Stadtohr

Stadtrundgang Memmingen · Station 1 von 16

St. Martin

· kirche, gotik, reformation, chorgestuehl

Ausführlich

Willkommen in Memmingen. Die Stadt ist kreisfrei, liegt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und war eine Reichsstadt. 44.378 Menschen leben hier, Stand 31. Dezember 2025. Ihre mittelalterliche Altstadt gehört zu den am besten erhaltenen Süddeutschlands. Wir beginnen an der Stadtpfarrkirche St. Martin, am Rand der nordwestlichen Altstadt, vor dem alten aufgelassenen Friedhof. Schauen Sie zum Turm hinauf. Er misst etwa 65 Meter, ist weithin sichtbar und das höchste Gebäude der Stadt. Das Alter dieser Kirche ist eine Frage für sich. Siedlungsspuren am Standort gibt es schon aus dem 2. Jahrhundert, 1912 fand man Reste eines römischen Burgus. Der erste Kirchenbau lässt sich nicht genau datieren, Forscher gehen von etwa 800 aus. Chroniken nennen 926, 1077 und 1176, durch Funde belegt ist das nicht. Eine Quelle nennt als Anfang außerdem das 9. Jahrhundert. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe, um 800, und sage dazu, dass es mehrere gibt. Sicher ist: 1214 übergab Kaiser Friedrich II. das Patronat an die Antoniter, die hier ihre erste Niederlassung auf deutschem Boden gründeten. Zu ihnen kommen wir noch. Um 1325 war die Kirche für die vielen Bürger zu klein. Chor und Turm datiert eine Quelle einmal um 1325, einmal ans Ende des 14. Jahrhunderts. Als es 1404 um das sechste Joch ging, kamen die städtischen Werkleute nicht zurecht. Der Rat wandte sich nach München und gewann 1405 Conrad von Amberg. 1407 stand das Dachwerk, eines der frühesten Beispiele des liegenden Stuhls im deutschen Sprachraum. 1409 oder 1410 war die sechsjochige Basilika fertig. 1489 bis 1491 verlängerte man das Langhaus um zwei Joche und riss dafür zwei Häuser in der Zangmeisterstraße ab, von 1496 bis 1500 wurde der Chor neu errichtet. Die Bürger finanzierten alle Erweiterungen. Wenn Sie hineingehen, achten Sie auf das Südostportal: Es passt nicht zum Rhythmus der Bögen, man blickt beim Eintreten auf einen Pfeiler. Der Raum erzählt auch von der Reformation. Ab 1524 verbreitete sie der Schweizer Prediger Christoph Schappeler, der eine Predigerstelle an der Vöhlin-Kapelle dieser Kirche hatte. 1531 beschloss der Stadtrat, alle kirchlichen Kultgegenstände aus den Kirchen zu entfernen. St. Martin verlor 21 Seitenaltäre und den Hochaltar. Vom Hochchor blieb nur das Chorgestühl. Es ist über 500 Jahre alt, zählt zu den besten spätgotischen Schnitzwerken Süddeutschlands und gilt als größter Kunstschatz der Stadt. Als Nächstes gehen wir zum Marktplatz.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Stadtpfarrkirche St. Martin am Rand der nordwestlichen Altstadt. Sie ist eine der ältesten Kirchen Oberschwabens und ein Wahrzeichen der Stadt. Die heutige Basilika wurde um 1325 begonnen und um 1500 vollendet. Der etwa 65 Meter hohe Turm ist das höchste Gebäude Memmingens.

Für Kinder

Du stehst vor einer sehr alten Kirche. Ihr Turm ist etwa 65 Meter hoch und das höchste Gebäude der Stadt. Die Bürger von Memmingen haben die Kirche bezahlt. Sie wurde um 1325 begonnen und war um 1500 fertig. Damals war es die größte gotische Stadtkirche zwischen Bodensee und Lech. Drinnen steht ein Chorgestühl, das über 500 Jahre alt ist. Es ist mit Schnitzwerk verziert. Kannst du von hier aus bis ganz nach oben zur Spitze des Turms schauen?

Quellen

Koordinaten: 47.985890772, 10.178978885 · auf der Karte

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