Bleiben wir beim Wohlstand dieses Klosters, denn an ihm lässt sich zeigen, wie Macht im Mittelalter wuchs. König Adolf gab dem Kloster 1294 besonderen Schutz durch Privilegien, die späteren Königen immer wieder zur Bestätigung vorgelegt wurden. Adel und Mainzer Patrizierfamilien, später auch kurfürstliche Beamte, vermachten ihm große Ländereien und Geldmittel. Ein Beispiel mit Preis: Am 9. Juni 1329 wurde in Oppenheim eine Urkunde ausgestellt, mit der Dorf und Gericht Zornheim an das Kloster verkauft wurden. Der Kaufpreis betrug 200 Pfund Heller. Von nun an besaßen Äbtissin und Konvent zweihundertfünfzig Jahre lang nicht nur Grundbesitz in Zornheim, sondern die unmittelbare Herrschaft über den Ort. Aufgegeben haben sie sie aus Angst: Weil die Kurpfalz immer mächtiger wurde, übertrug die Äbtissin Ursula Steinhauserin von Neidenfels am 2. September 1578 alle Gewalt über Zornheim an den Mainzer Kurfürsten. 1781 beantragte der letzte Mainzer Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal, ein Beförderer der Wissenschaften, die Auflösung der drei reichsten Mainzer Klöster: Kartause, Altmünster und Reichklara. Deren Besitz sollte an den Universitätsfonds gehen. Papst und Kaiser genehmigten. Was danach mit diesen Mauern geschah, klingt wie eine Liste des Niedergangs: Unterkunft für Hochwassergeschädigte, Militärhospital, Stall, Salzlager, Kaufmannslager, dann eine Bäckerei mit Mehlmagazin und später ein Proviantamt. 1835 teilte man die Klosterkirche durch einen Umbau in fünf Stockwerke. 1904 stand von dem Kloster nur noch die Kirche. Erster Direktor des Museums wurde Wilhelm von Reichenau, ein ehemaliger Offizier, der den Beruf nach einer Kriegsverletzung aufgegeben hatte. In den 1920er Jahren wurde das Haus bekannt durch Fossilfunde: Fährtenplatten aus Nierstein am Rhein, etwa 290 Millionen Jahre alt, mit Fußabdrücken von Insekten und Sauriern. Am 27. Februar 1945 zerstörten Fliegerbomben die Reichklarakirche. Der Großteil der Bestände ging verloren. Siebzehn Jahre dauerte es, bis das Museum 1962 wieder öffnen konnte. Wenn Sie hineingehen, suchen Sie die drei Quaggas, südafrikanische Steppenzebras. Weltweit existieren nur noch dreiundzwanzig Exemplare dieser um 1900 ausgestorbenen Tiere. Und noch eine Zahl: Mehr als 25.000 Funde aus den Mosbacher Sanden zeigen Flusspferd, Steppenmammut, Elch, Wolf und Säbelzahnkatze, die vor etwa 500.000 Jahren im Rhein-Main-Gebiet lebten.
Sie stehen vor dem Naturhistorischen Museum, der Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz. Es ist das größte Museum seiner Art im Land. Eröffnet wurde es am 16. Oktober 1910, und zwar in der Kirche eines ehemaligen Klarissenklosters.
In diesem Haus lebten früher Nonnen. Sie bauten hier vor mehr als siebenhundert Jahren ein Kloster. Später wurde es aufgelöst, und in den Räumen waren dann ein Krankenhaus für Soldaten, ein Stall, ein Salzlager und sogar eine Bäckerei. Heute ist ein Museum darin. Such dort drei Zebras mit braunen Streifen. Das sind Quaggas, und es gibt sie nicht mehr: Auf der ganzen Welt sind nur noch dreiundzwanzig ausgestopfte übrig. Es gibt hier auch Steinplatten mit den Fußspuren von Sauriern. Wie alt die sind? 290 Millionen Jahre.
Koordinaten: 50.0033, 8.27056 · auf der Karte