Sie stehen vor dem Krameramtshaus, und dieses Haus hat einen Krieg beendet. Nicht den, an den man zuerst denkt, sondern einen zweiten. Zuerst die Kaufleute. Das Gebäude neben der Lambertikirche existiert seit 1589 und war Versammlungsort sowie Warenlager der Kramergilde. Auf dem Kamin steht der Satz, mit dem sich dieses Amt selbst beschrieb: Ehr is Dwang gnog, Ehre ist Zwang genug. Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stand dieser Satz auf einem Spruchband, das durch Lorbeer- und Eichengeäst und einen Kranz gewunden war; heute ist die Devise als Fresko auf dem Mauerwerk im Saal zu sehen. Nun die Verhandlungen. Der Westfälische Friede beendete nicht nur den Dreißigjährigen Krieg, sondern auch den Achtzigjährigen Krieg der Niederländer um ihre Unabhängigkeit von den Spaniern. Achtzig Jahre, das sind drei Generationen Krieg. Verhandelt wurde von 1646 bis 1648, und zwar abwechselnd in den Quartieren der beteiligten Gesandten; es gab also keinen neutralen Konferenzsaal, man ging zueinander. Die niederländischen Gesandten wohnten in diesem Haus. Am 30. Januar 1648 konnte hier der spanisch-niederländische Vertrag unterzeichnet werden, der Friede von Münster. Am 15. Mai 1648 wurden die Ratifikationsurkunden ausgetauscht und der Friede in einer feierlichen Zeremonie beschworen. Für diesen Anlass hatte sich der spanische Gesandte Graf Peñaranda die Ratskammer im Erdgeschoss des Rathauses erbeten. Dieser Raum heißt seitdem Friedenssaal. Erinnern Sie sich an den Anfang unseres Weges: Am 15. April 2015 bekam das historische Rathaus gemeinsam mit dem von Osnabrück das Europäische Kulturerbe-Siegel, als eine der Stätten des Westfälischen Friedens. Dass das Siegel von der Europäischen Kommission kommt, passt zu diesem Haus. Links vom Krameramtshaus lag übrigens der Hülshoff'sche Hof, Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen; von 1677 bis 1816 gehörte er dem Adelsgeschlecht Droste zu Hülshoff, dessen Namen wir am Stadtweinhaus schon gehört haben. Und nun die Fortsetzung, die zu diesem Ort passt wie sonst selten etwas. Von 1909 bis 1993 war im Haus die Stadtbücherei Münster untergebracht. Seit dem 15. Mai 1995, nach dem Einzug von Einrichtungen der Universität, heißt es Haus der Niederlande im Krameramtshaus. Hier arbeiten das 1989 gegründete Zentrum für Niederlande-Studien, die einzige wissenschaftliche Einrichtung in Deutschland, die sich fächerübergreifend den Niederlanden und Flandern widmet, und das Institut für Niederländische Philologie, mit mehr als 300 Studenten die größte Niederlandistik-Einrichtung außerhalb der Niederlande und Flanderns. Die Bibliothek umfasst rund 65.000 Bände zum niederländischen Kulturkreis und weitere rund 30.000 Bände der beiden Einrichtungen. In dem Haus, in dem die Niederländer 1648 ihre Unabhängigkeit unterzeichneten, studieren heute Deutsche die Sprache der Niederländer.
Sie stehen neben der Lambertikirche vor dem Krameramtshaus. Es existiert seit 1589 und war Versammlungsort und Warenlager der Kramergilde. Während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden wohnten hier die niederländischen Gesandten. Am 30. Januar 1648 wurde in diesem Haus der Friede von Münster unterzeichnet.
In diesem Haus wurde Frieden gemacht. Das klingt seltsam, ist aber genau so passiert. Vor fast 400 Jahren gab es einen Krieg, der achtzig Jahre lang dauerte. Achtzig Jahre, das ist länger als ein Menschenleben damals. Die Niederländer wollten nicht mehr zu Spanien gehören. Verhandelt wurde in Münster, und die Gesandten aus den Niederlanden wohnten in diesem Haus. Am 30. Januar 1648 unterschrieben sie hier den Vertrag. Danach war Frieden. Vorher war das Haus ein Treffpunkt der Kaufleute, später eine Bücherei. Und heute lernen hier Studenten die niederländische Sprache.
Koordinaten: 51.962944444, 7.629833333 · auf der Karte