Stadtohr

Stadtrundgang München · Station 10 von 16

Mariensäule

1638 · säule, gelübde, dreißigjähriger krieg, nullpunkt

Ausführlich

Sie stehen vor der Mariensäule, und fast alles an ihr ist älter, jünger oder anderswo her, als man denkt. Zuerst der Grund. Im Dreißigjährigen Krieg gelobte Kurfürst Maximilian I., ein gottgefälliges Werk errichten zu lassen, falls München und Landshut verschont blieben. München wurde von schwedischen Truppen besetzt, und die Heerführung verlangte die Zerstörung, auch als Vergeltung für Magdeburg. König Gustav II. Adolf entschied dagegen. Beide Städte blieben stehen, man sprach vom Wunder von München, und 1638 kam die Säule aus Adneter Marmor auf diesen Platz. Die lateinische Inschrift nennt alles, wofür Maximilian dankte: die Heimat, die Städte, das Heer, sich selbst, sein Haus und seine Hoffnungen. Nun schauen Sie nach oben. Die vergoldete Marienstatue aus Bronze wurde vermutlich 1593 von Hubert Gerhard geschaffen, und zwar für das Grab Wilhelms V. Danach stand sie bis 1613 auf dem Hochaltar der Frauenkirche. Die Figur ist also über vierzig Jahre älter als die Säule und hat vor diesem Platz schon zwei andere Aufgaben gehabt. Maria trägt das Jesuskind auf dem Arm und steht auf einer Mondsichel. Jetzt nach unten, auf den Sockel. 1639 kamen vier Bronzeputten hinzu. Sie kämpfen mit vier Tieren, und die Tiere bedeuten etwas: Der Löwe verkörpert den Krieg, der Basilisk, ein Fabelwesen, die Pest, ein Drache den Hunger und eine Schlange den Unglauben. Vier Plagen, vier Kinder, die sie niederhalten. Der Bildhauer ist bis heute namentlich nicht bekannt, er wird Meister der Heldenputti genannt; gegossen hat die Gruppen Bernhard Ernst. Und nun eine Sache, die man dieser Säule nicht ansieht. Sie galt als Mittelpunkt des Landes, und alle ausgehenden Straßen hatten hier ihren metrischen Nullpunkt. Auch heute bezieht sich die Entfernungsangabe auf Wegweisern nach München auf die Strecke bis zu dieser Säule. Wenn irgendwo auf einer Autobahn München 80 Kilometer steht, dann sind es 80 Kilometer bis hierher. Zuletzt die Umzüge. Während des Zweiten Weltkriegs war das Standbild in der Frauenkirche untergebracht und wurde noch 1945 wieder aufgestellt. Während des Baus der U- und S-Bahn wurde die Säule 1966 vorübergehend entfernt. Bei der Wiederaufstellung im November 1970 ersetzte man den barocken Sockel und die Säule durch eine Kopie und vergoldete die Figur neu. In den 1990er Jahren wurden auch die vier Putten durch Kopien ersetzt. Am 28. Dezember 2024 wurde die Balustrade beim Abbau des Christkindlmarkts beschädigt und bis April 2025 restauriert.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Mariensäule auf dem Marienplatz. Kurfürst Maximilian I. ließ sie 1638 aus Adneter Marmor errichten. Maria wird hier als Patrona Bavariae verehrt, als Schutzpatronin Bayerns. Eingeweiht wurde die Säule am 7. November 1638.

Für Kinder

Diese hohe Säule mit der goldenen Frau darauf steht hier als Dankeschön. Vor fast 400 Jahren war Krieg, und fremde Soldaten besetzten München. Sie wollten die Stadt zerstören. Ihr König sagte nein. Die Stadt blieb stehen, und darum wurde die Säule gebaut. Schau unten auf den Sockel. Dort kämpfen vier kleine Figuren mit vier Tieren. Jedes Tier bedeutet etwas Schlimmes: Krieg, Unglaube, Hunger und Pest. Und noch etwas: Wenn auf einem Schild an der Autobahn steht, wie weit es nach München ist, dann ist genau diese Säule gemeint.

Quellen

Koordinaten: 48.1372, 11.5755 · auf der Karte

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