, und deren Akten lagen nun irgendwo. Sie zu verwahren, war das ursprüngliche Ziel. 1829 wurde das Depot in Münster in ein Provinzialarchiv umgewandelt und sollte von nun an auch die Bestände der anderen vier Depots aufnehmen; diese Zentralisierung zog sich bis 1852 hin. Geprägt wurde der Aufbau von Heinrich August Erhard, der 1831 zum Direktor ernannt wurde. Zu den Jahreszahlen: Wikidata nennt 1832, eine Quelle führt das Haus auf den Beschluss von 1821 zurück und rechnet die Gründung auf 1829. Ich nenne Ihnen die älteste Angabe und sage dazu, dass es mehrere gibt. 1867 folgte die Umbenennung in Königlich Preußisches Staatsarchiv Münster, nun zuständig für die Regierungsbezirke Arnsberg, Minden und Münster. Jetzt das Gebäude, und hier wird es für Bauleute interessant. Weil das Archiv über mehrere provisorische Räume im Stadtgebiet verteilt war und unter Platzproblemen litt, wurde dieser Neubau am Bohlweg errichtet und 1889 bezogen. Er war das erste nach dem Magazinsystem errichtete Archiv in Preußen und diente anderen Archiven im In- und Ausland als Modell. Magazinsystem heißt: Der Speicher ist ein eigener Baukörper, von den Arbeitsräumen getrennt. Dass das kluge Architektur war, zeigte der Krieg. Während der Luftangriffe auf Münster wurde das angrenzende Verwaltungsgebäude zerstört, das Magazin blieb nahezu unbeschädigt. Was nach dem Krieg kam, ist Verwaltungsgeschichte, aber sie lässt sich an Namen ablesen. 1946 Umbenennung in Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv. 1947 kam Lippe zum Land, Minden und Lippe bildeten den neuen Regierungsbezirk Detmold, und 1963 wurden die Akten zu Minden dorthin überführt, allerdings nur die nach 1816; die älteren blieben hier. 1952 gab es wieder Platzprobleme, der Erweiterungsbau begann erst 1972. 2004, 175 Jahre nach Gründung, wurde das Staatsarchiv als Abteilung in das neue Landesarchiv eingegliedert, am 1. Dezember 2008 folgte der heutige Name. Eines noch, und es gilt für Sie: Grundsätzlich kann jeder nach dem Archivgesetz die Archivalien benutzen. Es gibt Sperrfristen, vor allem zum Schutz von Personen, aber der Lesesaal hier am Bohlweg ist offen.

Kurzfassung

Sie stehen am Bohlweg, nahe der Promenade, vor dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen. Bis 2008 hieß es Staatsarchiv Münster. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde von 1885 bis 1889 durch Karl Friedrich Endell im Stil der niederländischen Neorenaissance erbaut. Hier liegen rund 100.000 Urkunden ab dem Jahr 813.

Für Kinder

In diesem Haus werden Papiere aufbewahrt, und zwar unglaublich viele. Wenn man alle Akten hintereinander ins Regal stellt, sind das dreißig Kilometer. Das ältesten Schriftstück ist aus dem Jahr 813, also über 1200 Jahre alt. Warum macht man das? Weil man sonst nicht mehr weiß, was früher war. Hier steht, wer wem ein Feld verkauft hat und was eine Behörde entschieden hat. Das Gebäude ist klug gebaut: Die Papiere liegen in einem eigenen Gebäudeteil, getrennt von den Büros. Im Krieg wurde das Bürogebäude zerstört, aber der Teil mit den Papieren blieb fast heil.

Quellen

Koordinaten: 51.9655, 7.63444 · auf der Karte

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