Willkommen in Münster. Sie stehen auf dem Prinzipalmarkt, und man nennt ihn hier die gute Stube der Stadt. Bevor wir losgehen, zwei Blicke: einmal nach oben, einmal nach unten. Nach oben zuerst. Beidseitig reihen sich Giebelhäuser, und keiner dieser Giebel gleicht dem anderen. Teilweise haben sich die Architekten von den Nachbarn anregen lassen, aber jeder hat seine eigene Vorstellung umgesetzt, und daraus ergibt sich diese Reihe. Die einzige Unterbrechung ist der Michaelisplatz, der Durchbruch zum Domplatz. Im Norden schließt der Turm der Lambertikirche den Raum ab, im Süden der Stadthausturm, zu dem wir später kommen. Das Material der Fassaden ist Baumberger Sandstein, in Münster überall. Jetzt nach unten, auf den Boden. Unter Ihnen liegt der Nullpunkt: Der Prinzipalmarkt ist der festgelegte Ortsmittelpunkt und Beginn der Kilometerzählung aller Bundes- und Landstraßen, die über Münster führen. Die Fahrbahnmitte vor dem Rathaus liegt 60 Meter über dem Meer. Nun die Geschichte, und sie ist eine Geschichte von Beständigkeit und Bruch. Die Entwicklung als bürgerliche Marktstraße begann im 12. Jahrhundert, am Rand der Domfreiheit und an der östlichen Grenze der Domburg: Hier handelten die Bürger, dort amtierte die Kirche. Eine geschlossene Bebauung gab es vermutlich um 1280. An der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert entstand der Bogengang im Erdgeschoss, unter dem Sie stehen können, wenn es regnet. Und nun die Zahl, die mich an dieser Straße am meisten beschäftigt: Die Parzellenstruktur und die Anzahl der Gebäude sind, bis auf wenige Ausnahmen, seit etwa 1500 im Wesentlichen erhalten. Der Name Prinzipalmarkt kam erst Anfang des 17. Jahrhunderts auf. Seit dem 15. Jahrhundert lebten hier durchgängig Krämer und Kaufleute. Dann der Bruch. Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Gebäude des Prinzipalmarktes völlig zerstört, einige bis auf Keller und Erdgeschosslaube. Was Sie hier sehen, ist ein Wiederaufbau, etwa zwischen 1947 und 1958. Viele Gebäude wurden dabei gegenüber dem Vorkriegszustand stark verändert. Entscheidend war etwas anderes: Man baute auf den alten Parzellen und verwendete die ursprünglichen Materialien und Gestaltelemente. Deshalb trägt die Straße ihren Charakter als Ensemble noch. Bis zum 25. November 1954 fuhren hier Straßenbahnen. Als Denkmalbereich hat der Prinzipalmarkt heute übergreifenden Ensembleschutz. Um den Weltkulturerbe-Titel hat sich die Stadt 2002 und 2011 bemüht, Anfang Juli 2012 war klar, dass es erneut nicht gereicht hatte. Am 15. April 2015 bekam das historische Rathaus dann gemeinsam mit dem von Osnabrück das Europäische Kulturerbe-Siegel, als eine der Stätten des Westfälischen Friedens. Wo dieser Friede unterschrieben wurde, sehen wir später.
Sie stehen auf dem Prinzipalmarkt, der Marktstraße im Zentrum von Münster. Der Name bedeutet Hauptmarkt, im Unterschied zum Roggenmarkt und zum Fischmarkt weiter nördlich. Beidseitig reihen sich Giebelhäuser, im Erdgeschoss läuft ein Bogengang. Das bekannteste Gebäude hier ist das historische Rathaus.
Du stehst mitten in Münster, auf einer Straße voller alter Häuser. Schau an den Häusern nach oben. Die spitzen Dreiecke oben nennt man Giebel. Hier gibt es viele davon, und das Erstaunliche ist: Kein Giebel sieht aus wie der andere. Zähle doch mal, wie viele verschiedene du entdeckst. Unten laufen Bögen aus Stein entlang. Darunter kannst du bei Regen trocken gehen, und das war schon vor über 700 Jahren so gedacht. Die Häuser sehen alt aus, sind aber meist jünger als deine Großeltern. Im Krieg wurden fast alle zerstört. Danach haben die Menschen sie wieder aufgebaut, auf den alten Grundstücken und mit denselben Steinen wie früher.
Koordinaten: 51.962222222, 7.628055555 · auf der Karte