Sie stehen vor der Frauenkirche, und diese Station handelt vom Material. Warum Backstein? Die Antwort ist unromantisch. Der Stadtrat stimmte dem Baumeister Jörg von Halsbach zu, weil er sich aus Kosten- und Materialgründen für einen Ziegelsteinbau aussprach: Es gab keinen nahegelegenen Steinbruch. Diese eine Entscheidung bestimmt das Bild der Stadt bis heute. Vorher stand hier, damals am Rand der ummauerten Stadt, eine Marienkapelle, die am 24. November 1271 das Pfarrrecht erhielt. Ludwig der Bayer ließ ihren Chor gotisch erneuern und stiftete dort ein Hochgrab für seine 1322 gestorbene Frau Beatrix; 1347 wurde er selbst dort beigesetzt. Seither diente die Kirche als Grablege der Münchner Linie der Wittelsbacher. Zum Neubau gibt es mehrere Sagen, etwa von einem Mädchen, das in der überfüllten Kirche zu Tode kam, woraufhin der Herzog eine geräumigere versprach. Eine Quelle ordnet das als Erzählung ein und nennt die wahrscheinlichen Gründe: Bevölkerungswachstum und das gestiegene Selbstbewusstsein der Münchner Bürger. Am 9. Februar 1468 legten Herzog Sigismund und Bischof Tulbeck den Grundstein, 1472 wurde die alte Kirche abgerissen. Dann wurde schnell gebaut. Den riesigen Dachstuhl setzte Meister Heinrich von Straubing noch vor der Auswölbung auf. Dafür brauchte er 147 schwerbeladene Bauholzflöße, insgesamt etwa 630 Festmeter Rundholz. Stellen Sie sich 147 Flöße auf der Isar vor, eins nach dem anderen, für ein einziges Dach. 1488 waren die Türme bis auf die Spitzen fertig. Nach nur zwanzig Jahren war der Bau abgeschlossen, für eine Kirche dieser Größe eine sehr kurze Zeit. Kurz danach starb Jörg von Halsbach und wurde in der Kirche begraben. Zur Finanzierung: Zuerst griff man auf die Stiftungen der alten Kirche zurück und verkaufte Grund und Gebäude. Als die Mittel 1479 erschöpft waren, gewährte Papst Sixtus IV. einen vollständigen Ablass denen, die in den Jahren 1480 bis 1482 in einer bestimmten Woche nach München pilgerten, beichteten und einen Wochenlohn spendeten. So kamen über 15.000 rheinische Gulden zusammen. Geweiht wurde wahrscheinlich am 14. April 1494. Die charakteristischen welschen Hauben kamen erst um 1525 auf die Türme. In den Jahren davor, während des Landshuter Erbfolgekriegs, standen auf den haubenlosen Türmen Kanonen zur Verteidigung Münchens. Wikidata nennt 1401, eine Quelle nennt den Baubeginn 1468 und die Weihe 1494. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.
Sie stehen vor der Frauenkirche, offiziell dem Dom zu Unserer Lieben Frau. Jörg von Halspach begann den spätgotischen Backsteinbau 1468, geweiht wurde er 1494. Seit 1821 ist er Kathedralkirche des Erzbischofs von München und Freising. Der Bau ist 109 Meter lang und 40 Meter breit.
Schau die beiden Türme mit den runden Hauben an. Sie sind fast genau gleich hoch, etwa 98 Meter. Viele Leute erzählen, einer sei einen Meter höher. Das ist falsch, der Unterschied ist nur zwölf Zentimeter. Diese Kirche ist aus Ziegelsteinen gebaut, nicht aus großen Steinblöcken. Warum? Weil es in der Nähe keinen Steinbruch gab und Ziegel billiger waren. Für das Dach brauchte der Zimmermann sehr viel Holz. Es kam auf 147 Flößen über den Fluss, eins nach dem anderen. Gebaut wurde ab 1468, und nach nur zwanzig Jahren war fast alles fertig.
Koordinaten: 48.138578587, 11.573615723 · auf der Karte