Stadtohr

Stadtrundgang Mainz · Station 3 von 16

Markt (Mainz)

· platz, handel, wiederaufbau

Ausführlich

Drehen Sie sich einmal langsam um die eigene Achse. Fast alles, was Sie an Fassaden sehen, ist jünger als Sie denken. Die Geschichte dieses Platzes ist in den letzten fünfzig Jahren zweimal neu entschieden worden. Zum Ende des 19. Jahrhunderts trennte man aus Gründen der Verkehrssicherheit Fußgänger und Fahrzeuge, mit Bürgersteigen und Fahrbahnen. Der Marktbrunnen musste deshalb weichen. Nach dem Krieg forderte der Architekt Karl Gruber 1949, den Platz als verkehrsfreien Raum dem Fußgänger zu erhalten und ihn nicht mit einer diagonalen Verkehrsstraße zu zerschneiden. Genau das wurde dann gebaut, und zwar für die folgenden sechsundzwanzig Jahre. 1975 feierte Mainz das tausendjährige Domjubiläum. Das war der Anlass für einen Wettbewerb zur fußgängerfreundlichen Umgestaltung der vier Domplätze Liebfrauenplatz, Markt, Höfchen und Leichhof. Gewonnen hat das Büro Infra Gesellschaft für Umweltplanung, das Konzept stammte von dem Architekten Wolfram Becker. Es erlaubte, den Marktbrunnen an seinen alten Standort zurückzusetzen. Als neuen Mittelpunkt bekam der Markt die Heunensäule. Für drei der vier Domplätze wählte man Blaubasalt-Pflaster mit Granitstreifen, Sie stehen darauf. Für die Nordseite schlug der erste Preisträger vor, das historische Fassadenbild wiederherzustellen, soweit machbar. Die städtischen Gremien stimmten zu. 1979 begann die Umgestaltung der Nachkriegsbauten, 1991 war sie abgeschlossen. Beim Haus Markt 7 und 9 stand die Fassade eines 1903 abgerissenen Hauses aus der Augustinerstraße Pate. Markt 1 und 5 wurden mit rekonstruierten Vorkriegsfassaden neu gebaut. Die Rechnung ging auf: Die wiederhergestellte Marktzeile wurde eines der beliebtesten Postkartenmotive der Stadt. Und dann kam der zweite Durchgang. In den Häusern Markt 11 bis 13 hatten jahrelang die Kinos Rex und Bambi leer gestanden. Für die Integration in eine Ladenpassage nach Plänen des Büros Massimiliano Fuksas wurden Markt 11, 13 und 15 abgerissen und von 2007 bis 2009 neu erbaut. Ende 2008 war das alte Fassadenbild wieder hergestellt, mit nur wenigen Veränderungen. Zwei Häuser lohnen den Blick auf die Hausnummer. Markt 8 ist die katholische St. Gotthardkapelle, ehemalige Hof- und Palastkapelle, ein zweigeschossiger Quaderbau aus Muschelkalk von 1137. Markt 18 bis 26 sind die Domhäuser, ein dreiteiliger Rokokobau von 1771, Architekt wohl Johann Valentin Thomann. Von Ende November bis zum 23. Dezember steht auf diesem Platz der größte Teil des Weihnachtsmarktes. Hier zieht auch der Rosenmontagszug durch.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Markt, dem nördlichen und größten der vier Plätze rund um den Dom. Spätestens mit dem Dombau um 975 wurde er zum Hauptumschlagplatz für Waren aller Art. Heute ist hier dienstags, freitags und samstags Wochenmarkt, von sieben bis vierzehn Uhr.

Für Kinder

Hier war über tausend Jahre lang Markt, und dreimal in der Woche ist er immer noch da. Früher lag das Gemüse nicht auf Tischen, sondern in großen Körben auf dem Boden. Tische kamen erst später. Was hier gehandelt wurde, verraten die Straßennamen: Korbgasse, Seilergasse, Fischergasse. Was glaubst du, was in der Seilergasse verkauft wurde? Schau dir jetzt die Häuser am Rand an. Sie sehen alt aus, sind aber neu. Die alten wurden im Krieg zerstört. Danach haben die Mainzer die Fassaden noch einmal so gebaut wie vorher.

Quellen

Koordinaten: 49.9995, 8.27366 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.