Gehen Sie zwei Schritte näher und lesen Sie mit den Augen von unten nach oben. Der Trog ist rund und aus rotem Sandstein, drei flach reliefierte Pfeiler gliedern ihn, darüber liegt ein dreieckig umlaufendes Gebälk. Im Querbalken steht die Stifterinschrift. Sie ist lateinisch, obwohl der Brunnen ausdrücklich dem Volk gestiftet war, und das Volk kein Latein lesen konnte. Darüber wird es voll. Auf dem Gebälk sitzt eine durchbrochene Bekrönung aus hellem Sandstein, darauf ein Pfeilerbaldachin. Ursprünglich saß oben die Marktfahne mit dem Wappen des Landesherrn, der Schutz- und Gerichtsherr des Marktes war. Die Madonnenfigur, die Sie heute sehen, kam erst 1890 dazu, von dem Mainzer Bildhauer Valentin Barth. Jetzt zum Bildprogramm, denn hier wird die Stiftung deutlich. Sie zeigt den Sieg der gottgegebenen Ordnung über die, die sich auflehnen. Ein betrunkener Bauer mit rotem Hahn ist abgebildet, überschrieben mit den Worten O BEDENK DAS END. Totenkopf und Stundenglas mahnen den Betrachter. Dazu kommen Gerechtigkeitssymbole, die für die Politik des Landesherren standen, florale Ornamente und Arabesken. Oben halten Fabelwesen die Wappen des Stifters: zwei persönliche Wappen Albrechts von Brandenburg und Wappen seiner drei Bistümer Halberstadt, Magdeburg und Mainz, dazu der Kardinalshut, den er 1518 empfangen hatte. In den drei Ecken steht je ein Putto auf einer Kugel und präsentiert einen Wappenschild. In den Nischen der Pfeiler stehen die Stadtheiligen Martin von Tours und Bonifatius sowie St. Ulrich als Quellenpatron. Dieser Brunnen hat vier Standortwechsel und einen Weltkrieg überlebt. 1767 schlug der Blitz in den Dom ein, der Brand beschädigte auch die Umgebung, danach wurde der Brunnen unter Kurfürst Emmerich Joseph von Breidbach-Bürresheim renoviert. 1889 versetzte man ihn an die Nordostseite des Platzes, weil Bürgersteige und Fahrbahnen angelegt wurden. Im Zweiten Weltkrieg war er eingemauert und überstand die Bombardierungen ohne größere Schäden. 1975 kam er an seinen ursprünglichen Standort zurück. Am Beckenrand hat sich der Restaurator von 1890 selbst verewigt. Die Inschrift nennt ihn: VAL. BARTH, SCULPTOR MOGUNTINUS. Große Teile der oberen Partien sind seit damals Kopien aus gelbem Sandstein.
Sie stehen vor dem Marktbrunnen. Kurfürst Albrecht von Brandenburg stiftete ihn 1526 der Mainzer Bevölkerung. Er ist einer der ersten Zierbrunnen der Renaissance und gilt als der bedeutendste seiner Art. Geschaffen wurde er wohl in der Werkstatt des Bildhauers Peter Schro.
Hier war früher die wichtigste Wasserstelle der Innenstadt. Zuerst zog man das Wasser mit einem Eimer herauf, später gab es eine Pumpe. Geschenkt hat den Brunnen 1526 ein Kurfürst, Albrecht von Brandenburg. Nett gemeint war das nicht nur. Kurz vorher hatten sich die Bauern im ganzen Land gegen ihre Herren gewehrt, und sie hatten verloren. Darum sind oben am Brunnen seltsame Dinge zu sehen: ein betrunkener Bauer mit einem roten Hahn, ein Totenkopf, eine Sanduhr. Daneben steht in alter Schrift: O bedenk das End. Findest du den Totenkopf?
Koordinaten: 49.9994, 8.27413 · auf der Karte