Sie stehen in der Johannisfahrtstraße, Ecke zur damaligen Berliner Straße, heute ein Bereich östlich des Allee-Centers. Hier stand von 1864 bis 1945 das Wilhelm-Theater. Davor war an dieser Stelle ein Brauhaus, Zum goldenen Handfaß. Nach der Zerstörung Magdeburgs 1631 baute der Brauer Adrian Gentzsch das Gebäude 1639 neu. 1660 kaufte es Stephan Mollenhauer, Korn- und Holzhändler, Schiffer, Brauer und Gastwirt, und richtete einen Gasthof ein. Im 18. Jahrhundert lebte im nördlichen Teil der Komponist Johann Heinrich Rolle und starb hier am 29. Dezember 1785. 1864 gründete Gottlieb Senst das Café francais, ein Spezialitätentheater mit verschiedensten Schaunummern und großem Publikumszuspruch. Auftritte in Kostüm und Maske waren an nicht konzessionierten Theatern damals noch verboten, doch im Café francais traten häufig ehemalige Schauspieler des städtischen Theaters in ihren privaten Kostümen auf. 1869 wurde das Café nach einer Änderung der Reichsgewerbeordnung zum Théâtre des variétés. Mit Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 gab man den französischen Namen auf und benannte das Haus zu Ehren von Wilhelm I. um. Die Eröffnung als Wilhelm-Theater war am 1. Oktober 1870, mit Wilhelm Tell. Der Eingang lag im Erdgeschoss, Bühne und Hauptsaal im ersten Obergeschoss, die Ränge im zweiten und dritten. Das Haus war in einen nach Westen ansteigenden Hang eingebaut. Zum Repertoire gehörten zunächst beliebte regionale Stücke, 1871 etwa Eine Reise durch Magdeburg in 80 Stunden, dazu Klassiker wie Egmont und Othello. Die Fledermaus wurde in der Spielzeit 1875/76 65-mal aufgeführt. 1878 übernahm Ernst Senst, der Sohn des Gründers, die Leitung und spezialisierte das Haus auf Operetten. 1897 gab es 1.123 Sitzplätze. 1919 pachtete die Stadt Magdeburg das Theater für Schauspielaufführungen der städtischen Bühnen, ab 1920/21 war es mit dem Stadttheater vereinigt. Bei offenen Vorstellungen wurden 50 Freikarten an Arbeitslose vergeben, Hintergrund war neben dem sozialen Aspekt vor allem eine unzureichende Auslastung. 1928/29 betrug sie nur 27,3 Prozent. 1929 schloss man das Theater für Bauarbeiten, denn die Sicherheitsstandards waren unzureichend. Der Saal war danach durch kräftige Farben geprägt: rote Wände, rot-gelbe Brüstungen, eine bunt gestreifte Hauptgardine. Neu eröffnet wurde das Haus mit der Burleske Prinzessin Turandot.
Sie stehen in der Johannisfahrtstraße, wo von 1864 bis 1945 das Wilhelm-Theater stand, heute östlich des Allee-Centers. Gottlieb Senst gründete es als Café mit Schaunummern. Zu Ehren von Wilhelm I. erhielt es 1870 seinen Namen.
Hier stand früher ein Theater, das Wilhelm-Theater. Gegründet hat es 1864 ein Mann namens Gottlieb Senst. Zuerst war es ein Café, in dem es Schaunummern zu sehen gab. Später spielte man ganze Theaterstücke und Operetten. Das Haus war in einen Hang hineingebaut: Der Eingang lag unten, die Bühne ein Stockwerk höher. Nach einem Umbau 1914 passten 1350 Zuschauer hinein. Wie viele Kinder sind in deiner Schulklasse? Und wie viele Klassen wären das erst, bis das Theater voll ist?
Koordinaten: 52.12938, 11.63989 · auf der Karte