Stadtohr

Stadtrundgang Münster · Station 2 von 16

LWL-Museum für Kunst und Kultur

1905 · museum, entartete kunst, restitution

Ausführlich

Sie stehen am Domplatz vor dem LWL-Museum für Kunst und Kultur. In diesem Haus lässt sich eine Frage stellen, die bei Museen selten gestellt wird: Was hat es verloren, und was hat es zurückgegeben. Zuerst die Anfänge. Das Museum wuchs aus den Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und des Westfälischen Kunstvereins, der seitdem im Haus eingebunden ist. 1905 wurde Adolf Brüning erster Direktor. Am 17. März 1908 weihte man den Neubau des hannoverschen Architekten Hermann Schaedtler ein. Über dem Eingangsportal im Renaissancestil sitzt die allegorische Figur der Kunst, geschaffen vom Bildhauer Wilhelm Bolte; den Namen hören Sie an diesem Rundgang noch einmal. Von 1910 bis 1934 leitete Max Geisberg das Haus. Dann der Verlust. Nach Geisbergs Entlassung 1934 wurde das Museum umbenannt. 1937 wurden in der zentralen Aktion gegen die sogenannte entartete Kunst aus der Sammlung nachweislich Werke von über dreißig Künstlerinnen und Künstlern requiriert. Unter ihnen waren August Macke, der aus Westfalen stammte, Wassily Kandinsky, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Paula Modersohn-Becker, Christian Rohlfs, Otto Mueller, Wilhelm Morgner und Otto Pankok. Das Museum selbst wurde in diesen Jahren politisch gebraucht: Es zeigte 1937 eine Ausstellung mit dem Titel Das deutsche Danzig und 1942 eine Ausstellung mit Beutewaffen. Nach einem Bombeneinschlag 1941 wurde der Bestand an verschiedene Orte ausgelagert, weshalb die Verluste durch den Krieg vergleichsweise gering blieben. Nun die Rückgabe, und das sind zwei Bilder. Im November 2009 gab die Bundesregierung das Gemälde Siesta am Hofe der Mediceer von Hans Makart aus dem Bestand an die Erbin der früheren Besitzerin zurück. Die vom NS-Regime verfolgte jüdische Eigentümerin war 1940 gezwungen gewesen, das Werk zu verkaufen, konnte aber über den Erlös nicht frei verfügen. Das zweite Bild ist Romantische Landschaft mit Ruine von Carl Blechen. Es stammte aus der Sammlung des jüdischen Kaufmanns Julius Freund in Berlin, der 1939 nach England emigrierte; nach seinem Tod ließen die Erben das Bild 1942 in der Schweiz versteigern. Das Museum ermittelte die rechtmäßigen Besitzer, gab das Bild zurück und kaufte es 2010 von den in Kanada lebenden Erben. Und das Haus selbst. Der Ursprungsbau von 1908 wurde 1974 erweitert, 1999 modernisiert; die Architektur der Nachkriegsmoderne wurde 2009 abgerissen und durch den Neubau von Volker Staab ersetzt, der 2014 eröffnete. Was Sie innen suchen sollten: die romanischen Glasfenster des Meisters Gerlachus, das Soester Antependium und die Bilder der aus Münster stammenden Künstlerfamilie tom Ring.

Kurzfassung

Sie stehen am Domplatz vor dem LWL-Museum für Kunst und Kultur. Träger ist der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, am Domplatz sitzt es seit 1908. Bis 2013 hieß es Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Mehr als 300.000 Exponate gehören dem Haus, vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart.

Für Kinder

Das ist ein großes Kunstmuseum. Mehr als 300.000 Dinge gehören dazu, von sehr alten Bildern bis zu Kunst von heute. Über der Eingangstür sitzt eine Figur aus Stein. Sie soll die Kunst selbst darstellen. In diesem Museum ist etwas Trauriges passiert. Vor fast neunzig Jahren haben Leute viele Bilder einfach weggeholt, weil sie ihnen nicht gefielen. Später haben Mitarbeiter des Museums nach Bildern gesucht, die früher jüdischen Familien weggenommen worden waren. Zwei davon haben sie gefunden und den Familien zurückgegeben. Eines hat das Museum dann gekauft, damit es hierbleiben kann. Was würdest du tun, wenn du etwas findest, das jemand anderem gehört?

Quellen

Koordinaten: 51.9619, 7.62444 · auf der Karte

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