Stadtohr

Stadtrundgang Mainz · Station 7 von 16

Eltzer Hof

· barock, adelshof, leerstand

Ausführlich

Dieses Haus erzählt, wie lange ein Gebäude auf eine Entscheidung warten kann. Im August 1942 brannte die Anlage bei einem Großangriff britischer Bomber auf die Mainzer Alt- und Neustadt ab und war damit zerstört. Zwischen 1965 und 1970 wurde sie wieder aufgebaut, und zwar mit einem Konzertsaal für die Mainzer Liedertafel. Von da an war der Eltzer Hof ein Veranstaltungshaus, unter anderem für die Mainzer Fastnacht. Die Kellerräume nutzten von 1963 bis 2018 Diskotheken unter wechselnden Namen, zuletzt das 50grad. Auch Konzerte fanden hier statt: Die Toten Hosen stellten im Herbst 1986 ihr drittes Studioalbum vor, Wolfsheim gastierte am 10. März 2003. Dann kam der Stillstand. Bei Umbauarbeiten am Saal stellte man 2004 eine Asbestbelastung fest. Seitdem stand das ehemalige Konzerthaus weitgehend leer. 2008 schrieb das Finanzministerium einen Architektenwettbewerb für einen multifunktionalen Veranstaltungsort aus. Die 2009 ausgezeichneten Pläne eines Kasseler Büros wurden wegen Kosten von knapp 22 Millionen Euro nicht umgesetzt. 2015 wurde bekannt, dass das Land verkaufen wollte, an einen Investor, der Wohnungen, Büros und Ladenflächen schaffen sollte. Eine Studie schlug auch eine kulturelle Nutzung vor. 2018 hieß es, ein Projektentwickler aus Montabaur habe für 5 Millionen Euro den Zuschlag erhalten. Was dann folgte, ist der Grund, warum man bei diesem Haus genau hinsehen sollte. Ab 2018 wurde das Ensemble saniert, nach Plänen eines Wiesbadener Büros. Das Adelspalais wurde teilweise abgerissen und entkernt. Nur die Fassaden blieben erhalten. Um den Abriss technisch zu erleichtern, legte man selbst in die Fassade eine Bresche. Im August 2024 wurde die sanierte Immobilie den Medien präsentiert. Seit 2023 ist der Eltzer Hof das Domizil der rheinland-pfälzischen Ärzteschaft. Neben Büroräumen entstanden eine Tiefgarage mit siebenundzwanzig Stellplätzen und mehrere Maisonette-Wohnungen. Zur Denkmalzone gehören Große Bleiche 49 und 51, Bauhofstraße 1 sowie 3 und 5, Mittlere Bleiche 40 und die Schießgartenstraße. Von größter städtebaulicher Bedeutung ist dabei nicht das einzelne Haus, sondern die symmetrische Durchbildung ganzer Blockfassaden. Zwischen 1742 und 1774 wuchsen hier Adelshöfe und der kurfürstliche Marstall zu einer Blockrandbebauung zusammen. Der Marstall war unsere letzte Station.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Eltzer Hof in der Bauhofstraße, erbaut 1742 und 1743 als barockes Stadtpalais. Der dreigeschossige Bau hat achtzehn Fensterachsen und ein abgewalmtes Mansarddach. Er ist Kulturdenkmal und bildet mit den Nachbargebäuden eine Denkmalzone.

Für Kinder

Dieses Haus ist ein Palast, aber ein schlichter. Gebaut wurde es vor fast dreihundert Jahren für eine Adelsfamilie. Zähl einmal die Fenster in einer Reihe: achtzehn. Im Krieg brannte das Haus ab. Danach baute man es wieder auf, mit einem großen Saal für Konzerte, und unten im Keller war eine Diskothek. Dann fand man im Saal einen gefährlichen Baustoff, Asbest. Danach stand das Haus fast zwanzig Jahre leer. Heute arbeiten Ärzte darin. Von dem alten Palast sind nur die Außenwände übrig, alles dahinter ist neu.

Quellen

Koordinaten: 50.0042, 8.26712 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.