Sie stehen vor dem Bürgersaal, und das Wort im Namen ist der Punkt: Bürger. Dieses Haus haben nicht Fürsten gestiftet, sondern die 1610 gegründete Marianische Männerkongregation, und sie hat es selbst bezahlt. Über beide Friese der rot-weißen Fassade läuft in goldenen Lettern eine lateinische Inschrift. Sie besagt, dass das Gebäude der jungfräulichen Gottesmutter gewidmet wurde, und zwar von Herren und Bürgern Münchens als ihre ergebenen Söhne, im Jahr 1710. Vier Obelisken krönen die Fassade, über dem Haupteingang steht in einer Nische eine thronende Madonna mit Kind. Gehen Sie hinauf in die Oberkirche. Der Raum ist rechteckig, der Gesamtentwurf stammt von Johann Andreas Wolff, und die Dekoration erzeugt die Anmutung eines barocken Schlossfestsaals. Die Stuckdecke trägt in prächtigen Rahmen die Namenszüge Josefs über der Empore, Marias in der Mitte und Jesu über dem Altarraum, womit der Saal gleichsam zum Wohnzimmer der Heiligen Familie erklärt wird. In den Gewölbemedaillons finden Sie neben den Evangelistensymbolen zwölf Wappen Münchner Handwerkerinnungen. Ihnen gehörten früher die meisten Mitglieder der Kongregation an. Eine bauliche Eigenart: Weil das Haus in eine Häuserzeile eingebunden ist, sind auf beiden Seiten die hinteren drei Fenster nur Blindfenster. Die so entstandenen Nischen bemalte Johann Anton Gumpp von 1710 bis 1712 mit Szenen aus dem Leben Marias. Unter den Fenstern hängen 14 Ölgemälde zu Wallfahrtsorten in Altbayern, dreizehn davon schuf Franz Joachim Beich um 1725/30. Das wichtigste Stück stand ursprünglich nicht hier. Ignaz Günther schuf die Schutzengelgruppe 1763 für die Schutzengelbruderschaft der Münchner Karmelitenkirche; nach der Säkularisation kam sie hierher. Sie gilt als eine der bedeutendsten Rokoko-Skulpturen Bayerns. Ein androgyner Schutzengel nimmt einen kleinen Jungen an die Hand, schirmt ihn von einer bedrohlichen Schlange ab und zeigt mit der Rechten zum Himmel. Sie steht unter der Orgelempore. Auch Günthers Kanzel kam von außerhalb: Er schuf sie nach 1770 für die Hospitalkirche St. Maximilian, die 1809 abgebrochen wurde. Dann die Zerstörung. In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 wurde das Obergeschoss durch Spreng- und Brandbomben sowie Phosphorkanister bis auf die Außenmauern vernichtet: Dachstuhl, Stuckgewölbe, Empore, Sakristei und der größte Teil der Einrichtung. Die Unterkirche im Erdgeschoss blieb erhalten, die Hauptfassade blieb rußgeschwärzt stehen. Und nun ein Satz, der zeigt, wie es damals in dieser Stadt aussah: Bis 1947 diente dieser Saal anstelle der zerstörten Frauenkirche als Kathedrale Münchens, und bis 1953 nahm er die Gemeinde der zerstörten Michaelskirche auf. Beim Wiederaufbau orientierte man sich an historischen Kupferstichen von 1710.
Sie stehen vor dem Bürgersaal in der Neuhauser Straße 14. Er wurde 1709/10 nach Plänen von Giovanni Antonio Viscardi erbaut, zunächst als Bet- und Versammlungssaal der Marianischen Männerkongregation. 1778 wurde er zur Kirche geweiht. Seitdem heißt er auch Bürgersaalkirche.
Dieses Haus haben keine Fürsten gebaut, sondern eine Gruppe von Bürgern aus München. Sie haben es selbst bezahlt. Die eigentliche Kirche ist oben im ersten Stock. Dort gibt es etwas zum Suchen: An den Seiten sind drei Fenster hinten gar keine echten Fenster. Also hat man Bilder in die Nischen gemalt. Das Schönste im Raum ist eine Figurengruppe aus Holz: Ein Engel nimmt einen Jungen an die Hand und hält eine Schlange von ihm weg. Nach dem Krieg war die große Domkirche zerstört. Da war dieser Saal eine Zeit lang der Dom.
Koordinaten: 48.139023598, 11.568256398 · auf der Karte