Stadtohr

Stadtrundgang Mainz · Station 9 von 16

Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz

1477 · bibliothek, saekularisation, handschriften

Ausführlich

Der Tag, an dem diese Bibliothek der Stadt gehörte, lässt sich datieren. Am 5. Oktober 1805 traf in Mainz eine Verfügung des französischen Innenministers ein. Der Bestand der Alten Universitätsbibliothek ging mitsamt den Büchern der aufgehobenen Klöster in den Besitz der Stadt über, unter einer Bedingung: Die Stadt musste die Unterhaltung und die Gehälter der Beamten bezahlen. Zum zweihundertsten Geburtstag der kommunalen Bibliothek gab es 2005 einen Festakt im Rathaus und eine Festschrift. Darin schrieb Kurt Flasch, einer der langjährigsten Benutzer, das Lob der Mainzer Stadtbibliothek. Sein Appell endet mit zwei Bildern: Die Mainzer hätten hier nicht nur eine Apotheke des Geistes, sondern ein Schatzhaus der europäischen Geschichte. Untergebracht war die Bibliothek in verschiedenen Häusern. Zu kurfürstlicher Zeit ab 1744 in der Burse am Neubrunnenplatz, danach bis 1912 im Kurfürstlichen Schloss, unserer nächsten Station. Von 1814 bis 1829 leitete sie ein ehemaliger Jakobiner, Professor Friedrich Lehne, der zugleich Stadtarchivar war. Dass dieses Haus hier überhaupt gebaut wurde, ist dem Engagement des Beigeordneten Karl Göttelmann zu verdanken. Geplant hat es der Mainzer Stadtbauinspektor Adolf Gelius, und zwar mit der damals neuesten Technik: Aufzüge und Rohrpostanlagen sollten die Kommunikation im Haus beschleunigen. Als Regalsystem wählte man das Lipman-Regal, es ist bis heute ununterbrochen im Einsatz. Die Finanzlage der Stadt war schwierig, und so wurde über die Bauzier heftig diskutiert, etwa über die Verwendung von Muschelkalk anstelle von Sandstein. Die Baukosten betrugen 665.000 Mark, finanziert aus Überschüssen der Sparkasse Mainz sowie Zuwendungen des Reichs und des Großherzogtums Hessen. Am 14. November 1912 wurde eingeweiht, gemeinsam mit dem Stadtarchiv. In den ersten Jahren saßen hier auch die Sammlung des Vereins für plastische Kunst und das Gutenberg-Museum, das ab 1927 in Etappen auszog, nach der Zerstörung seines eigenen Sitzes aber bis 1962 zurückkehren musste. Zu den Sondersammlungen gehören die Produktion des Mainzer Kinderbuchverlags Joseph Scholz mit Brett- und Kartenspielen, die Vogelbücher-Sammlung des Ornithologen Jacob Moyat und das Peter-Cornelius-Archiv. Mainzer Zeitungen, deren Erscheinen bis ins 18. Jahrhundert zurückgeht, kann man auf Filmen einsehen. Die Originale zu benutzen ist aus konservatorischen Gründen eingeschränkt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz, einer kommunalen wissenschaftlichen Bibliothek mit rund 700.000 Medieneinheiten. Ihre Anfänge reichen in das Jahr 1477 zurück. Das Gebäude an der Rheinallee wurde 1912 fertiggestellt.

Für Kinder

Hier drin stehen etwa 700.000 Bücher, Zeitungen und andere Sachen zum Lesen. Die ältesten sind über fünfhundert Jahre alt. Woher kommen so viele Bücher? Früher gehörten sie der Universität und den Klöstern der Stadt. Als die geschlossen wurden, brachte man die Bücher hierher. Das Haus wurde 1912 gebaut und war damals sehr modern: mit Aufzügen und einer Rohrpost. Durch Röhren schossen kleine Behälter mit Zetteln von Raum zu Raum. Manche Bücher sind heute so empfindlich, dass niemand sie mehr anfassen darf.

Quellen

Koordinaten: 50.0085, 8.26938 · auf der Karte

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