Willkommen in Mainz. Wir beginnen am Dom, denn an ihm hängt vieles, was auf diesem Rundgang noch kommt. Schauen Sie den Ostteil hinauf, auf die beiden Türme. Vier Geschosse davon sind das Älteste, was von diesem Haus erhalten ist. Zur Vorgeschichte. Dass es in Mainz schon im 4. Jahrhundert eine größere christliche Gemeinde gab, weiß man von dem römischen Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus. Er berichtet von der Plünderung der Stadt im Jahr 368 und erwähnt dabei eine Gemeinde, die bei der Feier eines Festes überrascht wurde, vermutlich des Osterfestes. Erster sicher bezeugter Bischof ist Sidonius im 6. Jahrhundert. Wo seine Kirche stand und wie groß sie war, ist unbekannt. Nun zu Willigis. Seine Amtszeit begann 975. Er hatte am Hof Ottos des Ersten gedient und war neben dem Bischofsamt Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches. Pastorale Erwägungen lagen dem Dombau mit Sicherheit nicht zugrunde. Der Neubau war als Staatsdom gedacht. Er sollte den Erzbischof als Reichserzkanzler und Königskröner darstellen und die Bedeutung der Mainzer Kirche als zweites Rom erkennbar machen. Deshalb orientierte sich die Ausführung an Alt-Sankt-Peter in Rom. Deshalb stand im Osten eine eigene Vorkirche, mit dem Dom verbunden durch zwei Kolonnaden von einundvierzig Metern Länge, die im Grundriss wie verlängerte Seitenschiffe wirken. Deshalb die Treppentürme, deren Motiv Willigis vermutlich von der Pfalzkapelle in Aachen übernahm. Dann die Zahl 1009. Bei der Brandkatastrophe dieses Jahres wurden Vorkirche und Kolonnaden zerstört. An der Idee eines vorgelagerten Baus hielt man fest, hier entstand später die Stiftskirche St. Maria ad Gradus, die Liebfrauenkirche. Dass dieser Dom überhaupt so groß ausfiel, war nicht selbstverständlich. Die bedeutendste Kirche des Erzbistums war damals eine andere: die Klosterkirche St. Alban vor der Stadt, mit etwa fünfundsiebzig Metern Länge erstaunlich groß. Dort fanden die Synoden statt, dort wurden die Erzbischöfe begraben. Offen ist bis heute, wo der Vorgängerbau stand. Vermutet wird die Johanniskirche in unmittelbarer Nähe, die später Alter Dom genannt wurde. 2019 fand man dort einen Sarkophag, mitten in der Kirche, aufwendig gearbeitet, also für einen hohen Würdenträger. Die Radiokarbonmethode datiert den Bestatteten auf das Jahr 1000, mit einer Abweichung von zwanzig Jahren. Wikidata nennt für den Dom das Jahr 901, der Wikipedia-Quelle setzt den Baubeginn gegen Ende des 10. Jahrhunderts an und hält eine Bauzeit von dreißig Jahren für möglich. Ich nenne Ihnen beide Angaben und sage dazu, dass es zwei gibt. Gehen Sie jetzt nach Norden. Dort liegt der größte der vier Plätze um den Dom.
Sie stehen am Hohen Dom St. Martin, kurz Mainzer Dom. Er ist die Bischofskirche des Bistums Mainz und zählt zu den Kaiserdomen. Erzbischof Willigis ließ ihn gegen Ende des 10. Jahrhunderts errichten. Vor Ihnen steht eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit gotischen und barocken Anbauten.
Schau dir diese Kirche an. So große Kirchen nennt man Dom. Gebaut hat ihn Erzbischof Willigis, vor mehr als tausend Jahren. Willigis war auch Kanzler des Reiches, also sehr wichtig, und er wollte, dass man das sieht. Eine Kirche für die Leute in Mainz brauchte er nicht, davon gab es hier genug. Er baute die größte, die er konnte, nach dem Vorbild einer Kirche in Rom. 1009 brannte es. Ein Vorbau im Osten und zwei lange Säulengänge waren danach weg. Schau zu den Türmen an der Ostseite: Die vier unteren Stockwerke sind noch die von Willigis.
Koordinaten: 49.998889, 8.273889 · auf der Karte