Stadtohr

Stadtrundgang Mainz · Station 12 von 16

Deutschhaus Mainz

1730 · barock, landtag, mainzer republik

Ausführlich

Der Platz, auf dem Sie stehen, heißt seit 2013 Platz der Mainzer Republik. Dieser Name ist der Grund, warum dieses Haus mehr ist als ein schönes Palais. 1793 diente das Gebäude als Sitz des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents. Dieser Konvent war das Parlament für die von Frankreich besetzten linksrheinischen Gebiete, und die kurzlebige Mainzer Republik kann als erste Demokratie auf deutschem Boden gelten. Noch im gleichen Jahr eroberten deutsche Truppen die Gebiete zurück. Danach wechselten die Herren. Von 1798 bis 1814, als die Stadt zum französischen Kaiserreich gehörte, hatte Napoleon hier seine Nebenresidenz. Nach dem Wiener Kongress kam Mainz zum Großherzogtum Hessen, und das Deutschhaus wurde Nebenresidenz des hessischen Großherzogs. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und der folgenden Rheinlandbesetzung residierten hier französische Oberbefehlshaber. Jean-Marie Degoutte wurde im Oktober 1919 zum Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee ernannt, er und sein Nachfolger Adolphe Guillaumat blieben bis zum Abzug der Franzosen am 30. Juni 1930. 1945 wurde der Bau bei Bombenangriffen stark zerstört, es standen nur noch die Fassaden. Schon 1950 und 1951 wurde er wieder aufgebaut, als einer der ersten der zahlreichen Repräsentationsbauten der kurfürstlichen Residenzstadt. Die Außenwände rekonstruierte man, das Innere wurde zweckmäßig angepasst. Seitdem tagt hier das Parlament. Von Ende Oktober 2015 bis 2021 war das Haus Baustelle. Die Abgeordneten tagten in dieser Zeit unter anderem im Ratssaal des Rathauses, in der Rheingoldhalle und in der Steinhalle des Landesmuseums, zwischen römischen Steindenkmälern. Am 8. September 2021 wurde mit einem Festakt die Rückkehr gefeiert. Die Baukosten betrugen 73 Millionen Euro. Zwei Dinge sollten Sie noch wissen. Im Plenarsaal hängt ein erhaltenes Original der schwarz-rot-goldenen Fahnen, die beim Hambacher Fest 1832 mitgeführt wurden. Und hier auf dem Platz steht eine Nachbildung der 1904 gefundenen Mainzer Jupitersäule. Das Original befindet sich im Landesmuseum, das wir vorhin gesehen haben. Südöstlich schließt das Neue Zeughaus an, dort sitzt die Staatskanzlei.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Deutschhaus, auch Deutschordenshaus genannt. Heute ist es der Sitz des Landtags von Rheinland-Pfalz. Den Grundstein für das barocke Palais legte 1730 Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Fertiggestellt wurde der Bau 1737.

Für Kinder

Hier arbeiten die Politiker von Rheinland-Pfalz. Sie sitzen in einem großen Saal und beschließen, welche Regeln im Land gelten. Gebaut wurde das Haus vor fast dreihundert Jahren für einen Erzbischof, der ein zweites Amt hatte und dafür ein zweites Schloss wollte. Als es fertig war, war er längst gestorben. Wichtig ist das Haus aber aus einem anderen Grund: 1793 trafen sich hier Menschen, die zum ersten Mal in Deutschland ohne König und Fürsten entscheiden wollten. Das hielt nur ein Jahr. Danach wohnte Napoleon hier.

Quellen

Koordinaten: 50.00528, 8.27167 · auf der Karte

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