Stadtohr

Stadtrundgang Mainz · Station 13 von 16

St. Peter

1749 · kirche, rokoko, brauch

Ausführlich

Diese Kirche hat zwei schwere Treffer hinter sich, und beim ersten ging es gut aus. Den großen Luftangriff auf Mainz im August 1942, bei dem die Christophskirche zerstört wurde, überstand St. Peter unbeschädigt. Der zweite Angriff im Herbst 1944 war anders. Eine Sprengbombe traf den Südturm, der Turm fiel auf das Mittelschiff und schlug ein großes Loch ins Gewölbe. Nordturm, Chorraum und große Teile des Mittelschiffs blieben unbeschädigt. Dann kam der 27. Februar 1945. Durch Brandbomben wurde Mainz fast vollständig zerstört. Die Peterskirche verlor ihre Turmfassade, das Kirchenschiff brannte aus. Bis 1952 richtete man sie notdürftig so her, dass die Gemeinde sie benutzen konnte. 1959 begann der Wiederaufbau, 1961 standen die Doppeltürme originalgetreu wieder da. Von 1973 bis 1989 wurde praktisch ständig renoviert. Besonders interessant ist, wie die Deckenfresken zurückkamen: Karl Manninger rekonstruierte sie mit Hilfe von Farbfotografien, die Paul Wolff vor dem Krieg aufgenommen hatte und die im Historischen Farbdiaarchiv lagen. Viel ist trotzdem unwiederbringlich verloren, darunter die Orgel, die Deckenfresken des Giuseppe Appiani und das Chorgestühl. Nicht zerstört wurden die großen Barockaltäre, die Stuckdekoration und das wertvollste erhaltene Stück, die große Kanzel des Johannes Förster. Zwischendurch war dieses Haus alles andere als eine Kirche. Unter französischer Besatzung diente es 1813 als Pferdestall. 1814 wurde es Garnisonkirche der preußischen Garnisonsteile und blieb das bis 1918. Erst danach wurde es Pfarrkirche. Und nun zu einem Brauch, den es in Deutschland nur hier gibt. Er heißt Batzekuche. Das ist ein runder, dicker Kuchen aus Hefeteig, der am neunten Tag nach Fronleichnam verteilt wird, dem Herz-Jesu-Fest. Der Name kommt nicht von der Münze Batzen, sondern von der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: ein dicker Klumpen. Aus dieser Bedeutung ist dann auch der Münzbegriff entstanden, denn Batzenmünzen waren dicker geprägt als die üblichen dünnen Münzen. Bestimmt war der Kuchen für die Kinder, die bei der Festprozession als Fahnen- und Blumenträger mitlaufen. Verteilt wird er seit etwa 1818, zurück geht der Brauch auf die Herz-Jesu-Bruderschaft, die 1802 in die Gemeinde gezogen war. Gefeiert wird nicht mehr so ausgiebig wie im 19. Jahrhundert, aber den Kuchen gibt es noch. In einer Seitenkapelle ist der in Mainz sehr verehrte Pfarrer Franz Adam Landvogt bestattet.

Kurzfassung

Sie stehen vor der katholischen Kirche St. Peter. Mit ihrer Rokokoausstattung gehört sie zu den bedeutendsten Barockbauten in Mainz. Gebaut wurde sie von 1749 bis 1756 von Johann Valentin Thoman, als Hallenbau mit Doppelturmfassade. 1757 wurde sie geweiht.

Für Kinder

In dieser Kirche gibt es einmal im Jahr Kuchen. Er heißt Batzekuche, ist rund und dick und aus Hefeteig. Batzen heißt dicker Klumpen, daher der Name. Bekommen haben ihn früher die Kinder, die bei der großen Prozession die Fahnen und die Blumen trugen. Das war ihr Lohn. Diesen Brauch gibt es seit etwa zweihundert Jahren, und zwar nur hier, in keiner anderen Kirche in Deutschland. Im Krieg fiel ein Turm auf das Dach und schlug ein Loch hinein. Später baute man ihn genauso wieder auf.

Quellen

Koordinaten: 50.004708, 8.269853 · auf der Karte

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