Stadtohr

Stadtrundgang Memmingen · Station 2 von 16

Rathaus (Memmingen)

· renaissance, rokoko, reichsstadt, reformation

Ausführlich

Sie stehen vor dem Rathaus, am hinteren Teil des Marktplatzes. Schauen Sie auf die Vorderseite. Es sind drei Eingänge, ein großes Tor und links und rechts je eine kleinere Tür. Darüber steht die Jahreszahl 1589, das Baujahr, dazu die vergoldeten Wappen des Geheimen Rates und der Reichsstadt. Über dem Tor beginnt ein eckiger Erker mit einer mechanischen Uhr, darüber ein runder Erkerturm. Zwei weitere runde Erkertürme außen sind mit geschwungenen Wänden verbunden. Ihre kupfergedeckten welschen Hauben tragen das Stadtwappen als Wetterfahne. Und dann diese Summe: Der Bau von 1589 kostete 30.000 Gulden. Der Stadthaushalt betrug etwa 90.000. Eine Quelle nennt das eine damals unvorstellbare Summe. Der Vorgänger war ein Fachwerkbau mit offenen Lauben. Eine Ratsstube wird schon im 14. Jahrhundert erwähnt, 1488 wurde der Ratssitz aufgestockt. Den Prachtbau plante man vermutlich 1565, denn in diesem Jahr brach man zwei Rippen des Steuerhauses ab. Das Steuerhaus, das wir gleich ansehen, nennt allerdings 1522/63 und drei Bögen. Beides steht so da. Der Plan stammt vom Stadtwerkmeister Johann Jakob Ehinger. Im 18. Jahrhundert, als sich Adlige Landschlösser zulegten, wollte die Stadtrepublik nicht nachstehen. Das Rathaus wurde im Rokoko-Stil nach Entwürfen von Johann Georg Knoll und Jakob Mitteregger umgestaltet. 1764 bis 1765 bekam der Giebel sein geschwungenes Profil, die Fenster erhielten Stuckdekor. Das große Mitteltor ließ selbst Frachtfuhrwerke in die zweischiffige Gewölbehalle fahren. Im Keller war die alte Ratsstube. Er ist so tief, dass dort stets vier Grad herrschen. Nun zu dem, was vor dem Haus geschah. Im Juli 1524 demonstrierte die Bürgerschaft hier für die Einführung der Reformation, am Nikolausabend wurde sie in St. Martin eingeführt. Am 21. April 1525 rief man die Bürgerschaft im Harnisch vor das Rathaus. Man nahm an, Truppen des Schwäbischen Bundes würden wegen der Zwölf Quelle und der Verfassungsgebenden Bauernversammlung auf die Stadt marschieren. Diese Zwölf Quelle machten Memmingen berühmt. Sie gelten als eine der frühesten Forderungen nach Freiheits- und Menschenrechten in Europa. Die Fassade wurde 1878 erneuert, 1906 bis 1908 verändert und zuletzt 2007 für etwa 100.000 Euro saniert.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Rathaus am Marktplatz. Es ist ein Renaissancebau des 16. Jahrhunderts, über dem Tor steht die Jahreszahl 1589. Im 18. Jahrhundert wurde es im Rokoko umgestaltet. Es zählt zu den berühmtesten Bauwerken Memmingens.

Für Kinder

Dieses Rathaus ist von 1589, die Jahreszahl steht über dem Tor. Es war sehr teuer: 30.000 Gulden, und der ganze Haushalt der Stadt betrug nur etwa 90.000. Das große Tor in der Mitte ist so breit, dass früher Fuhrwerke direkt in die Halle fahren konnten. Im Keller ist es immer kühl, vier Grad. Über dem Tor sitzt eine Uhr in einem Erker. Kannst du sie finden? Und zähl die runden Erkertürme mit den Hauben oben auf dem Haus.

Quellen

Koordinaten: 47.986771663, 10.181287302 · auf der Karte

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