Stadtohr

Stadtrundgang Mönchengladbach · Station 9 von 16

St. Maria Himmelfahrt

· kirche, spätgotik, citykirche

Ausführlich

Sie stehen vor St. Mariä Himmelfahrt, und diese Kirche hat ihr ganzes Leben neben einer größeren gestanden. Um 1200 wurde hier erstmals eine romanische Kirche errichtet, auf dem plateauartig abgeflachten Abteiberg. Sie diente als Pfarrkirche für die Bevölkerung, während das nahegelegene Münster Abteikirche war, also Kirche der Mönche. 1243 wurde die Pfarrkirche an die Abtei angegliedert, und Mönche übernahmen die Seelsorge. Nach einem großen Brand im Jahr 1343 wurde sie wieder aufgebaut. Und dann wollte man größer bauen. Am 9. August 1469 wurde der Grundstein für eine neue Pfarrkirche anstelle des romanischen Baus gelegt. Diesen Grundstein können Sie noch sehen, unterhalb des mittleren Chorfensters, mit einer Aufschrift in erhabenen gotischen Minuskeln. Übersetzt heißt sie: Im Jahre unseres Herren 1469 auf St.-Laurentius-Abend angelegt. Der Laurentiusabend ist der Abend vor dem Laurentiusfest, also der 9. August. 1533 war der spätgotische Bau vollendet; die Jahreszahl steht als Schriftband am südöstlichen Sakristeipfeiler. Was Sie vor sich haben, ist eine dreischiffige spätgotische Basilika mit sechs Langhausjochen und Kreuzrippengewölben auf Rundpfeilern, im Osten ein Chor mit einem Abschluss aus fünf Seiten eines Achtecks. Im Westen steht ein viergeschossiger Turm über quadratischem Grundriss, mit achtseitig gebrochenem Helm, flankiert von zwei neugotischen Seitenkapellen, die erst ab 1880 angebaut wurden. Das Hauptportal an der Nordseite kam um 1890 nachträglich hinzu. Nun zwei Figuren im Inneren, die zusammengehören. In der Südostecke sitzt auf einem Dienstkapitell ein Drache. Er verkörpert Dunkelheit, Neid und Bosheit und mahnt daran, dass das Teuflische auch in der Kirche gegenwärtig ist. Schauen Sie dann diagonal gegenüber, nach Nordosten. Dort zeigt das Kapitell einen Adler, vielleicht auch eine Taube; eine Quelle setzt selbst ein Fragezeichen. Der Adler galt seit dem Mittelalter als König der Vögel und zunehmend als Christussymbol, und er tritt dem Drachen entgegen. Zwei Tiere, über ein Kirchenschiff hinweg, in einer Auseinandersetzung aus Stein. Vor den Pfeilern des Mittelschiffs stehen außerdem zwei barocke Weihwasserbecken aus rotem Marmor von 1696. Die Inschrift nennt den Stifter: Bruder Ambrosius Manten, Kaplan, der seit 1681 Benediktinermönch in Gladbach war und 1717 Pfarrer wurde. Dann die Brüche. 1802 löste die französische Besatzung die Abtei auf, und für diese Kirche kam der Name Hauptpfarrkirche auf. Ab 1880 wurde renoviert, wobei große Teile der barocken Ausstattung entfernt wurden. 1943 und 1944 wurde die Kirche bis auf die Außenmauern zerstört; der Wiederaufbau dauerte zwanzig Jahre. 2006 kam die Entscheidung. Die Finanzkrise des Bistums Aachen zwang die Pfarrgemeinde zu der Wahl, ob sie die Hauptpfarrkirche oder das Münster als Pfarrkirche behalten wollte. Man entschied sich für das Münster. Am 8. Januar 2006 wurde dieses Haus zur Citykirche umgewidmet: keine Gemeindekirche mehr, sondern eine offene Kirche für Passanten, ein Ort des Verweilens und der Kultur. Von 2006 bis 2013 hat ein Bauverein sie mit hohem Aufwand wiederhergestellt.

Kurzfassung

Sie stehen am Kirchplatz 14 vor St. Mariä Himmelfahrt. Gebaut wurde die Kirche im 15. und 16. Jahrhundert, Vorgängerbauten gab es hier seit dem 13. Jahrhundert. Bis 2006 war sie die katholische Hauptpfarrkirche der Stadt. Seit dem 8. Januar 2006 ist sie Citykirche.

Für Kinder

Diese Kirche steht direkt neben einer größeren. Das war schon immer so. Die große war die Kirche der Mönche, diese hier die Kirche der normalen Leute. Vor über fünfhundert Jahren wollten die Leute eine größere Kirche. Am 9. August 1469 legten sie den Grundstein. Den kannst du heute noch sehen, mit alter Schrift darauf. Geh hinein und suche zwei Tiere aus Stein. In einer Ecke sitzt ein Drache: Er steht für alles Böse. Schräg gegenüber sitzt ein Adler, der gegen den Drachen antritt. 2006 hatte die Gemeinde zu wenig Geld für zwei Kirchen und musste sich entscheiden. Sie wählte die große. Diese ist jetzt für alle offen. Welches Tier würdest du in eine Kirche setzen?

Quellen

Koordinaten: 51.19358, 6.43203 · auf der Karte

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