Stadtohr

Stadtrundgang München · Station 13 von 16

St. Michael

1583 · jesuitenkirche, gegenreformation, tonnengewölbe, fassade

Ausführlich

Sie stehen vor St. Michael, und hier wurde zweimal zu groß gedacht, einmal technisch und einmal finanziell. Zuerst die Technik. 1587 und 1588 wurde das monumentale Tonnengewölbe eingezogen. Es ist bis heute das zweitgrößte freitragende Tonnengewölbe der Welt. Zeitgenossen waren pessimistisch, ob es hält. Es hielt bis 1944. 1590 stürzte der Turm ein und zerstörte den Chor. Das Gewölbe hielt auch das aus. Die Bauarbeiten wurden zuerst eingestellt, dann plante man eine beträchtliche Verlängerung nach Norden, und 1593 ging es weiter, wahrscheinlich wieder unter Verwendung von Ideen von Friedrich Sustris. Am 6. Juli 1597 war Weihe. Und nun die Finanzen. St. Michael übertraf die Mutterkirche der Jesuiten, Il Gesù in Rom, in ihren Ausmaßen deutlich. Wilhelm V. geriet durch seinen Baueifer an den Rand des Staatsbankrotts. Jetzt zur Fassade, denn sie ist ein Argument in Stein. Sie ist dreigeschossig, die Geschosshöhe nimmt nach oben ab. Im Giebel thront Christus als Salvator, als Retter. Unten in der Nische zwischen den beiden Eingängen steht der Erzengel Michael, der im Kampf um den Glauben das Böse mit der Lanze tötet, eine Bronzestatue von Hubert Gerhard aus dem Jahr 1588. Zwischen Michael unten und Christus oben stehen antike, christliche und bayerische Herrscher, die nach Meinung Wilhelms V. den christlichen Glauben in Bayern verteidigt haben. Und der Herzog selbst ist dargestellt, mit dem Modell der Kirche in der Hand. Die Fassade lässt sich in ihrer Gliederung eher mit der eines mittelalterlichen Rathauses vergleichen als mit einer Kirchenfront. Eine Merkwürdigkeit kommt dazu. Aus einer Archivalie geht hervor, dass die Figuren bereits am 19. Juni 1584 fertig waren, also im Jahr nach der Grundsteinlegung. Wahrscheinlich waren die sechs Kaiser und die sechs antiken Herrscher in den 1570er Jahren Teil des Münchner Antiquariums. Die damals geschaffenen Figuren entsprachen in ihrer Identität nur teilweise den letztlich aufgestellten. Ein Bildhauer veränderte vier Statuen geringfügig, bei zwei davon nur das Wappen. Es stehen also Figuren an dieser Fassade, die unter anderem Namen begonnen haben. Zur jüngeren Geschichte: Die Jesuiten betreuten Kirche und Kolleg bis zum Verbot des Ordens 1773, im gleichen Jahr wurde St. Michael Hofkirche. Seit der Säkularisation ist sie Eigentum des Freistaats Bayern. 1921 kehrten die Jesuiten zurück. Im November 1944 wurde die Kirche schwer beschädigt, das Tonnengewölbe stürzte ein. Von 1946 bis 1948 wurde es neu gemauert. Von 2009 bis 2013 wurde die Fassade für über 4 Millionen Euro renoviert. Sie ist seither heller als die übrigen Fassaden, und die 15 Figuren sind in strahlendem Weiß gefasst.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Jesuitenkirche St. Michael in der Neuhauser Straße. Sie wurde zwischen 1583 und 1597 errichtet, am Übergang von Renaissance und Barock. Viele Bauideen stammen von Il Gesù in Rom, der Mutterkirche der Jesuiten. St. Michael war das geistliche Zentrum der Gegenreformation in Bayern.

Für Kinder

Innen hat diese Kirche eine riesige Decke, die wie ein halbes Rohr geformt ist. Man nennt das ein Tonnengewölbe. Es ist das zweitgrößte auf der ganzen Welt, das ohne Säulen in der Mitte trägt. Als es gebaut wurde, glaubten viele, es würde einstürzen. Schau jetzt an die Vorderseite. Unten zwischen den Türen steht eine Figur aus Bronze: der Erzengel Michael mit einer Lanze. Weiter oben stehen Kaiser und Herrscher aus Stein. Einige von ihnen hatten zuerst andere Namen. Man hat nur ihr Wappen geändert, und schon waren sie jemand anderes.

Quellen

Koordinaten: 48.13884, 11.57038 · auf der Karte

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