Schauen Sie die Ecken des Gebäudes hinauf, auf die kleinen Erkertürmchen. Dieser Außenbau ist mit reichem Baudekor ausgestattet, besonders bei den Fenstern, und wurde einschließlich der Dächer original wiederhergestellt. Das Innere nicht, dazu kommen wir. Begonnen wurde dieser Bau 1627, im Dreißigjährigen Krieg, unter Erzbischof Georg Friedrich von Greiffenklau. Als Baumeister ist ein Kapuzinerpater namens Matthias von Saarburg ermittelt. Der Rheinflügel wurde erst 1687 vollendet. Der Krieg und der ab 1688 folgende Pfälzische Erbfolgekrieg verzögerten alles. Der Originalplan ist nicht bekannt, aber man geht von einer geplanten Vierflügelanlage aus. Ein weiterer Grund für die Verzögerung: Viele Kurfürsten dieser Zeit steckten ihr Baugeld in Adelshöfe und vor allem in das Lustschloss Favorite vor der Stadt, das 1793 bei der Belagerung durch Koalitionstruppen zerstört wurde. Der Nordflügel war im Wesentlichen 1752 fertig. Zum Schloss gehörte auch ein Hofgarten, von dem nichts erhalten ist. Napoleon wollte Mainz zu einer repräsentativen Metropole ausbauen. Dafür ließ er 1809 die Martinsburg abtragen, auch die Schlosskirche St. Gangolph und ein Kanzleigebäude verschwanden, meist um Prunkstraßen anzulegen. Seitdem steht der rheinseitige Flügel frei. Im August 1942 wurde das Schloss bei einem Luftangriff stark zerstört und brannte zwei Tage lang aus. Nur die Fassaden und Teile der Treppenanlagen blieben. Im Inneren hatte es ein großes Haupttreppenhaus von Balthasar Neumann gegeben, das war allerdings schon während der französischen Herrschaft beseitigt worden. Nach dem Krieg wurde zunächst der Nordflügel wiederhergestellt, und 1950 feierte man hier wieder Fassenacht. Das Äußere wurde originalgetreu hergerichtet, das völlig vernichtete Innere zweckmäßig ausgestattet. Im Nordflügel liegt der Akademiesaal. Dort findet die Gemeinschaftssitzung der vier Mainzer Karnevalsvereine statt, Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht, die seit 1973 jedes Jahr live im Fernsehen übertragen wird. Im Ostflügel sitzt das Römisch-Germanische Zentralmuseum. Noch ein Datum, das hierher gehört: Am 23. Oktober 1792 wurde in diesem Schloss der Mainzer Jakobinerklub gegründet, der erste Jakobinerklub auf deutschem Boden. Woran wir gleich anschließen. Zuletzt der Zustand: Seit Jahren besteht dringender Sanierungsbedarf, die Fassade bröckelt, besonders an der Nordseite. Gesimse und Details aus Mainsandstein lösen sich auf. Die Sanierung der Hofseite wurde 2013 fertig: siebzehn Fensterachsen für 2,6 Millionen Euro.
Sie stehen vor dem Kurfürstlichen Schloss, der ehemaligen Stadtresidenz der Mainzer Erzbischöfe. Die waren zugleich Kurfürsten und Landesherren des Mainzer Kurstaates. Stilistisch ist der Bau eines der letzten Bauwerke der sogenannten Deutschen Renaissance.
In diesem Schloss wohnte der Erzbischof von Mainz. Er war nicht nur Chef der Kirche, sondern auch Landesherr, also so etwas wie ein König für die Gegend. Vorher stand hier eine Burg am Rhein. Napoleon ließ sie abreißen, weil er breite Prachtstraßen bauen wollte. Im Krieg brannte das Schloss zwei Tage lang, übrig blieben nur die Außenwände. Innen ist deshalb fast nichts mehr alt. Heute wird hier Fastnacht gefeiert, in einem großen Saal, und das kommt sogar im Fernsehen. Findest du die Türmchen an den Ecken?
Koordinaten: 50.0067, 8.27056 · auf der Karte