Stadtohr

Stadtrundgang Mainz · Station 11 von 16

Dativius-Victor-Bogen

· roemerzeit, inschrift, rekonstruktion

Ausführlich

Dieser Bogen ist zweimal verschwunden und zweimal zurückgekommen. Zuerst wurde er abgebaut und als Baumaterial verwendet. Um 1900 riss man auf dem Kästrich Teile der mittelalterlichen Stadtmauer ab, die auf den Fundamenten der spätantiken römischen Befestigung ruhte. Zwischen 1898 und 1911 fanden die Arbeiter dort mehrere Architekturteile, die als Spolien in der Mauer verbaut waren. Im November 1898 fielen ihnen verzierte Blöcke auf. Nur diese wurden geborgen, die unverzierten Bauteile räumte man ab. Karl Körber veröffentlichte die Funde als Teile von drei verschiedenen Monumenten. Bis 1903 kamen weitere Stücke hinzu, und Heinrich Wallau erkannte als erster den Zusammenhang. 1906 legte er eine erste Rekonstruktion vor. Als Hilfe beim passgenauen Zusammenfügen dienten ihm neben der Dekoration noch vorhandene Verschiebemarken und Klammerlöcher auf den Steinen. Von etwa fünfundsiebzig Einzelelementen sind dreiundvierzig Blöcke gefunden, vornehmlich von der Vorderseite. Die Rückseite ist nur lückenhaft erhalten und war wohl kaum dekoriert, denn dort schloss die Säulenhalle an. Gehen Sie nun die Bilder ab. Die Pfeiler sind außen mit Weinrankenreliefs verziert, von der Basis bis unter die Attika. Innen tragen sie Weinrankenpilaster, die unter dem Bogen in korinthischen Kapitellen enden. Der Bogen selbst zeigt auf der Frontseite einen teilweise erhaltenen Tierkreis. Der Schlussstein ragt einige Zentimeter heraus und zeigt Jupiter mit seiner Gemahlin Juno. Jupiter hält ein Zepter, der rechte Fuß ruht auf einem Globus, der Kopf der Figur ist beschädigt. Über dem Bogen sind Opferszenen zu sehen, dominiert von einem in eine Toga gehüllten Priester. In dieser Figur kann Dativius Victor selbst gesehen werden, denn neben dem Amt des Ratsherrn bekleidete er ein Priesteramt im Kaiserkult. Diese Darstellung macht den Bogen in den germanischen Provinzen einzigartig. Zur Zeitstellung: Die Inschrift nennt Jupiter als Conservator, als Bewahrer des Reiches. Dieser Beiname kommt in Mainz nur auf drei weiteren Inschriften vor. Vermutet wird, dass Jupiter als Reichsbewahrer vor allem in einer Zeit akuter Bedrohung der Reichsgrenze angerufen wurde, als Alamannen plünderten. Der Bogen gilt neben dem Augsburger Siegesaltar als wichtigstes Steindenkmal aus der Zeit des Limesfalls. Rekonstruiert wurde er von 1978 bis 1981. Die Kopie, vor der Sie stehen, wurde schon 1962 zur Mainzer Zweitausendjahrfeier aufgestellt, im Maßstab eins zu eins. Einige Teile sind hier frei nachgestaltet.

Kurzfassung

Vor Ihnen steht der Dativius-Victor-Bogen, einer der bedeutendsten wiederaufgebauten römischen Bauten in Deutschland. Er stammt aus der Mitte des 3. Jahrhunderts. Was hier steht, ist eine Kopie aus Abgüssen von 1962. Das Original ist im Landesmuseum zu sehen.

Für Kinder

Das ist ein römisches Tor, fast achtzehnhundert Jahre alt. Jedenfalls das Original, das im Museum steht. Hier siehst du eine Kopie. Bezahlt haben das Tor die Söhne eines reichen Mannes aus Mainz. Er hieß Dativius Victor, und sie bauten es, weil er es sich so gewünscht hatte. Das steht in der Inschrift, und die kann man noch ganz lesen. Später wurde das Tor abgebaut, seine Steine landeten als Baumaterial in der Stadtmauer. Erst vor etwa hundert Jahren fanden Arbeiter sie dort wieder. Such oben in der Mitte den Stein mit zwei Göttern darauf.

Quellen

Koordinaten: 50.00566, 8.26993 · auf der Karte

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