Sie stehen vor der Dominikanerkirche, und in diesem Haus hängt heute kein Kreuz im Mittelpunkt, sondern eine Kugel an einem Seil. Zuerst der Bau. Die Kirche war Teil einer Klosteranlage; von dieser ist als Ruine nur noch eine Wand erhalten, die an die Sandsteinfassade angrenzt. Gefördert wurde die Kirche von Bernhard III. von Droste-Hülshoff, der dafür Gelände seines Münsteraner Stadthofes verkaufte. Entworfen und erbaut wurde sie von 1705 bis 1725 von Lambert Friedrich Corfey, 1728 konsekriert und dem heiligen Josef unterstellt. Schauen Sie auf die Fassade: zwei Geschosse, zurückhaltend gliedernde Pilaster, in der Mitte ein vorspringendes Portal mit dorischen Säulen, und in zwei Rundnischen daneben die Ordenspatrone Dominikus und Thomas von Aquin. Die Kuppel über der Vierung ist innen rund, mit etwa neun Metern Durchmesser, außen aber achteckig; sie ist rund 29 Meter hoch, mit der Laterne 34. Corfey selbst wurde 1733 in der Gruft unter dieser Kirche beigesetzt; sein Epitaph in der Kirche entwarf Johann Conrad Schlaun, dessen Kanzel wir vorhin in der Aegidiikirche gesehen haben. Nun die Reihe der Aufgaben, und sie ist lang. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts diente das Haus den Dominikanern. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1811 aufgehoben, die Anlage ging in preußischen Besitz, und ab 1826 wurde die Kirche für militärische Zwecke genutzt. 1880 erwarb die Stadt Münster sie und nutzte sie ab 1889 als Schulkirche für das städtische Realgymnasium. Nach weitgehender Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zog sich der Wiederaufbau bis 1974 hin; mit der Wiedererrichtung der Kuppel konnte erst 1961 begonnen werden. Der Klostergiebel blieb als Ruine stehen, weil ein geplanter Straßendurchbruch nicht ausgeführt wurde. Später verwaltete die Katholisch-Theologische Fakultät die Kirche, die Universitätsgemeinde feierte hier ihre Gottesdienste. Am 12. November 2017 wurde die Kirche durch Weihbischof Stefan Zekorn profaniert. Und dann kam das Pendel. 2018 wurde unter der Vierungskuppel Gerhard Richters Arbeit Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel installiert. Es ist ein Foucaultsches Pendel: eine Messingkugel, 48 Kilogramm schwer und 22 Zentimeter dick, an einem 29 Meter langen Seil. Ein Magnetfeldantrieb hält sie in Bewegung. Sie schwingt über einer Bodenplatte mit einem zwölfgeteilten Kranz von 5,6 Metern Durchmesser. Und nun das Eigentliche: Infolge der Erdrotation dreht sich die Platte in rund dreißig Stunden einmal unter dem Pendel weg. Das Pendel schwingt gerade, die Erde dreht sich darunter. Spiegel an den Vierungswänden werfen das Bild des Pendels und des Publikums zurück, sodass Sie selbst im Kunstwerk stehen. Die Einrichtung kostete 650.000 Euro, großenteils aus Drittmitteln. Eines ist dafür gegangen: Die Orgel wurde 2018 aus der Kirche entfernt, um Richters Arbeit besser zur Geltung zu bringen. Damit endete auch die über dreißigjährige Tradition der Akademischen Orgelstunde.
Sie stehen an der Salzstraße vor der Dominikanerkirche, unweit der Lambertikirche. Gebaut wurde sie von 1705 bis 1725 nach Entwürfen von Lambert Friedrich Corfey und 1728 konsekriert. Am 12. November 2017 wurde sie profaniert. Seit 2018 schwingt unter der Kuppel ein Foucaultsches Pendel von Gerhard Richter.
Diese Kirche ist über 300 Jahre alt. Heute wird darin kein Gottesdienst mehr gefeiert. Stattdessen hängt in der Mitte, unter der runden Kuppel, eine schwere Kugel aus Messing an einem sehr langen Seil: 29 Meter lang. Die Kugel wiegt 48 Kilogramm, etwa so viel wie ein großes Kind. Sie schwingt immer hin und her, immer in dieselbe Richtung. Trotzdem sieht es nach einer Weile so aus, als hätte sie die Richtung gewechselt. Der Grund ist verblüffend: Nicht die Kugel dreht sich, sondern die Erde unter ihr. In etwa dreißig Stunden hat sich der Boden einmal ganz herumgedreht. Rundherum hängen Spiegel, in denen du dich selbst siehst.
Koordinaten: 51.9619, 7.63083 · auf der Karte