Stadtohr

Stadtrundgang Mönchengladbach · Station 5 von 16

Christuskirche

· kirche, reformierte, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Christuskirche, und dieser Bau ist eine Antwort auf zweihundert Jahre Verbot. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts gab es in Gladbach reformierte Christen. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 galt die Formel Cuius regio, eius religio, wessen Gebiet, dessen Glaube. Die Landesherren, die Herzöge von Jülich, waren katholisch und verlangten das auch von ihren Untertanen. 1609 starb der letzte Herzog von Jülich, und die protestantischen Kurfürsten von Brandenburg und von Pfalz-Neuburg gewährten volle Religionsfreiheit. Fünf Jahre später war es wieder vorbei: 1614 trat Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm zum Katholizismus über, den Reformierten von Gladbach wurde der Gottesdienst erneut verboten, und sie mussten zur Predigt nach Rheydt gehen. Erst der brandenburgisch-pfälzische Religionsvergleich von 1672 stellte die Religionsfreiheit wieder her. 1675 bat die Gemeinde den Stadtrat um die Erlaubnis, innerhalb der Stadt eine Kirche zu bauen. Der Rat lehnte ab. 1684 blieb nur ein Bethaus am Fliescherberg, außerhalb der Stadtmauern, und es durfte nicht Kirche heißen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts machte die gute finanzielle Lage den Bau hier möglich, am Kapuzinerplatz, in der Stadtmitte. Schauen Sie zum Turm. Er steht frei, nicht am Schiff, hat ein polygonales Spitzdach und vier Ecktürme mit Natursteinbrüstung, und er ist mit dem Kirchenschiff nur durch eine Überdachung mit einem Spitzbogentor für Fußgänger verbunden. Die Idee, den Turm als Campanile zu bauen, geht wohl auf den preußischen König zurück, der an den Planungen beteiligt war. Das Schiff selbst ist ein dreischiffiger Hallenbau mit Satteldach und fünf Fensterachsen mit neugotischen Fenstern. Dann die Nacht vom 30. auf den 31. August 1943, der erste Großangriff auf Mönchengladbach. Die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Turm blieb stehen, die neugotische Innenarchitektur war zerstört. Bis 1951 wurde das Innere mit den sparsamsten Mitteln der Nachkriegszeit rekonstruiert: Wo vorher bemalte, in Spitzbögen auslaufende Säulen standen, stehen heute nüchterne weiß gestrichene Pfeiler. Das Äußere ist dagegen im Originalzustand, bis auf das Dach, das ursprünglich mit Schiefer gedeckt war, und die Farbglasfenster im Chorraum, die Johannes Schreiter 1962 schuf. Ein Gegenstand hat das Feuer überlebt. Der Abendmahlstisch von 1694, heute in der Apsis, war ein Geschenk des Gladbacher Großkaufmanns Jan Lüps, der nach Moskau gezogen war, an seine reformierte Heimatgemeinde. Er überstand als einziges Einrichtungsstück die Nacht von 1943; nur seine Marmorplatte zerbrach. Die Abendmahlsgeräte von 1752 werden noch heute benutzt. Und das Geläut hat seine eigene Geschichte. Zunächst hingen drei Stahlglocken im Turm. 1967 stellte ein Gutachter fest, dass das Läuten zu statischen Problemen führte, woraufhin die beiden größeren stillgelegt wurden. Im Jahr 2000 kam ein neues vierstimmiges Bronzegeläut in Betrieb. Die einhundertzehntausend Mark dafür wurden ausschließlich aus Spenden aufgebracht. Noch ein Name für den Weg: Auf der Vorgängerorgel gab Albert Schweitzer hier am 6. November 1928 und am 26. April 1932 je ein ausverkauftes Konzert, zur Finanzierung seines Urwaldhospitals Lambarene.

Kurzfassung

Sie stehen vor der evangelischen Christuskirche in der Kapuzinerstraße 46. Gebaut wurde sie von 1845 bis 1852. Bei der Grundsteinlegung am 8. August 1845 war König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen anwesend. Den Namen Christuskirche trägt sie erst seit 1953.

Für Kinder

Diese Kirche gehört den evangelischen Christen der Stadt. Dass sie hier steht, war lange verboten. Vor vierhundert Jahren durften evangelische Leute in Gladbach ihren Glauben nicht offen leben. 1675 fragten sie, ob sie eine Kirche bauen dürfen. Die Stadt sagte nein. Also bauten sie ein Bethaus draußen vor der Stadtmauer, und es durfte nicht Kirche heißen. Erst 1845 ging es, mitten in der Stadt. Sogar der König von Preußen kam zur Grundsteinlegung. 1943 brannte die Kirche im Krieg aus. Nur der Turm blieb stehen. Ein Tisch von 1694 hat das Feuer überlebt, nur seine Platte zerbrach. Was würdest du aus einem brennenden Haus retten?

Quellen

Koordinaten: 51.195211, 6.432865 · auf der Karte

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