Stadtohr

Stadtrundgang München · Station 4 von 16

Residenz München

1385 · residenz, burg, wittelsbacher, renaissance

Ausführlich

Sie stehen an der Münchner Residenz, dem größten Stadtschloss Deutschlands, über 40.000 Quadratmeter Grundfläche. Ich erzähle Ihnen nicht alle vier Jahrhunderte, sondern eine einzige Beobachtung, die man an diesem Ort machen kann. Im späten 14. Jahrhundert entstand in der Nordostecke der heutigen Residenz die Neuveste, eine gotische Wasserburg. Von der Stadt her war sie nur über eine befestigte Brücke zu erreichen. Und jetzt kommt der Satz, auf den es ankommt. Der größte Turm, der Silberturm, lag nicht an der Außenseite, sondern verstärkte die Innenfront, also die Seite gegen die Stadt. Die Burg war gegen die eigenen Bürger gerichtet. Im Silberturm lag später der Staatsschatz. Dass das keine Überinterpretation ist, zeigt die Vorgeschichte. Nach dem Bericht eines Augsburger Chronisten erhielten die Herzöge die Erlaubnis, eine Feste in die Stadt und ein eigenes Tor zu bauen, als Sühne für einen gescheiterten Bürgeraufstand. Ein anderer Chronist berichtet umgekehrt, der Bau habe die Unruhen erst ausgelöst. Noch 1466 hatte die Münchner Bürgerschaft die Kraft, den Zugang der Herzöge zur Burg zu begrenzen: Der eine durfte sie mit sechs Dienern betreten, der andere mit vier. Danach drängte Herzog Albrecht IV. das Bürgertum immer weiter zurück, und seit Beginn der Neuzeit bestimmte der Hof die Geschicke der Stadt. 1476, nach der Aussöhnung, wurde die Neuveste in die bis dahin offene Flanke der Stadtbefestigung einbezogen. Mit dem Aufkommen von Kanonen verlor sie ihren Wehrcharakter. Um 1518 verlegte Wilhelm IV. den Wohnsitz vom Alten Hof hierher, und damit begann die Residenz als neuzeitlicher Palast. Was dann wuchs, wuchs aus Platzmangel. Für die Skulpturensammlung Albrechts V. war in der Burg kein Raum, deshalb entstand von 1568 bis 1571 außerhalb der Anlage das Antiquarium, der größte Renaissancesaal nördlich der Alpen. Damit war der Residenz eine neue Entwicklungsrichtung vorgegeben. Im Obergeschoss kam die Hofbibliothek unter, der Kern der späteren Bayerischen Staatsbibliothek. Es folgten zehn Innenhöfe, darunter ab 1581 der Grottenhof mit dem Perseusbrunnen von Friedrich Sustris. Jetzt eine Blickanweisung. Gehen Sie in den Apothekenhof und schauen Sie auf das Pflaster. Rote Steine markieren dort die Lage der alten Burg, deren Kellergewölbe und Grundmauern noch darunter liegen. 2014 fanden Archäologen direkt unter diesem Hof ein fast unversehrtes spätbronzezeitliches Grab. Wikidata nennt als Jahr 1385. März 1389. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen an der Münchner Residenz. Von 1508 bis 1918 war sie Sitz der Herzöge, Kurfürsten und Könige von Bayern aus dem Haus Wittelsbach. Mit mehr als 40.000 Quadratmetern Grundfläche ist sie das größte Stadtschloss Deutschlands und hat mehr als 150 Schauräume.

Für Kinder

Hier stand früher eine Burg mit Wassergraben. Sie hieß Neuveste. Burgen baut man normalerweise gegen Feinde, die von draußen kommen. Diese nicht. Ihr größter Turm stand nicht nach außen, sondern nach innen, zur Stadt hin. Die Herzöge hatten also Angst vor ihren eigenen Bürgern. Aus der Burg wurde ein riesiges Schloss mit mehr als 150 Räumen. Und jetzt eine Suchaufgabe: Geh in den Innenhof, der Apothekenhof heißt, und schau auf den Boden. Dort sind rote Steine ins Pflaster gelegt. Sie zeigen, wo die alte Burg stand.

Quellen

Koordinaten: 48.141049105, 11.578714243 · auf der Karte

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