Stadtohr

Stadtrundgang Münster · Station 14 von 16

St. Martini

1187 · kirche, turm, stift, jugendkirche

Ausführlich

Sie stehen vor St. Martini, und ich bitte Sie, den Turm von unten nach oben zu lesen, denn er ist in Schichten gebaut, und jede Schicht ist eine andere Zeit. Ganz unten: der Rest des Ursprungsbaus. St. Martini war eine dreischiffige Basilika mit einem Westturm, entstanden etwa ab den 1180er Jahren; vom ersten Bau ist nur der unterste Teil des Turmes erhalten, der romanische Formen erkennen lässt. Darüber, etwa aus der Zeit um 1480: zwei Stockwerke, reich mit Figuren geschmückt, in denen das Geläut hängt. Darüber, um 1760: eine barocke Haube, die das vorherige spitze Dach ersetzte und die Johann Conrad Schlaun entworfen haben soll. Und schließlich 1906: Da wurde das gotische Obergeschoss mit zwanzig Statuen aus Eifeler Sandstein ausgestattet, bis zu 2,50 Meter groß, alle von münsteraner Bildhauern. An der Ostseite stehen Elisabeth von Arnold Kramer und Katharina von Heinrich Bäumer, an der Südseite Salvator und Johannes Baptist von August Schmiemann sowie Antonius von Padua und Jakobus der Jüngere von Wilhelm Bolte. Bolte ist der Bildhauer, dessen Figur der Kunst über dem Portal des Kunstmuseums am Domplatz sitzt. Nun die Gründung. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erweiterte Münster sein Stadtgebiet nach Süden und Osten, wohl durch die planerische Hand der Bischöfe; dabei entstanden vier reine Stadtpfarreien, und St. Martini war die im Nordosten. Der älteste, indirekte Nachweis ist für 1187 zu fassen. 1217 bestätigte Bischof Otto I. die fünf Präbenden, die Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen an dieser Kirche errichtet hatte. 1199 ist der Propst erstmals direkt nachzuweisen, 1200 der Dechant. Jetzt das Innenleben eines Stifts, und es ist aufschlussreicher, als es klingt. Der Propst war stets ein münsterischer Domherr, bezog aber keine Einkünfte, hatte weder Sitz im Chor noch Votum im Kapitel und keine Jurisdiktion. Ein Titel ohne Amt. Die eigentliche Leitung hatte der Dechant, der seit Anfang des 13. Jahrhunderts auch Pfarrer der Gemeinde war und später von zwei Kaplänen unterstützt wurde. Der Thesaurar sorgte für die liturgische Ausstattung und verwaltete später das zugehörige Vermögen; die Arbeit machten zwei Küster. Und der Scholaster, zuständig für die Schule, unterrichtete nicht selbst: Er verwaltete das Vermögen und stellte einen Schulrektor ein. Jeder Kanoniker hatte feste Einkünfte aus seiner Präbende, wohnte in einem eigenen Kurienhaus neben der Kirche und führte seinen eigenen Haushalt. Mit der Stiftung um 1187 gab es das Dekanat und vier weitere Präbenden, weitere kamen ab 1233 hinzu, und bis 1344 wuchs die Zahl auf siebzehn. Die Vergabe lag zunächst beim Bischof; mit dem Wiener Konkordat von 1448 gewann der päpstliche Stuhl Einfluss, und zwar in den ungeraden Monaten, während die Kapitel in den geraden vergaben. Noch zwei Daten. 1532 feierte Adam Brictius thon Norde, ein Priester aus Schöppingen, der sich der Reformation angeschlossen hatte, evangelische Gottesdienste in dieser Kirche; nach dem Ende des Täuferreiches 1535 war St. Martini wieder katholisch. Das Kapitel wurde erst durch ein kaiserlich-französisches Dekret vom 14. November 1811 aufgehoben, danach war St. Martini eine reine Pfarrkirche. Heute ist das Haus jung: Seit der Fusion der Innenstadtgemeinden am 2. Dezember 2007 dient es als Jugendkirche des Bistums Münster.

Kurzfassung

Sie stehen an der Ecke Martinistraße und Neubrückenstraße vor St. Martini, einem der ältesten Sakralbauten Münsters. Entstanden ist die Kirche etwa ab den 1180er Jahren, der älteste Nachweis ist für 1187 festzumachen. Vom Ursprungsbau ist nur der unterste Teil des Turmes erhalten. Seit 2007 ist hier die Jugendkirche des Bistums untergebracht.

Für Kinder

Diese Kirche ist über 800 Jahre alt. Am besten erkennst du das am Turm, wenn du ihn von unten nach oben anschaust. Der unterste Teil ist der älteste. Darüber kamen zwei Stockwerke mit vielen Figuren dazu. Noch weiter oben sitzt eine runde Haube, die ist viel jünger. Zähle einmal die Figuren am Turm: Es sind zwanzig. Die größten sind 2,50 Meter hoch, also größer als zwei Kinder übereinander. Alle wurden von Bildhauern aus Münster gemacht, und zwar im Jahr 1906. In der Kirche treffen sich heute Jugendliche. Sie heißt deshalb Jugendkirche.

Quellen

Koordinaten: 51.9654, 7.63 · auf der Karte

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