
Sie stehen vor dem Friedensengel, einem Denk- und Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Der Bildhauer Gerhard Marcks schuf ihn 1951 und 1952. Er hat viele Namen: Mannheimer Engel, Todesengel, und im Volksmund Die schepp’ Liesel, die schiefe Liesel. Wie kam es dazu? 1949 beantragte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes eine Gedenktafel für den Widerstandskämpfer Lechleiter und die mit ihm Hingerichteten. In der Debatte wurde der Kreis erweitert, auf alle, die aus politischen, religiösen oder rassischen Gründen verfolgt wurden. Oberbürgermeister Hermann Heimerich wollte 1950 auch die Opfer des Weltkriegs einbeziehen, mit einem einheitlichen Gedenktag, als Verpflichtung zur politischen Erneuerung und Friedfertigkeit. In der Bevölkerung, besonders bei den Soldatenverbänden, löste die Idee einer gemeinsamen Erinnerung aber erhebliche Widerstände aus. Anfang 1951 beauftragte die Stadt Gerhard Marcks mit Entwürfen. Die Nationalsozialisten hatten ihn in der Ausstellung Entartete Kunst diffamiert. Er wählte das Motiv eines Engels. Schauen Sie die Figur an: Sie ist drei Meter hoch und bis auf das vollplastische Haupt stark reliefhaft aufgebaut, mit ausgebreiteten Armen vor den Flügeln. Die Schräge der Achse und die angehobenen Füße erwecken den Eindruck eines schwebenden Engels. Flügel und Gewand sind mit parallelen Linien gezeichnet. Die Inschrift lautet: Es mahnen die Toten, und 1933 bis 1945. Gegossen wurde die Figur im Sommer 1952 vom Düsseldorfer Bronzegießer Schmäke. Anfang November stellte man sie auf einem zwei Meter hohen Sandsteinsockel im Quadrat B 4 neben der Jesuitenkirche auf. Eingeweiht wurde sie am 16. November 1952, dem Volkstrauertag, vor rund 5000 Besuchern. Es sprachen Oberbürgermeister Heimerich, Bundeskanzler Konrad Adenauer, Landesbischof Julius Bender und Landesrabbiner Robert Raphael Geis. Doch die gemeinsame Erinnerung hielt nicht: 1954 erklärten die Soldaten- und Heimkehrerverbände, dass sie bei der Feier nicht zusammen mit den Juden und den anderen Opfern des Nationalsozialismus genannt werden wollten. Die Stadt sagte die Veranstaltung am Friedensengel daraufhin ab. Am 7. Mai 1955 mahnte der Theologe Helmut Gollwitzer vor mehreren tausend Menschen, Erinnerung sei Pflicht, auch wenn sie schmerzt. Seit 1954 wird zum Volkstrauertag formlos ein Kranz niedergelegt. Im Mai 1983 wurde der Engel in das Quadrat E 6 neben die Spitalkirche versetzt, weil am Schillerplatz Wohngebäude gebaut werden sollten.
Sie stehen vor dem Friedensengel, einem Denk- und Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Gerhard Marcks schuf die drei Meter hohe Figur 1951/52. Im Volksmund heißt sie Die schepp’ Liesel, die schiefe Liesel.
Du stehst vor einer Engelsfigur aus Bronze. Der Bildhauer Gerhard Marcks hat sie 1951 und 1952 geschaffen, drei Meter hoch. Der Engel schwebt, mit ausgebreiteten Armen, schräg nach vorn geneigt. Darum nennen die Mannheimer ihn auch die schiefe Liesel. Er erinnert an die Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden, und an die Toten des Zweiten Weltkriegs. Auf dem Sockel steht: Es mahnen die Toten. Was bedeutet das Wort mahnen für dich?
Koordinaten: 49.489972222, 8.462138888 · auf der Karte