Stadtohr

Stadtrundgang Meißen · Station 2 von 16

Kornhaus

· speicher, burgberg, porzellan, denkmalschutz

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kornhaus auf dem Burgberg, nahe der Albrechtsburg. Es ist ein ehemaliger Getreidespeicher aus dem 15. Jahrhundert. 1471 beauftragten die Wettiner den Baumeister Arnold von Westfalen, anstelle der alten Markgrafenburg das erste deutsche Schloss zu errichten. Beim Umbau von der Burg zum Schloss entstand das Kornhaus als Zweckbau mit, 1494 war es fertig. Seine Grundmauern stehen direkt auf dem Felsen. Untersuchungen der Holzbalken zeigen, dass alle Bäume für die drei Geschossdecken 1494 gefällt wurden. Das schmucklose Wirtschaftsgebäude wurde also innerhalb eines Jahres gebaut. Schauen Sie an der Mauer auf der Talseite entlang. Sie ist auffällig gerade und bis zu 2,35 Meter stark. In ihr saßen sechs tiefe, übereinanderliegende Schießscharten. Später diente das Haus auch der Burgwache als Unterkunft. Ab 1520 stand im Erdgeschoss ein Marstall für 80 Pferde. Der Dachboden ist 64 Meter lang und knapp 14 Meter breit, hier lagerte vor allem Korn. Im Keller gab es einen direkten Übergang zur Albrechtsburg. Dann kam das Porzellan. August der Starke ließ die Manufaktur auf die Albrechtsburg verlegen, und die Produktion fand auch im Kornhaus statt. Das Brennhaus stand gleich nebenan, es wurde 1817 errichtet und 1878 wieder abgerissen. Das Kornhaus litt, 1857 wurde ein Abriss erwogen. Dann ließ König Johann ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Haus sanieren und repräsentative Wohnräume für die königliche Familie einrichten. Weil die Residenz in Dresden lag, wurden sie nur selten genutzt. Zu DDR-Zeiten war das Kornhaus überwiegend Wohnhaus, 2008 zogen die letzten Mieter aus. Die Stadt suchte einen Käufer und bot das Haus 2006 auf einer Immobilienmesse in München an. Es wurde für 500.000 Euro verkauft, geplant war ein Fünfsternehotel. Das Landesamt für Denkmalpflege hielt das Gebäude dafür aber nicht für geeignet. 2022 sollte das Kornhaus zwangsversteigert werden. Die Alternative für Deutschland wollte es kaufen und ein Schulungszentrum einrichten, dagegen formierte sich breiter Widerstand. Kurz vor der Versteigerung beglich der Eigentümer die Schulden. Im Dezember 2023 kaufte die Meißner Emma-und-Otto-Horn-Stiftung das Haus. Einen Nutzungszweck sucht sie noch. Zuerst wird das Dach neu gedeckt.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kornhaus auf dem Burgberg, nahe der Albrechtsburg. Der Getreidespeicher wurde im 15. Jahrhundert errichtet, 1494 war er fertig. Später standen hier 80 Pferde im Marstall, dann wurde in dem Haus Porzellan hergestellt. Heute gehört es einer Stiftung.

Für Kinder

Du stehst vor einem riesigen Speicher aus dem Jahr 1494. Hier wurde Getreide gelagert, auf einem Dachboden, der 64 Meter lang ist. Im Erdgeschoss standen später 80 Pferde. Hinterher wurde hier Porzellan hergestellt, und eine Zeitlang wohnten Menschen darin. Heute steht das Haus leer und soll saniert werden. Der Keller war einmal mit der Albrechtsburg verbunden, es gab einen direkten Übergang. Was würdest du in so einem großen Haus unterbringen?

Quellen

Koordinaten: 51.166138948, 13.469678495 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.