Stadtohr

Stadtrundgang München · Station 11 von 16

Neues Rathaus

1909 · rathaus, neugotik, glockenspiel, turm

Ausführlich

Sie stehen vor dem Neuen Rathaus, und das meiste, was Sie hier sehen, ist gebaute Vergrößerung. Der erste Abschnitt entstand 1867 bis 1874 an der Ecke Dienerstraße. Als deutlich wurde, dass er die Verwaltung nicht aufnehmen konnte, kaufte die Stadt ab 1887 die benachbarten Anwesen auf. Von 1889 bis 1892 folgte der zweite Abschnitt. 1897 entschieden Magistrat und Gemeindekollegium, das Rathaus zu einem vierseitigen Komplex zu ergänzen. Vorbilder waren das Rathaus in Brüssel und das Neue Rathaus in Wien. 1898 begannen die Arbeiten am Turm, im Dezember 1905 wurde der Schlussstein auf dem 85 Meter hohen Turm gesetzt. Der Komplex aus Backstein und Muschelkalkhaustein hat sechs Innenhöfe; von 9159 Quadratmetern Grundstück sind 7115 überbaut. Eine Einzelheit, die man wissen sollte: Die Fassade besteht, anders als bei vielen gotischen Bauten, nicht aus massivem Naturstein, sondern aus Ziegeln mit vorgesetztem Naturstein. Schauen Sie nun die fast hundert Meter lange Hauptfassade ab. Sie zeigt den Welfenherzog Heinrich den Löwen und fast die gesamte Linie des Wittelsbacher Herrscherhauses. Es ist der umfangreichste Fürstenzyklus an einem deutschen Rathaus. In der Mitte, oberhalb des Wachenhauses, steht ein Reiterstandbild des Prinzregenten Luitpold. Und dann suchen Sie die kleinen Sachen: Wasserspeier in Form von Fratzen und Masken, allegorische Bilder, Heilige, volkstümliche Sagengestalten und Münchner Originale. Die Ecke zur Weinstraße heißt Wurmeck, die Ecke Weinstraße zur Landschaftsstraße Kleubereck. Auf der Turmspitze steht das Münchner Kindl, gestaltet von Anton Schmid. Modell stand sein Sohn Wiggerl, der später als Schauspieler Ludwig Schmid-Wildy bekannt wurde. Hygin Kiene hat die Figur in Kupfer getrieben. Jetzt das Glockenspiel, das fünftgrößte Europas. Es ertönt täglich um 11 und um 12 Uhr, von März bis Oktober auch um 17 Uhr. 43 Glocken spielen nacheinander vier Melodien, dazu bewegen sich 32 Figuren. Sie zeigen den Schäfflertanz und ein Ritterturnier, das 1568 auf dem Marienplatz zur Hochzeit Herzog Wilhelms V. mit Renata von Lothringen abgehalten wurde. Die Melodien wechseln im Laufe des Jahres, es gibt sechs Kombinationen aus jeweils vier Liedern. Die kleinste Glocke wiegt 10 Kilogramm und hat 18 Zentimeter Durchmesser, die größte 1300 Kilogramm bei 125 Zentimetern; zusammen wiegen die Glocken 7000 Kilogramm. In den Erkern des siebten Turmgeschosses erscheinen ein Nachtwächter, der ins Horn bläst, und ein Engel, der das Münchner Kindl segnet. Wikidata nennt 1909, eine Quelle nennt 1867 bis 1905. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Neuen Rathaus am Marienplatz. Georg von Hauberrisser errichtete den neugotischen Bau von 1867 bis 1905. Hier sitzen der Oberbürgermeister, der Stadtrat und Teile der Stadtverwaltung. Der Rathausturm ist 85 Meter hoch.

Für Kinder

Das ist das Rathaus, in dem heute gearbeitet wird. Es sieht alt aus, ist aber viel jünger als die Häuser ringsum: gebaut zwischen 1867 und 1905. Das Beste sitzt im Turm: das Glockenspiel. Jeden Tag um 11 und um 12 Uhr fangen 43 Glocken an zu spielen, und 32 Figuren drehen sich. Sie zeigen einen Tanz und ein Ritterturnier. Ganz oben auf der Turmspitze steht das Münchner Kindl. Der Bildhauer hat dafür seinen eigenen Sohn als Vorbild genommen. Und jetzt suche an der Hauswand nach Steinköpfen, die Grimassen schneiden. Es sind viele.

Quellen

Koordinaten: 48.137777777, 11.575833333 · auf der Karte

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