Sie stehen vor dem Münster St. Vitus. Hier beginnt die Stadt, und hier endet beinahe unser Rundgang. Von 974 bis 1802 war dieses Haus die Abteikirche der Benediktinerabtei Gladbach, und von den Mönchen, die seit 974 hier siedelten, hat Mönchengladbach seinen Namen. Zuerst die Legende, denn sie ist überliefert und steht in einer Quelle. Die Gründungsgeschichte geht auf eine Handschrift von etwa 1090 zurück, die Fundatio; das Original existiert nicht mehr, die älteste Abschrift entstand um 1120 bis 1130. Darin heißt es, ein gewisser Balderich, ein Vornehmer des Reiches, habe lange vor der Abtei eine Kirche auf diesem Hügel erbaut, und die Ungarn hätten sie 954 zerstört. Vorher seien die Reliquien in einem hohlen Stein versteckt worden. Der Erzbischof Gero von Köln, so die Legende, hatte eine Offenbarung: Er solle auf einem bewaldeten Hügel an einem Bach ein Kloster für den heiligen Vitus gründen. Mit dem Trierer Mönch Sandrad suchte er erst in Sachsen und begann in Leichlingen an der Wupper schon mit Bauvorbereitungen, bis ein entweihender Zwischenfall sie weitersuchen ließ. Links des Rheins kamen sie schließlich an einen unbewirtschafteten Berg, den dichter Wald überzog und der mehrere Quellen hatte. Ortsansässige erzählten von Balderich und seiner Kirche, von der nur Ruinen zeugten. Nächtlicher Engelsgesang, dann der Fund des hohlen Steins mit den Reliquien der Heiligen Vitus, Cornelius, Cyprianus, Chrysantus und Barbara: Das galt als göttliches Zeichen, und der Berg wurde gewählt. Jetzt die Politik, die hinter der Legende steht. Gero war gebürtiger Sachse, und Vitus war der Stammespatron der Sachsen und Patron des ottonischen Königshauses. Dessen Reliquien waren 836 von St. Denis bei Paris nach Corvey an der Weser gebracht worden. Gero mag das Ziel verfolgt haben, seinen Einfluss über die Grenzen des eigenen Bistums hinaus auszudehnen, und das hatte einen Preis: Die geistliche Zuständigkeit für das Kölner Eigenkloster lag beim Bischof von Lüttich. Dem Kölner Erzbischof blieben die Schutzpflicht, die Oberaufsicht über die weltliche Gerichtsbarkeit und die Einkünfte daraus. Unter Erzbischof Everger, der von 985 bis 999 amtierte, wurde getauscht: Köln erhielt Gladbach und Rheydt, Lüttich bekam Tegelen, Lobberich und Venlo. Nun der Bau, und er ist ein Stapel. Von der ersten Klosterkirche von 974 fanden Grabungen 1955 ein Oratorium, einen saalartigen Raum von zehn auf einunddreißig Metern. Vollendet wurde er unter dem zweiten Abt Folrad und hielt bis ins späte 12. Jahrhundert. Zwischen 1024 und 1067 wurde völlig neu geplant, im Stil einer romanischen Basilika: Die dreischiffige Krypta und die Außenmauern des Schiffs aus dieser Zeit sind erhalten. Im 12. Jahrhundert kam ein Westturm dazu, von dem noch das Untergeschoss mit dem mächtigen Portal steht, dazu die Eingangshalle, die Empore und die Kapelle des Abts. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das Langhaus gotisch erweitert, Hochchor und Sakristei angefügt. Für Planung und Ausführung konnte höchstwahrscheinlich der Kölner Dombaumeister Gerhard gewonnen werden. Im Gladbacher Totenbuch steht zum 23. April der Satz, Meister Gerhard, Steinmetz des Ganzen, sei verstorben. Anders als am Kölner Dom konnte er sein Werk hier wohl noch vollenden: Albertus Magnus weihte die Kirche am 12. April 1275. Sein Siegel wurde später im Altar der Sakristei gefunden. Das Ende der Abtei kam mit der Säkularisation. 1801 fiel das Rheinland an Frankreich, 1802 wurde das Kloster geschlossen, die Gebäude verkauft, und 1803 zog eine Baumwollfabrik ein. 1804 wies ein Dekret das Münster der Pfarre Gladbach als Hilfs- und Annexkapelle zu. Seit 1835 sitzt im Prälaturbau das Rathaus, das wir gerade gesehen haben. 1974 erhob Papst Paul VI. die Kirche zur Basilica minor, zum 84. Deutschen Katholikentag und zur Tausendjahrfeier der Abtei. Die Stadt feierte im selben Jahr ihr tausendjähriges Jubiläum.
Sie stehen vor dem Münster St. Vitus, der Kirche, mit der die Stadt begann. Von 974 bis 1802 war es die Abteikirche der Benediktinerabtei Gladbach. 1974 erhob Papst Paul VI. es zur Basilica minor. Heute ist es Pfarrkirche im Bistum Aachen.
Diese Kirche ist der Anfang der ganzen Stadt. Vor über tausend Jahren, um das Jahr 974, gründete hier ein Erzbischof aus Köln ein Kloster. Die Mönche, die hier lebten, gaben der Stadt ihren Namen: Mönchengladbach. Eine alte Sage erzählt, wie der Bischof den Platz fand. Er suchte lange, kam an einen Berg mit dichtem Wald und hörte nachts Engel singen. Dann fand man in einem hohlen Stein Knochen von Heiligen. Das war für ihn das Zeichen. Die Kirche wurde immer wieder umgebaut, Stück für Stück, über hunderte Jahre. Der Baumeister kam wahrscheinlich vom Kölner Dom. Woran würdest du erkennen, dass ein Ort der richtige ist?
Koordinaten: 51.192361111, 6.431666666 · auf der Karte