Stadtohr

Stadtrundgang Mainz · Station 8 von 16

Evangelische Christuskirche, Mainz

1903 · kirche, historismus, kuppel

Ausführlich

Stellen Sie sich mitten auf die Kaiserstraße und schauen Sie die Achse hinunter. Das ist die eigentliche Pointe dieses Baus. Mit der Kaiserstraße entstand im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein großer doppelläufiger Boulevard, und in seiner Mitte, gut sichtbar, liegt diese Kirche. Geplant hat sie der Stadtbaumeister Eduard Kreyßig. Die achtzig Meter hohe Kuppel überragt andere Kirchen und Gebäude der Innenstadt. Das war die Absicht. Der Weg dorthin war ein Verfahren. 1894 berief der Kirchenvorstand einen städtebaulichen Wettbewerb, bei dem drei von fünf Entwürfen ausgezeichnet wurden: neben Kreyßigs erstem Entwurf auch die von Skjøld Neckelmann und Johannes Otzen. Weil der Rhein so nah ist, war der Baugrund schwierig. Die statischen Untersuchungen und Berechnungen übernahm Theodor Landsberg von der Technischen Hochschule Darmstadt. Am 2. Juli 1903 wurde geweiht. Zweiundvierzig Jahre später, bei den Luftangriffen auf Mainz am 1. Februar 1945, wurde die Kirche zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte von 1952 bis 1954 unter Leitung von Heinrich Otto Vogel. Und hier kommt etwas Merkwürdiges: Das Kuppeldach, das Sie heute sehen, orientiert sich nicht mehr an Italien, sondern an der Frauenkirche in Dresden. Innen wurde der Raum umgestaltet. Im ehemaligen Langhaus entstand eine eigenständige Werktagskirche. Daran schließt sich der Zentralraum an, im Westen von der Empore begrenzt, im Osten mit einer neoromanischen Chorwand. Die Glasfenster dort zeigen Motive aus dem Alten und dem Neuen Testament, entworfen hat sie Hans Gottfried von Stockhausen. Die Weihe des wiederaufgebauten Hauses fand an einem 31. Oktober statt, dem Reformationstag. Die Musik beim Weihegottesdienst übernahm die Laubacher Kantorei. Musik ist überhaupt der zweite Grund, warum dieses Haus genutzt wird. Seit 1954 spielen hier regelmäßig der Bachchor und das Bachorchester Mainz, die Diethard Hellmann an dieser Kirche begründete. Die große Orgel baute 1961 die Werkstatt Förster und Nicolaus, die Disposition entwarf Hellmann gemeinsam mit den Orgelbauern. Zu Semesteranfang finden hier traditionell die Universitätsgottesdienste der Johannes Gutenberg-Universität statt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der evangelischen Christuskirche. Gebaut wurde sie von 1896 bis 1903 nach Entwürfen von Eduard Kreyßig, in Formen der italienischen Hochrenaissance. Am 2. Juli 1903 wurde sie geweiht. Ihre Kuppel ist achtzig Meter hoch.

Für Kinder

Schau nach oben auf die Kuppel. Sie ist achtzig Meter hoch. Warum so hoch? In Mainz waren die meisten Menschen katholisch. Die evangelischen Christen waren lange nur wenige Hundert, und sie durften nicht einmal frei ihren Glauben feiern. Später wurden sie mehr. Da bauten sie diese Kirche, mitten in eine breite neue Straße, und so groß, dass man sie von weit weg sieht. 1945 fielen Bomben darauf. Beim Wiederaufbau bekam sie ein neues Kuppeldach, nachgemacht der Frauenkirche in Dresden. Schau einmal die Straße hinunter.

Quellen

Koordinaten: 50.0072, 8.26639 · auf der Karte

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