Schauen Sie auf das Dach. Dort stand die überlebensgroße goldene Pferdefigur, die diesem Gebäude im Volksmund den Namen Golden-Ross-Kaserne gab. Kaserne, denn der ehemalige kurfürstliche Marstall wurde im 19. Jahrhundert als solche genutzt. Er steht in direkter Nachbarschaft zum Kurfürstlichen Schloss, und damit zum nächsten Teil dieses Rundgangs. Die Sammlungen dieses Hauses haben den Zweiten Weltkrieg besser überstanden als die Gebäude. Die Bauten wurden bei Fliegerangriffen zerstört, die Bestände waren sorgfältig und rechtzeitig ausgelagert und blieben relativ unbeschadet. 1962 konnte am alten Standort wiedereröffnet werden. 1967 übernahm das Land Rheinland-Pfalz die Finanzierung, und Altertumsmuseum, Gemäldegalerie und Graphische Sammlung wurden endgültig zusammengeschlossen. 1986 bekam das Haus den Namen Landesmuseum Mainz. Ein Name, der hier öfter fällt, ist Wilhelm Weber, von 1978 bis 1983 Direktor. Er richtete Abteilungen für römische Kunst, für Judaica und für Mittelalter und Neuzeit ein und kaufte bedeutende Gemälde an, unter anderem von Marc Chagall und Pablo Picasso. Nun zu den Zahlen, denn sie sind die eigentliche Auskunft über dieses Museum. Die Sammlung römischer Steindenkmäler umfasst über 2000 Einzelstücke und zählt damit zu den größten nördlich der Alpen. Die Graphische Sammlung hat mehr als 45.000 Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphiken, dazu mittelalterliche Miniaturen des 14. bis 16. Jahrhunderts. Beides ist das Größte seiner Art in Rheinland-Pfalz. Aus der Vorgeschichte stammt die Venus vom Linsenberg, eine Frauenstatuette aus der Altsteinzeit, datiert auf etwa 23.000 vor Christus. Von 2004 bis 2010 wurde das Haus für 32 Millionen Euro teilsaniert, barrierefrei umgebaut und neu eingerichtet. Vier Monate war es dafür komplett geschlossen. Nicht alles passte danach wieder hinein: Bedeutende Exponate konnten aus Platzmangel nicht mehr gezeigt werden. Ein Raum hier hat eine besondere Geschichte. In der Steinhalle, in der die römischen Steinmonumente stehen, tagte von 2016 bis 2021 der Landtag von Rheinland-Pfalz, während sein eigenes Haus saniert wurde. Die andere Hälfte der Halle zeigte in dieser Zeit eine verkleinerte Auswahl der Steindenkmäler. Seit Januar 2026 ist in dem vormals vom Landtag genutzten Bereich eine Interimsausstellung zu sehen, Thema: 1000 Jahre Judentum in Rheinland-Pfalz.
Sie stehen vor dem Landesmuseum Mainz, einem der ältesten Museen in Deutschland. Es sitzt im ehemaligen kurfürstlichen Marstall an der Großen Bleiche. 1937 zog das Städtische Altertumsmuseum hier ein, nach dem Krieg folgte die Gemäldegalerie.
Das hier ist ein Museum, eines der ältesten in Deutschland. Angefangen hat es mit einem Geschenk: Napoleon, der französische Kaiser, schickte der Stadt Mainz 1803 sechsunddreißig Bilder. Daraus wurde eine Sammlung, und die wuchs immer weiter. Heute stehen hier über zweitausend Steine aus der Römerzeit, mit Schrift und Figuren darauf. Das Gebäude war früher der Pferdestall des Kurfürsten, später wohnten Soldaten darin. Oben auf dem Dach stand ein goldenes Pferd, größer als ein echtes. Darum heißt das Haus im Volksmund Golden-Ross-Kaserne.
Koordinaten: 50.00385, 8.26778 · auf der Karte