Stadtohr

Stadtrundgang Münster · Station 15 von 16

Apostelkirche

1201 · kirche, gotik, franziskaner, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Apostelkirche, der evangelischen Hauptkirche von Münster, und dieses Haus hat mehrmals die Konfession, den Namen und beinahe den Stand verloren. Zuerst der Bau. Erbaut wurde die Kirche im Bettelordensstil in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als Klosterkirche der Franziskaner. Die Brüder des 1210 gegründeten Ordens ließen sich wahrscheinlich 1247 in Münster nieder; um 1270 erhielten sie mit Hilfe von Bischof Gerhard von der Mark ein weitläufiges Grundstück, und bis 1284 entstanden Hauptschiff, Chor und das südliche Seitenschiff bis zum sechsten Joch. Sie ist der erste gotische Kirchbau in Münster und der älteste rein gotische Kirchenbau in Westfalen. Wikidata nennt für dieses Gebäude 1201, eine Quelle datiert den Bau auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ich nenne Ihnen beide Angaben und nicht nur eine. Das ursprüngliche Patrozinium war Katharina von Alexandria. Das nördliche Seitenschiff und die beiden Westjoche kamen erst von 1654 bis 1659 hinzu, mit großer Einfühlsamkeit ergänzt, weil man die Kirche als unharmonisch empfunden hatte. Nun die Brüder. 1371 lebten über zwanzig Patres im Konvent. Bei der Pestepidemie 1382 blieben die Franziskaner in der Stadt und pflegten Kranke und Sterbende; der Guardian des Klosters, Wennemar von Staden, wurde 1382 oder 1384 Weihbischof. In der Münsterischen Stiftsfehde zwischen 1450 und 1457 standen sie auf Seiten der Bürgerschaft und gegen Bischof Walram von Moers, und das Konventsmitglied Johannes Brugmann vermittelte erfolgreich. Als sich der Orden 1517 im Armutsstreit teilte, schloss sich der Münsteraner Konvent den Minoriten an. Das Kloster überdauerte die Reformation und die Auseinandersetzungen um die Wiedertäufer von 1533 bis 1535; nach Plünderungen mussten Kirche und Konventsgebäude zwischen 1536 und 1538 neu ausgestattet werden. Am 14. November 1811 wurde das Kloster aufgehoben. Die Kirche wurde zunächst profaniert, dann 1822 nach einer Restaurierung durch Karl Friedrich Schinkel als evangelische Kirche der preußischen Militärgemeinde wieder eingeweiht; seit 1840 gehört sie der Zivilgemeinde. Den Namen Apostelkirche erhielt sie 1922, nach dem Bau einer zweiten evangelischen Kirche in der Stadt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt sie schwere Schäden. Die Wiedereinweihung fand am 30. Oktober 1949 statt, abgeschlossen war der Wiederaufbau erst um 1960, und unterstützt wurde er durch Kirchengemeinden auf der Isle of Wight. Vier Jahre nach dem Krieg half eine englische Gemeinde beim Aufbau einer deutschen Kirche. Dann wurde es noch einmal gefährlich. Von 1963 bis 1964 entstand an der Nordseite des Chores ein Neubau. Beim Ausheben der Baugrube begann die Chornordwand sich zu neigen, weil das mittelalterliche Holzrostfundament nach der Absenkung des Grundwassers verfault war. Der nordöstliche Teil der Kirche musste mit neuen Pfahlfundamenten unterfangen werden. Ein lateinisches Chronogramm am westlichen Chorgewölbe erinnert an den Abschluss der Arbeiten im Jahr 1964. Zum Schluss ein Blick nach vorn, in den Chor. Dort hängt ein Kruzifix, und darunter liegt eine Bildtafel aus dem Zyklus Genesis von Heinrich Gerhard Bücker, entstanden 1976 bis 1979: eine kreisförmige Scheibe aus Aluminiumguss auf einem kupfernen Viereck, in ihrer Mitte eine gewölbte Goldscheibe. Und in dieser Goldscheibe liegen die Versteinerungen zweier Fische, etwa 180 Millionen Jahre alt. Die Fenster des Langhauses sind mit schlichtem, handgezogenem Goetheglas ausgestattet, deshalb ist der Raum so hell.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Apostelkirche, der evangelischen Hauptkirche von Münster. Gebaut wurde sie als Klosterkirche der Franziskaner und ist der erste gotische Kirchbau der Stadt. Bis 1284 entstanden Hauptschiff, Chor und das südliche Seitenschiff. Den Namen Apostelkirche trägt sie erst seit 1922.

Für Kinder

Diese Kirche wurde vor etwa 750 Jahren von Mönchen gebaut, den Franziskanern. Sie ist die erste gotische Kirche in Münster. Gotisch heißt: hohe, spitze Bögen und viel Licht. Im Krieg wurde die Kirche stark beschädigt. Beim Wiederaufbau haben Kirchengemeinden von einer englischen Insel geholfen, obwohl England gerade noch Kriegsgegner gewesen war. Geh einmal nach vorne und schau auf die goldene Scheibe unter dem Kreuz. Darin liegen zwei versteinerte Fische. Sie sind etwa 180 Millionen Jahre alt. So alte Fische in einer Kirche, das findest du selten. Weißt du, wie ein Fisch zu Stein wird?

Quellen

Koordinaten: 51.964611, 7.627722 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.